Schülerinnen betrunken und außer Kontrolle

"Ihr stinkt nach Sch***e!": So lief der Gewalt-Exzess

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In dieser Moosacher Schule ereignete sich am Dienstagvormittag der rabiate Zwischenfall. Zu dem Fall sprach die tz mit dem den stellvertretenden fachlichen Leiter des staatlichen Schulamts, Gerhard Zimmermann (kl. Foto).

München - Sie trinken. Sie prügeln. Sie haben vor nichts und niemandem Respekt: Zwei erst 14-jährige Mädchen bringen Lehrer, Polizei, ihre Eltern und die Jugendschutzstelle an den Rand ihrer Möglichkeiten.

Am Dienstag um 9.30 Uhr rief die Schulleitung der Grund- und Mittelschule in der Haldenbergerstraße über den Notruf die Polizei. Im Unterricht war eine 14-Jährige aus dem Kosovo erschienen, die Hausverbot hat. Frech setzte sie sich zu ihrer deutsch-polnischen Freundin (14), die erst seit Montag auf diese Schule ging. Beide Mädchen waren offensichtlich betrunken und hochaggressiv.

Als die Polizei kam, versuchten sie zu fliehen. Eine Beamtin erwischte die Kosovarin am Arm. Da griff die Freundin von hinten an. Sie übergoss die Polizisten mit Red Bull, trat und schlug der Beamtin den Rücken grün und blau und kreischte wie von Sinnen: „Ihr stinkt nach Scheiße! Ich bring’ Euch alle um!“ Mit Mühe gelang es den Beamten, die tobenden Mädchen zu fesseln. Auf der Wache versuchte die Polin, zu fliehen – trotz Handschellen. Um 12 Uhr mittags machten beide einen Alkohol-Test. Die Polin hatte da noch über ein Promille Alkohol, ihre Freundin lag knapp darunter. Beide gaben an, Wodka getrunken zu haben – offenbar schon vor Schulbeginn. Sie wurden von den Eltern abgeholt. Um 16.20 Uhr meldete sich der völlig verzweifelte Vater der Deutsch-Polin. Er hatte seiner Tochter Hausarrest verordnet. Wütend drohte sie nun, die elterliche Wohnung kurz und klein zu schlagen. Wieder kam die Polizei, nahm die Tobende in Gewahrsam. Im Lauf des Abends wurde das Mädchen einer Pasinger Jugendschutzstelle überstellt. Am Dienstag erfuhr die Polizei, dass die 14-Jährige dort nicht mehr ist: Abgehauen! Jetzt wird sie wieder von der Polizei gesucht.

Gegen die strafmündigen, längst polizeibekannten Freundinnen wird wegen Widerstands, Hausfriedensbruchs, Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung ermittelt. Zukunft? Völlig ungewiss.

Zimmermann: Einen derart krassen Fall gab es noch nie

Auch im Schulamt der Stadt München löste der extreme Fall am Mittwoch große Betroffenheit aus. Zuständig für die Moosacher Grund- und Mittelschule in der Haldenbergerstraße ist jedoch das Staatliche Schulamt. Die tz befragte den stellvertretenden fachlichen Leiter, Gerhard Zimmermann:

Herr Zimmermann, kommt so etwas Schlimmes öfter an Münchner Schulen vor?

Gerhard Zimmermann: Nein. Probleme mit Alkohol, Aufsässigkeiten oder Übergriffen kommen wohl an jeder Schule mal vor. Das ist unser Metier und in den meisten Fällen auch zu lösen. Aber ein derart krasser Fall ist mir in meiner ganzen Laufbahn noch nicht untergekommen.

Hat die Schulleitung richtig gehandelt?

Zimmermann: Auf jeden Fall. Ein solches Verhalten kann man nicht hinnehmen. Das liegt nicht mehr in der Verantwortung einer Schule. Da konnte die Schulleitung leider nichts anderes mehr machen, als die Polizei einzuschalten.

Was geschieht jetzt mit dem Mädchen?

Zimmermann: Ihr Verhalten hat natürlich Folgen. Nach derzeitigen Stand der Ermittlungen hat sie den Alkohol nicht im Schulgebäude zu sich genommen. Man wird nun prüfen müssen, inwieweit die Schule überhaupt noch einen pädagogischen Einfluss auf dieses Kind ausüben kann. Ein schwieriger Fall. Sie war doch erst seit zwei Tagen an dieser Schule.

Wer entscheidet, ob dieses Mädchen – ebenso wie die bereits mit einem Hausverbot belegte Freundin – von der Schule verwiesen werden muss?

Zimmermann: Das entscheidet die Schulleitung gemeinsam mit der Lehrerkonferenz. Zunächst einmal aber hoffe ich, dass das Mädchen bald und vor allem unbeschadet wieder heimkehrt. 

Dorita Plange

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