Zwischenfall in London - Polizei evakuiert Bahnhof Oxford Circus

Zwischenfall in London - Polizei evakuiert Bahnhof Oxford Circus

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Moosach

+
Stadtrat Alexander Reissl vor dem Kultur- und Bürgerhaus Pelkovenschlössl, das 2004 eröffnet wurde.

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Glasscherbenviertel? Von wegen! Der Münchner Norden mausert sich. Und wer das nicht glaubt, soll gefälligst mal vorbeischauen, sagen viele Bewohner. Aber wie in allen Stadtteilen gibt es auch in Feldmoching-Hasenbergl Herausforderungen: Schulnotstand. In Moosach treibt der geplante Neubau einer ganzen Siedlung die Bewohner um. Und in Milbertshofen muss eine weltberühmte denkmalgeschützte Veranstaltungsstätte profitabel gehalten werden. Wie sich der Norden wandelt, was gut läuft und wo es Unsicherheiten gibt, lesen Sie hier.

Der große Wurf war Moosach für Gerlinde Dörr-Fuchs (re.) anfangs nicht: „Als wir 1975 herzogen, habe ich gedacht, wir sind in der Diaspora gelandet“, erzählt die 66-Jährige. Doch Moosach habe sich schnell gewandelt. Auch dank Dörr-Fuchs. „Ende der 80er-Jahre sind sehr viele Familien zugezogen.“ Dörr-Fuchs, damals selbst Mutter kleiner Kinder, engagierte sich im Müttertreff. „Später haben wir einen Arbeitskreis Kindergarten-/Schulnotstand gegründet, damit mehr Betreuungsplätze entstehen.“ Seit 17 Jahren ist sie Mitglied des Moosacher Kulturvereins „Die Linie 1“, der zahlreiche Kulturveranstaltungen auf die Beine stellt – darunter die bekannte Jazz-Reihe „Moosach swingt“.

Die neueste Aktion der „Linie 1“: das donnerstägliche Boule-Spiel am Moosacher ­St.-Martins-Platz um 14 Uhr. Jeder ist willkommen...

Schlüsselidee fürs Schlössl

Als Alexander Reissl kürzlich seine alten Dokumente aus knapp 40 Jahren Politik sortierte – er zieht um –, war er selbst überrascht. „Man vergisst im Laufe der Jahre, mit was man sich schon befasst hat.“ Etwa als eine amerikanische Leasing-Gesellschaft der Stadt ein vermeintlich lukratives „Lease-in/Lease-out“-Geschäft mit ihren Entwässerungsanlagen vorschlug. „Da wurden große Geldvorteile mit Cross-Boarder-Leasing-Modellen versprochen.“ Reissl rechnete nach. Und kam auf einen Barwertvorteil im einstelligen Pfennigbereich.

Auch wenn es um Moosach geht, hat der SPD-Fraktionsvorsitzende immer genau hingeschaut. Der Stadtrat ist im Viertel aufgewachsen. Das Moosach seiner Kindheit war geprägt von den Gärtnereien, die durch die Stadtentwicklung aus Neuhausen an den Stadtrand gedrängt worden waren. „Wir haben auf den Kiesbergen, die für den Bau des Rangierbahnhofs schon aufgeschüttet waren, gespielt und sind in den Bombentrichtern Steilwand gefahren. Es war ein riesiger Abenteuerspielplatz.“

Mit 16 Jahren trat Reissl in die SPD ein, 1984 wurde er Chef des Bezirksausschusses. „Ich erinnere mich noch an den ersten großen Aufreger: die Produktionsbedingungen beim Chemieunternehmen Baerlocher. Erst das Thema Blei, dann die Cadmium-Produktion.“ Drei Bürgerinitiativen zwangen das Unternehmen in die Knie – es gab den Standort in München auf.

Was Moosach immer ausgezeichnet habe: „Ein großer Teil der Bevölkerung nimmt aktiv am Leben im Stadtviertel teil.“ Für den Bau eines Bürgerhauses hätten sie über Jahre gekämpft. „Wir wollten immer einen Neubau. Aber das hat sich nie realisieren lassen.“ Umso schöner die Lösung, die der 1981 gegründete Gesamtverein Moosach, dessen zweiter Vorsitzender Reissl ist, fand: Pelkovenschlössl und Hacklhaus vereint unter dem Dach des Kultur- und Bürgerhauses Moosach. „Wir haben das Hacklhaus von der Stadt 1983 bekommen, es war ein ganz kleines landwirtschaftliches Anwesen.“ Das Schlössl sei bis 2000 noch bewohnt gewesen. 2004 wurde es als neues Kultur- und Bügerhaus Pelkovenschlössl feierlich eröffnet.

Siedlung im Umbruch

Mieter in Sorge: In der GWG-Wohnanlage um die Karlingerstraße (Foto) sollen zwölf in die Jahre gekommene Wohnblöcke schrittweise abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Laut GWG wird keiner der betroffenen Mieter auf der Straße stehen: Die Bewohner können für die Bauzeit in ein anderes Viertel ausweichen, dort dauerhaft bleiben oder zurückziehen oder auch innerhalb der Moosacher Anlage umziehen. Auf Umzugskosten der GWG. Die städtische Wohnungsgesellschaft will ab 2020/21 mit den Arbeiten im Nordteil der Siedlung an der Bauberger- und Gubestraße beginnen. Das neue Stadtteilzentrum der Volkshochschule an der Baubergerstraße ist bereits im Entstehen. Im Herbst 2018 sollen in dem fünfstöckigen Neubau die ersten Kurse angeboten werden...

Lesen Sie auch:

So verwandelt sich Hadern

So verwandelt sich Laim

So verwandelt sich Sendling

So verwandelt sich die Maxvorstadt

So verwandelt sich das Glockenbach

So verwandelt sich das Westend

So verwandelt sich Feldmoching-Hasenbergl

So verwandelt sich Milbertshofen

Daniela Schmitt

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Baum auf Gleis und Polizeieinsatz: S2 und S3 fahren wieder nach Plan
Baum auf Gleis und Polizeieinsatz: S2 und S3 fahren wieder nach Plan
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine

Kommentare