So geht es dem Angeklagten heute

Mord in der Corneliusstraße: Das Leben nach dem Freispruch

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Überraschender Freispruch: Roman H. war wegen Mordes angeklagt, die Tat konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

München - Roman H. war in einem Mordprozess angeklagt und wurde freigesprochen – Sein Bruder erzählt, wie es ihm heute geht. Die Familie lässt der Prozess nicht los.

Erschlagen und erdrosselt fand die Polizei die 69-jährige Inge Wittersheim am 5. Oktober 2013 in ihrer Wohnung an der Corneliusstraße (Isarvorstadt). Der 38-jährige Roman H. geriet schnell in den Verdacht der Ermittler. Er hatte der Dame vor der Tat beim Möbelaufbau geholfen. Arglos ließ sie ihn laut Anklage in die Wohnung, er aber soll es auf Geld und Schmuck abgesehen – und sie deshalb ermordet haben. So sah es die Staatsanwaltschaft zum Auftakt des Mordprozesses. Die Anklage bestätigte sich nicht: Am Ende der sechs Monate langen Verhandlung sprach der Richter H. überraschend frei: Im Zweifel für den Angeklagten.

Mehr als acht Monate später sitzt Lukas H. (31), Romans Bruder, in der Kanzlei von dessen Verteidigern Tom Heindl, Anja Aringer und Andreas Lickleder. Der Prozess war ein Riesenerfolg für die Anwälte – Freisprüche in Mordfällen sind extrem selten. Romans Bruder möchte über den Fall sprechen. Über den Gerichtsprozess, Romans Zeit im Gefängnis und das Leben nach dem Freispruch. Denn das Geschehene lässt die Familie nicht los.

„Die Verhaftung war ein Schock. Wir dachten alle: ,Das kann nicht wahr sein!’“, sagt Lukas H. der tz. „Wir haben ständig an ihn gedacht und mit ihm gelitten. Der Prozess hat ihn ausgelaugt. Am Ende wurden unser Gebete erhört. Der Freispruch hat uns sehr glücklich gemacht. Wir haben immer an Romans Unschuld geglaubt.“ Direkt danach habe sich die Familie getroffen, nach Monaten wieder vereint. „Später ist Roman dann nach Tschechien zu seiner kleinen Tochter gefahren“, sagt Lukas H. Sein Leben hat er sich nach dem Freispruch in Geisenfeld aufgebaut, wo er auch vorher gelebt hatte. Er hat sich nicht ins Ausland abgesetzt. Verteidiger Heindl sagt: „Das zeigt mir, dass er sich auch selbst als unschuldig sieht und nichts zu verbergen hat.“ Mittlerweile arbeitet Roman H. als Kommissionierer bei einem Autohersteller. Er habe lange gebraucht, um alles zu verarbeiten, erzählt Lukas H. „Es waren 14 schreckliche Monate für ihn. Er war alleine in der Zelle und sehr hilflos. Ich glaube, er hätte sich das Leben genommen, wenn er verurteilt worden wäre.“

Der Kampf vor Gericht ist aber noch nicht endgültig gewonnen. Am Bundesgerichtshof in Karlsruhe findet bald die Revision statt. Dann wird das Urteil nochmals geprüft. Und entweder bestätigt oder aufgehoben und zum Landgericht zurückverwiesen, wo eine andere Strafkammer den Mordfall neu verhandeln müsste. In diesem Fall käme Roman H. wieder in Untersuchungshaft, bis es ein erneutes Urteil gibt, bestätigt Heindl.

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