Im Olympiastadion

Synthie-Pop vom Feinsten: 60.000 Fans feiern Depeche Mode

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Depeche Mode rocken das Olympiastadion.

Die Briten-Depesche rund um Dave Gahan, den graziös-geschmeidigen Gockelkönig des Genuss-Synthie-Pop, war am Freitag zu Gast im Olympiastadion. Und 60.000 Fans waren dabei.

Punkt sieben, zwei Stunden vor Depeche Mode: Petrus sendet zarte Tropfen vom Himmel, die schwuppdiwupp bei der Vorband The Horror eine halbe Stunde später horrend zulegen. Immerhin sind um acht die Warteschlangen deutlich kürzer als bei Coldplay, die Abgabezelte weitgehend entspannt besucht – und um halb neun zeigt sich, jawoll, sogar ein Regenbogen, strahlend schön, über dem Olympiastadion. Also: Alles bereitet für die Briten-Depesche rund um Dave Gahan, den graziös-geschmeidigen Gockelkönig des Genuss-Synthiepop mit der unglaublich sinnlich-sanften, aber immer kristallklaren Baritonstimme. Das ist ja eines der Geheimnisse der Klangkünstler: dieser Spagat zwischen düster-soghaften Klängen bei gleichzeitiger In-die-Haxen-fahr-Garantie.

Das Fest naht, es ist kurz vor neun, die 60.000 Fans vorwiegend zwischen 30 und 50 ziehen die Regencapes aus. Und dann: Hier kommt die Sonne…

Gleich der Opener Going Backwards vom neuen Album: Midtempo, lässig, schwül, einfach schön. Schon nach Song 1, vor So much Love, entledigt sich Master Gahan, gut bei Stimme, seines Sakkos und zeigt, wie fit man mit 55 sein kann. Wenn man dem Drogentod von der Schippe gesprungen ist. Der Sound ist ordentlich ausgesteuert, nicht zu basslastig, aber gut in körperliche Tiefregionen vorstoßend. Gahan hat übrigens sein dünnes Oberlippenbärtchen auf ein hauchdünnes Grungeteil verlängert, schwelgt aalglatt mit Natureleganz über die breite Bühne und lässt sich vom Soundgewitter umtosen. Petrus ist gnädig. Zumindest die erste Viertelstunde lang.

Der Mann mit der kristallklaren Baritonstimme: Dave Gahan, hier beim Tourauftakt in Leipzig.

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