„Gscheid radln – aufeinander achten“

So will die Stadt die Sicherheit für Radfahrer verbessern

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Sylvia (30 †) starb am 21. September 2016, ihrem ­Geburtstag. Ein weißes Rad erinnert an den Unfall.

Das zentrale Ziel der Stadt ist, dass München fahrradfreundlicher wird und das Radln sicher ist. Der Vater einer verunglückten Radlerin fordert mehr Rücksicht.

München - Das Leid, mit dem diese Familie seit 21. September 2016 leben muss, ist kaum vorstellbar: An diesem Tag übersah ein abbiegender Lkw-Fahrer in Moosach eine junge Frau auf dem Fahrrad. Die Münchnerin wurde unter das 26-Tonnen-Fahrzeug gezogen und überrollt. Sie starb an der Unfallstelle.

Am Mittwoch stellte die Stadtrats-ÖDP und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub München (ADFC) an der Lassalle-/Ecke Triebstraße eine sogenanntes „Ghostbike“ an der Unfallstelle auf. Diese Gedenkräder, die schon an sieben Stellen in München angebracht wurden, stehen für „Vision Zero“ (übersetzt: Vision null). „Tödliche Unfälle sind vermeidbar. Das Ziel der Stadt müssen null Verkehrstote und Schwerverletzte sein“, sagt ÖDP-Stadträtin Sonja Haider.

Sylvia starb an ihrem 30. Geburtstag

Es war am 30. Geburtstag der jungen Frau. „Sylvia war gerade auf dem Weg zur U-Bahn, um zu ihrer Arbeitsstelle zu fahren“, sagt ihr Vater (62) zur tz. Immer wieder ringt er nach Worten. „Sie hat bei der Diakonie Oberbayern gearbeitet. Sylvia hat sich sozial sehr engagiert, viel für Flüchtlinge getan.“ Erst einige Wochen zuvor hatte sich Sylvia mit ihrem Freund verlobt. Heuer wollten die beiden heiraten. Am Tag, an dem seine Tochter von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen wurde, waren die Eltern in Kroatien. „Bis Samstag waren Sylvia und ihr Verlobter auch noch bei uns, sie fuhr wegen der Arbeit früher zurück.“

Als der 62-Jährige und seine Frau gerade am Abendbrottisch saßen, kam der Anruf mit der Todesnachricht. Seitdem versucht die Familie (das Ehepaar hat noch einen Sohn und eine Tochter), irgendwie weiterzuleben. „Ich habe sofort einen Brief an OB Dieter Reiter geschrieben“, so der Vater. Zwar habe die Stadtverwaltung dort recht bald nach dem Unfall die Fahrradfurt rot eingefärbt. Doch der Vater fordert mehr. Für ihn kann es an Ampeln nur die Lösung geben, dass Rechtsabbieger Rot haben, wenn Radfahrer geradeaus radeln dürfen. Seiner Ansicht nach ist es dringend notwendig, dass alle Lkw mit Systemen ausgestattet werden, die den Fahrer auf Gefahren im toten Winkel aufmerksam machen.

„Ein hohes Risiko für Unfälle ist außerdem, dass alle im Straßenverkehr immer nur noch gestresst und gehetzt sind“, sagt der 62-Jährige, der selbst in der Logistikbranche arbeitet. „Die Leute sollten sich mehr Zeit nehmen und aufeinander Rücksicht nehmen – und einfach mehr aufpassen“, appelliert er. Vielleicht könnte auch seine Tochter dann noch leben. „Mag sein, dass manches vielleicht Geld kostet. Aber was ist ein bisschen Geld gegen ein Menschenleben?“ 

Lesen Sie auch: Große Umfrage der Polizei: Hier ist Radeln in München lebensgefährlich.

Das will die Stadt ändern!

Das zentrale Ziel ist, dass München fahrradfreundlicher wird und das Radln sicher ist. Das betonten am Mittwoch Vertreter von Stadt und Polizei im Rahmen der Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten“. „Jeder dritte Verkehrsteilnehmer, der im Jahr 2016 in München verletzt wurde, war mit dem Fahrrad unterwegs“, sagte Polizeivizepräsident Werner Feiler. Zwar ging die Zahl der Radlunfälle um 1,4 Prozent auf 2506 zurück. „Bei mehr als der Hälfte, genau 51,6 Prozent, trugen Radfahrer die Hauptschuld“.

Das KVR prüft derzeit Unfall-Schwerpunkte und sucht nach Verbesserungen, wie zusätzliche Beschilderungen, Warnblinker und Roteinfärbungen der Fahrradfurten. „Bei der Berg-am-Laim-Straße und am Leuchtenbergring testen wir eine neue Ampelschaltung“, berichtete Thomas Böhle vom KVR.

Die Verkehrsüberwachung habe im vergangenen Jahr 5783 Radler zur Kasse gebeten, allein an der Hugendubel-Baustelle – wo das Durchfahren verboten ist – mussten 3346 Radler 15 Euro zahlen. In der Sendlinger Straße, die seit fast einem Jahr Fußgängerzone ist, wurden bereits 443 Radler abkassiert.

Darüber hinaus plant das KVR an 15 Stellen grüne Abbiegepfeile für Radlfahrer. Allerdings gibt es das Schild dafür noch nicht. Zudem testet das KVR ab 19. Mai entlang etwa eines Kilometers in der Schellingstraße eine Grüne Welle für Radfahrer.

Stefanie Wegele

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