Mord an Nachbarn: Rentner vor Gericht

München - Wegen Mordes an einem schikanösen Hausmitbewohner steht seit Montag ein 70-Jähriger vor dem Münchner Schwurgericht.

“Ich hab vor dem Angst gehabt und vor den Leuten, die er um sich geschart hat“, entschuldigte sich der Rentner zum Prozessauftakt. Am 15. Oktober 2010 habe der Nachbar wieder einmal gegen seine Tür “gepumpert“ und seine Aufforderung, das zu lassen, mit der Drohung gekontert: “Ich schlag dich tot!“ Der Angeklagte griff zu einem Messer, das in einem Fahrradkorb neben der Eingangstür lag, und stach zwanzigmal zu. Das 66 Jahre alte Opfer verblutete binnen kürzester Zeit.

Das Opfer wohnte in der Etage über dem Angeklagten. Nachbarn schilderten den 66-Jährigen bei der Polizei als eine Art Blockwart mit Kontrollzwang. Der Rentner soll Patrouillengänge durch das Haus gemacht und Anstoß “an allem“ genommen haben - vom Kindergeschrei über laute Musik bis zum Zwiebelgeruch. Er habe “fast krankhaft“ für Ordnung gesorgt und Ausländer gehasst. Der Angeklagte ist im ehemaligen Jugoslawien geboren.

Laut psychiatrischen Gutachten leidet der 70-Jährige an einer wahnhaften Störung. Er hat laut Anklage kaum noch die Wohnung verlassen und 2009 wiederholt die Polizei gerufen, weil der Nachbar ihm nach dem Leben getrachtet habe. Als am Tattag gegen seine Tür geklopft worden sei, “habe ich gewusst, dass der es wieder mal auf mich abgesehen hat“. Er müsse wohl nach dem Messer gegriffen haben, wisse das aber nur “von der Frau Staatsanwältin und aus den Akten“. Der Angeklagte hat sich nach der Tat widerstandslos festnehmen lassen. Im Prozess muss das Gericht auch entscheiden, ob der Mann in eine Psychiatrie eingewiesen wird.

lby

Rubriklistenbild: © ap

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