Mord ohne Motiv in Gröbenzell?

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Daniel H. (links) packte in der Küche plötzlich ein Messer und stach es Reiner von H., dem Freund der Mutter in den Hals

Gröbenzell/München - Ein 18-jähriger Gröbenzeller wird beschuldigt, den Freund seiner Mama mit einem Messer erstochen zu haben. Der Fall gibt Rätsel auf. Am Dienstag beginnt das Verfahren.

Nichts, aber auch gar nichts deutete auf diese Tat hin. Am Abend des 9. Januar 2011, einem Sonntag, soll der 18-jährige Gröbenzeller Daniel H. (Name geändert) kurz nach dem Tatort ein Messer gezückt und es dem Freund seiner Mama in den Hals gejagt haben. Reiner von H. (48) war nicht zu retten.

So steht es im Antrag der Staatsanwaltschaft München II, am Dienstag beginnt das Verfahren: Die Strafverfolger beschuldigen Daniel H. des heimtückischen Mordes – aber einen Mordprozess soll es nicht geben. Der Jugendliche leidet nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft an einer so schweren paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, dass er nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden konnte und eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Darum soll der Bursche in der Psychiatrie bleiben. Schuldunfähig!

Auch die Ermittlungen hatten kein Motiv für die Bluttat zutage gefördert. Reiner von H. war seit Jahren mit der geschiedenen Mutter des Beschuldigten liiert, seit Mitte vergangenen Jahres lebte er mit ihr und dem Buben zusammen im Haus in Gröbenzell. Auch am Abend der Tat, gegen 21.45 Uhr, hatte es keinen Streit gegeben. Die Familie stand zwischen Küche und Esszimmer und redete über einen Tresen. Eine Tat wie aus dem Nichts.

Denn dann soll Daniel nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ausgerastet sein – und ein Küchenmesser mit Zehn-Zentimeter-Klinge gezückt haben, das er den ganzen Tag schon in seiner Hosentasche stecken hatte: Zwei Mal trat es Reiner von H. mit furchtbarer Wucht am Hals und einmal in der linken Schulter. „Das hast du jetzt davon!“, soll Daniel laut Ermittler noch gesagt haben.

Die Verletzungen an Schlagader und Luftröhre waren so verheerend, dass der Notarzt nach einer dreiviertel Stunde Kampf nur noch den Tod feststellen konnte. Reiner von H. hatte keine Chance, nie und nimmer hätte er einen Angriff erwarten können.

tz

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