Prozess im August

Nach Amoklauf beim OEZ: Anklage gegen Waffenhändler

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In dieser Kiste lag die Waffe, die der Händler dem Amokschützen David S. verkauft haben soll. 

Der Mann, der dem Amokläufer David S. die Waffe verkauft haben soll, muss sich vor Gericht verantworten. Ihm werden unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

München - Besonders professionell agierte Philipp K., der nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft mit dem Waffenhandel seinen Lebensunterhalt bestritt, nicht. Im August 2016 wurde der Mann, der dem 18-jährigen Amokläufer eine Pistole Glock 17 samt mehreren Hundert Schuss Munition verkauft haben soll, in Marburg festgenommen. Die Ermittler hatten dem Hessen damals mit einem fingierten Waffengeschäft eine Falle gestellt. Der arbeitslose Verkäufer schraubte vor dem Scheingeschäft in der Nähe des Marburger Busbahnhofs die Autokennzeichen ab, um seine Identität zu verschleiern – fehlende Kennzeichen sind aber wesentlich auffälliger. Bei dem von der Polizei eingefädelten Scheingeschäft erzählte K. vom Verkauf der Waffe an David S. – untypisch für Profis. Gleiches gilt für das Versteck: Der 32-Jährige verbuddelte die Kiste mit einer Maschinenpistole, vier Pistolen und Munition auf einer bewaldeten Verkehrsinsel nahe der Autobahnabfahrt Köln-Merheim. Eine Spezialeinheit des Zolls setzte K. schließlich fest.

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Er soll David S. die Waffe im Darknet verkauft haben

Ab 28. August muss sich der 32-Jährige nun vor Gericht verantworten. Die 12. Strafkammer des Landgerichts München I hat die Anklage zur Hauptverhandlung gegen den Marburger zugelassen.

Der 32-Jährige soll seit dem Jahr 2014 Waffen im sogenannten Darknet, einem anonymen Teil des Internets, zum Kauf angeboten haben. Der Amokschütze David S. hatte die Glock über das Darknet besorgt. Die Waffe soll er von dem jetzt Angeklagten gekauft haben. Der 18-Jährige erschoss am 22. Juli 2016 mit der Glock 17 am Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und verletzte fünf weitere. Dann nahm der Amokschütze sich selbst das Leben.

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Wusste der Händler von der Absicht des Käufers?

Dem mutmaßlichen Waffenhändler wird nun fahrlässige Tötung in neun Fällen und fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen vorgeworfen.

Die Anklage geht zwar nicht davon aus, dass Philipp K. wusste, dass S. mit der Waffe und der Munition einen Amoklauf plante. Der 32-Jährige habe aber mit der Möglichkeit rechnen müssen, dass der Käufer sie verwenden kann, sagt der Richter und Pressesprecher Florian Gliwitzky. Es sei einer Waffe immanent, damit anzugreifen oder sich zu verteidigen.

Hintergrund: Das war das Motiv von Amokläufer David S

Stefanie Wegele

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