Mord an Michaela Eisch (8): 1750 Männer zum Speicheltest

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Das Grab von Michaela Eisch

München - Vor 26 Jahren wurde die damals achtjährige Michaela Eisch missbraucht und erdrosselt. Jetzt verfolgt die Polizei eine neue Spur – und bittet zu einem DNA-Massentest, der am Freitag beginnt.

26 Jahre sind vergangen, seit Michaela Eisch getötet wurde. Sie war acht Jahre alt, als ihr Mörder sie missbrauchte und erdrosselte. Bis heute ermittelt die Münchner Polizei – an diesem Wochenende greift sie zum letzten Mittel. 1750 Männer werden zum Speicheltest gebeten. Unter ihnen, so hoffen die Ermittler, könnte der Mörder sein. Die DNA-Proben werden in den nächsten Wochen mit einer Spur vom Tatort verglichen, die dank verbesserter Technik Jahrzehnte nach dem Mord gefunden wurde. Sämtliche Personen aus Michaelas nahem Umfeld und der Familie wurden so bereits als Täter ausgeschlossen.

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Michaela verschwand am 17. Mai 1985 – dem Tag, an dem sie zum ersten Mal allein mit der U-Bahn fahren durfte, um ihre Mutter von der Arbeit abzuholen. Die beiden wollten Schallplatten kaufen gehen. Doch das Mädchen kam nie in der Innenstadt an. Vier Wochen später fand die Polizei die Leiche nahe der Braunauer Eisenbahnbrücke. Weil Zeugen Michaela dort zuletzt im vertrauten Umgang mit einem Mann gesehen hatten, vermuten die Ermittler den Täter in der Nachbarschaft: der Maikäfersiedlung in Berg am Laim, wo die Eischs damals lebten..

Alle Männer, die damals zwischen 30 und 40 Jahre alt waren und in der Siedlung lebten, wurden nun zum Test eingeladen. 1750 sind noch in München gemeldet. Wer nicht zum Test will, muss nicht hingehen – die Staatsanwaltschaft hatte stets betont, man mache sich dadurch nicht verdächtig.

Frank-Rudolf M. (Name geändert) ist einer von denen, die ihre DNA abgeben sollen. Er lebt bis heute in der Maikäfersiedlung. Nach dem Mord, erinnert er sich, habe er besonders gut auf seine Töchter aufgepasst. Trotzdem: Ob er zum Test geht, weiß er noch nicht. Es ist das „grundsätzliche Misstrauen vorm großen Bruder“, das ihn zögern lässt. Auch, wenn die Rechtsmedizin versichert, dass alle Proben nach dem Abgleich sofort vernichtet werden – M. fürchtet, dass seine DNA doch weiterverwendet wird. Zudem ärgert ihn die Vorgehensweise der Polizei: Die ganze männliche Nachbarschaft werde „unter Generalverdacht“ gestellt. Dabei stehe die Siedlung direkt an einer großen Ausfallstraße zwischen Mittlerem Ring und der U-Bahnhaltestelle Michaelibad. Schwimmbad, Ostpark und Neuperlach seien auch nicht weit. „Es kann ebenso gut ein Fremder oder ein Zufall gewesen sein.“

Was passiert nun also, wenn man nicht zum Test erscheint? Die Staatsanwaltschaft will dann die Gründe prüfen. „Wir warten aber erstmal ab, wie viele Personen kommen“, sagte Sprecherin Barbara Stockinger. „Wie es weitergeht, wird im Einzelfall entschieden.“ Das Ziel sei es, am Ende 1750 Proben zu bekommen. 140 Männer, die am Wochenende nicht da sind, haben ihre Probe bereits abgegeben.

In München ist es der erste DNA-Massentest in dieser Größenordnung. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Manchmal, wie im Fall eines Mädchenmörders in Niedersachsen, führte der Test zum Erfolg. In anderen Fällen, etwa beim Badewannen-Mord von Poing, gab es kein Ergebnis. Für die Münchner Ermittler ist der Test im Moment die einzige Chance, Michaelas Mörder noch zu finden.

Ann-Kathrin Gerke und Carmen Ick-Dietl

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