Krimi am Sonntag

München-“Tatort“ über OEZ-Amoklauf: Bruder eines Opfers äußert sich zur überraschenden Ausstrahlung

+
Arbnor Segashi hat seine Schwester bei dem Amoklauf verloren. Nun geht es im ARD-Tatort aus München um einen ähnlichen Amoklauf. 

2016 hielt der Einkaufszentrum-Attentäter die gesamte Stadt in Atem. Nun greift der „Tatort“ das auf. Der Bruder eines Opfers äußert sich zu der Verfilmung. 

  • In der „Tatort“-Folge am kommenden Sonntag erinnert der BR an ein dunkles Kapitel der Münchner Geschichte.
  • Ein Tag im Juli 2016 hat sich in die kollektive Erinnerung der Menschen eingebrannt.
  • Der Bruder eines Opfers äußerst sich dazu. 

Update vom 22. Januar, 16.17 Uhr: Der Fußballspieler Arbnor Segashi (25) hat am Tag des Amoklaufs seine 14-jährige Schwester Armela verloren. Dass das tragische Erlebnis jetzt verfilmt wird, „davon wusste ich gar nichts“, sagt er im Interview. „Ich verstehe nicht, wieso das gemacht wird“, gibt er zu. 

„Tatort“ München: Bruder eines OEZ-Opfers: „Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt“

Grundsätzlich fände der 25-Jährige die Idee nicht schlecht. „Es erinnert noch einmal an den Tag und lässt das Geschehene nicht in die Vergangenheit geraten“, sagt er. Auch, wenn es ihm schwerfallen und die Ereignisse noch einmal hochkommen könnten, Arbnor Segashi ist sich sicher. „Ich werde mir den Film anschauen.“

Auf die Frage, ob es noch zu früh für solch einen Film sei, antwortet er: „Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt.“ Der Fußballspieler ist der Meinung: „Wenn man das Thema durch den Film aktuell halten will, finde ich es keine schlechte Entscheidung.“

Tatort München greift OEZ-Amoklauf auf - Krimi hat den Titel „Unklare Lage“

Erstmeldung vom 22. Januar, 12.26 Uhr: München - Am 22. Juli wird es vier Jahre her sein, dass ein Teenager im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschoss und dann sich selbst. Die Tat hat sich in Münchens kollektives Gedächtnis eingebrannt - nicht nur wegen der vielen Toten, sondern auch wegen der Panik, die die Stadt ergriff und stundenlang nicht losließ. Jetzt greift der Münchner „Tatort“ mit dem Titel „Unklare Lage“ dieses Phänomen auf. Das Erste strahlt den Krimi am Sonntag (26. Januar, 20.15 Uhr) aus.

„Wissen Sie noch, wie die Leute damals abgegangen sind? Nachdem der Typ aus dem Einkaufszentrum raus ist? Wie plötzlich jeder irgendeinen Typen mit 'ner Knarre gesehen hat?“, fragt der Verdächtige irgendwann im Laufe des Films. „Überall Chaos und jeder verdammte Idiot hat seine eigene Theorie gepostet.“

Video: Die Szenen von damals

" />2286-11-20T17:46:39.000Z

München: BR-“Tatort“ erinnert an OEZ-Amoklauf

Wie kann es sein, dass plötzlich überall Täter gesehen wurden, obwohl es nur einen gab? Welche Rolle spielen soziale Medien bei der Verbreitung von Panik? Und wie gelingt es Polizisten, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn die Stadt um sie herum im Chaos versinkt?

Ausgangspunkt für diese Fragen ist im neuen Fall für Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) ein toter Kontrolleur in einem Münchner Linienbus. Der liegt erschossen und blutüberströmt am Boden, während die Fahrgäste sich panisch zusammenrotten und die Polizei rufen. Der Täter, ein junger, frustrierter Schulabbrecher, ist schnell gefasst - und wird von einem Spezialeinsatzkommando erschossen. Doch handelte er wirklich allein? Oder hatte er einen Komplizen? Und was hatte er vor? Ist es nur Zufall, dass der Bus, in dem er schoss, zu seiner alten Schule fuhr?

Eine Frau im Bus hatte schließlich einen zweiten Vermummten gesehen. Und der Attentäter hatte ein Funkgerät dabei. Das braucht er doch nur, wenn er mit einem Komplizen kommunizieren will - oder? Die zentrale Frage vonseiten der Polizei: „Suchen wir offiziell nach einem zweiten Täter mit allem, was es da draußen auslösen wird?“

In BR-“Tatort“-Folge: In München bricht die Hölle los

Die Polizei entscheidet sich dafür - auch weil Leitmayr und Batic felsenfest von einem zweiten Täter überzeugt sind und der tote Attentäter im Internet die Anleitung für den Bau einer Nagelbombe runtergeladen hat. Damit bricht in der Stadt die Hölle los. Das Fernsehen berichtet rund um die Uhr. Dank Twitter und Co. verbreiten sich Nachrichten von neuen Tatorten wie ein Lauffeuer: „Wir haben heute mehr als 2000 angebliche Tätersichtungen gehabt“, sagt eine leitende Ermittlerin.

Die Beamten lassen sich einfangen von der atemlosen Atmosphäre in der Stadt, auch bei den Ermittlern liegen die Nerven zusehens blank. Ein Polizist erschießt beinahe einen filmenden Journalisten - nur weil der einen dunklen Kapuzenpullover trägt und einen Rucksack dabei hat. Die große Angst des Einsatzleiters: „Ich will hier kein zweites OEZ.“

Film über OEZ-Amoklauf: „Panik, Spekulation und Angst verselbstständigen sich“

Regisseurin Pia Strietmann bleibt in ihrem überaus packenden erzählten „Tatort“-Debüt ganz nah dran an den Ermittlern und bugsiert Assistent Kalli (Ferdinand Hofer) in den Führungsstab, um zu zeigen, wie es dort abläuft, wenn Amok-Alarm herrscht in der Großstadt.

„Panik, Spekulationen und Angst verselbstständigen sich“, beschreibt Strietmann das. Sie habe „das schwelende, sich steigernde Gefühl von einer bedrohlichen unklaren Lage an einem solchen Tag“ zeigen wollen - was ihr auf beeindruckende Art und Weise gelingt.

Erfreulich: Der Bayerische Rundfunk hat Strietmann schon für ihren nächsten „Tatort“ verpflichtet. Sie wird einen Teil der Jubiläums-Doppelfolge drehen, für die der BR mit dem WDR (Leitmayr und Batic mit Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt)) zusammenarbeiten. „In der Familie“ soll im Herbst dieses Jahres ausgestrahlt werden. Den zweiten Teil der Doppelfolge übernimmt Krimi-Routinier Dominik Graf.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Millionen-Diebstahl in der Commerzbank: Wichtige Zeugin verpasst Prozess - alle Angeklagten frei
Millionen-Diebstahl in der Commerzbank: Wichtige Zeugin verpasst Prozess - alle Angeklagten frei
Groß-Gastronom plant Neueröffnung in Münchner Nobel-Vorort - mit besonderem Service
Groß-Gastronom plant Neueröffnung in Münchner Nobel-Vorort - mit besonderem Service
Bekannte Sängerin postet dieses Bild - Ist sie tatsächlich in München S-Bahn gefahren?
Bekannte Sängerin postet dieses Bild - Ist sie tatsächlich in München S-Bahn gefahren?
Mitten in Schwabing: BMW-Rowdy zwingt MVV-Busfahrer zu extremen Manöver - Polizei sucht Zeugen
Mitten in Schwabing: BMW-Rowdy zwingt MVV-Busfahrer zu extremen Manöver - Polizei sucht Zeugen

Kommentare

Ich_haltAntwort
(0)(0)

1. War meine schwangere Frau im OEZ als besagter Vorfall statt fand.

2. Bin ich natürlich auf Ihrer Seite, das so etwas auf keinen Fall passieren darf.

3. Es gibt schon eine Film über den Vorfall

4. Ihr Kommentar ist eine Themaverfehlung, - Zitat:"Der Film beleuchtet hoffentlich nicht nur die Sicht und das Leben des Täters... Es wäre Fatal wenn er die Hauptrolle hätte.", da es in dem Tatort einfach nicht um das OEZ geht. Es wurde nur erwähnt und die Situation in der Stadt vergleichsweise hinzugezogen.

5. Der Bruder des Opfers versucht seit dem Vorfall sich ins Lampenricht zu rücken. Auf dem Rücken des Opfers und dem Leid der anderen Familien anderer opfer. Es fällt auf, das er tatsächlich der einzige ist, der immer wieder in Medien auftaucht.

DerAlteAntwort
(0)(0)

Mein Kommentar bezieht sich auf das, was damals vorgefallen ist. Auf den heutigen Tatort beziehen sich meine Zeilen nur bedingt. Aber egal. Die Meinung anderer zu gewissen Themen müssen Sie nicht teilen, aber wer ausser den Betroffenen ist Ihrer Meinung nach dazu berechtigt etwas dazu zu schreiben. Wenn nicht der Bruder eines der Opfer wer dann? Man wird sich ja noch sachlich dazu äußern dürfen. Wenn Ihnen das nicht passt, dann klicken Sie doch einfach weiter und lassen es so stehen. Ihr Kommentar wirkt auf mich so, als müssten Sie unbedingt was dazu schreiben. Im übrigen scheint Ihnen das nicht wirklich bewusst zu sein, was die Angehörigen damals durchlebt haben. Wie das auf unsere Gesellschaft gewirkt hat, die dort war, mitten drin. Gerade Einkaufen, Kaffe trinken ect. Wenn der Vorfall für Sie ohne Bedeutung war, dann kann ich es auch nicht ändern. Sie haben meinen Kommentar nicht verstanden. Er muss sich ja nicht 1:1 auf den heutigen Tatort beziehen. Das Thema ist allgegenwärtig.
Der Tatort heute hat sehr viel mit dem Vorfall zu tun. Anschauen. Danach werden Sie Ihren leicht zynischen Kommentar vielleicht überdenken.

Pfiffy
(0)(0)

Da wollte wohl jemand ganz dringend in die Presse und musste das kommentieren...