Täterin gesteht vor Gericht

U-Bahn-Horror: Manager vor einfahrenden Zug gestoßen

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Können wieder lachen: Unternehmensberater Werner M. bedankt sich bei U-Bahnfahrer Thomas W.

Weil sie Werner M. am Westfriedhof ins U-Bahn-Gleis stieß, ist Csilla H. wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie hat gestanden. Der Unternehmensberater hat nur überlebt, weil Fahrer Thomas W. rechtzeitig bremste.

München - Am Bahnsteig lauerte sie ihm auf. Sprach ihn an. Ging ihm nach. Und stieß ihn dann hinterrücks in Gleis. Werner M. (59) hat einen Mordversuch im U-Bahnhof nur mit viel Glück überlebt.

Als er am 26. April 2017 vom Westfriedhof nach Hause fuhr, traf er am Bahnsteig auf Csilla H. (37) - eine, wie sich herausstellen sollte, psychisch kranke Frau. „Sie war mir schon im Zwischengeschoss aufgefallen“, erzählt M. vor dem Landgericht „Ich bin dann mit der Rolltreppe zum Bahnsteig gefahren, am Ende wollte ich einsteigen.“ Als Csilla H. ihn belästigte, ging er weiter, sie aber verfolgte ihn heimlich - bis er einstieg. „Seitlich von hinten hat sie mich dann umgestoßen. Ich hatte keine Chance, mich zu wehren.“

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Vollbremsung rettet M.‘s Leben

Plötzlich lag der Unternehmensberater im Gleisbett, während die U-Bahn heranrauschte. „Ich versuchte mich hochzuziehen und suchte nach dem Rettungsbunker.“ Die Scheinwerfer blendeten sein blutendes Gesicht - nur wenige Meter entfernt war der Zug. Doch ein Schutzengel bewahrte Werner M. vor dem Tod. Sein Name: Thomas W. (47), U-Bahnfahrer der Münchner Verkehrs-Gesellschaft. Durch eine Vollbremsung rettete er Werner M. das Leben. Ein kleines Wunder.

Vor Gericht treffen sich beide nun wieder und sagen als Zeugen gegen Csilla H. aus, die wegen versuchten Mordes angeklagt ist. „Mir war die Frau schon eine Stunde vorher in meiner Bahn aufgefallen“, sagt der Fahrer. „Sie wirkte aggressiv, als hätte sie Drogen genommen.“ Laut Anklage war es nicht das erste Mal an diesem Tag, dass sie versuchte zu morden. Mehrere Attacken legt die Staatsanwaltschaft ihr zur Last. Erstmals auffällig wurde Csilla H. am U-Bahnhof Gern gegen 19.20 Uhr: Dort schlug sie eine 68-jährige Frau und versuchte sie ebenfalls auf die Schienen zu stoßen. Aber Passanten kamen zu Hilfe. Was sie noch verhinderten, widerfuhr eine Stunde später Werner M..

Gestand den Mordversuch: Csilla H. (Mitte) mit Anwältin Christina Keil (re.) vor Gericht.

Täterin „fühlte sich von ihren Mitmenschen provoziert“

Vor Gericht legt Csilla H. ein Geständnis ab und entschuldigt sich. Ihre Verteidigerin Christina Keil sagt: „Meine Mandantin war wütend und fühlte sich von ihren Mitmenschen provoziert.“ Wohl eine Folge der psychischen Störung. Csilla H. droht nun dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Bei Fahrer Thomas W. bedankte sich M. noch vor dem Prozess. „Wer weiß, ob ich es ohne ihn rechtzeitig geschafft hätte.“ Dass der Fahrer die Bahn rechtzeitig zum Stehen brachte, war aber kein Zufall. „Ich ahnte, dass etwas passiert. Deshalb fuhr ich auf meiner Strecke nur 48 km/h und nicht wie gewöhnlich 65 km/h.“ Erst vor zwei Jahren hatte er einen Betrunkenen überrollt, der aber überlebte. Auch Werner M. trug von dem Sturz nur eine Platzwunde am Auge und blaue Flecken davon.

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MVG betreut traumatisierte Fahrer

In vergleichbaren Fällen hat es in München auch schon Tote gegeben. Ein schreckliches Erlebnis für die U-Bahnfahrer, die oft einen Schock erleiden. Um ihren Mitarbeitern in solchen Krisen beizustehen, gibt es bei der MVG ein engmaschiges Betreuungsnetz. „Wenn ein Mitarbeiter traumatisiert ist oder das Geschehene zu einer Traumatisierung führen könnte, übernimmt das Kriseninterventionsteam noch vor Ort, also im Zug, am Bahnhof, die Erstbetreuung“, sagt Sprecher Matthias Korte.

Ab dem folgenden Tag stehe die MVG den Betroffenen zur Seite. „Wir beginnen mit einer psychologischen Beratung durch die hauseigene Abteilung aus Fachspezialisten.“ Reiche ein Beratungsgespräch nicht aus, ermögliche die Zusammenarbeit mit ausgebildeten Therapeuten eine individuelle Traumatherapie. „Uns ist wichtig, dass jeder die Zeit bekommt, die er braucht, um sich zu erholen“, betont Korte. Die Wiedereingliederung folge dann Schritt für Schritt. Korte betont: „Bei uns wird niemand allein gelassen.“

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A. Thieme, J. Schumann, D. Schmitt

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