Gericht

Böhringer-Mord: Richter lehnen neuen Prozess ab

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Benedikt Toth wurde wegen Mordes an seiner Tante zu lebenslanger Haft verurteilt. 

München - Das Verfahren gegen den sogenannten Münchner Parkhausmörder Benedikt Toth wird nicht neu aufgerollt. Das Landgericht Augsburg hat einen Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten als unzulässig zurückgewiesen.

Dies teilte das Gericht am Freitag mit. Es lägen keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vor, die das ursprüngliche Ergebnis erschüttern, heißt es in der Begründung. Eine Wiederaufnahme eines Verfahrens zugunsten des Verurteilten sei nur zulässig, wenn es dann auch zu einem Freispruch oder einer milderen Strafe kommen könnte. Dies sahen die Richter offenbar nicht gegeben.

Peter Witting, den Anwalt des Verurteilten, traf der Richterspruch am Freitag überraschend und hart: „Ich bin fassungslos, wie man mit dem Fall umgeht“, sagte er in einem Telefonat mit unserer Zeitung. „Verständlich ist das für mich nicht mehr.“ Nach Ansicht des Münchner Anwalts habe er alle möglichen Indizien zusammengetragen, die Zweifel an einer Täterschaft Benedikt Toths aufkommen ließen. Dass die Landesrichter diese Bedenken einfach nicht gelten lassen wollen, kann Witting nicht nachvollziehen. Da er am Freitag auswärtige Termine gehabt hat, konnte Witting den 75 Seiten starken Bericht jedoch noch nicht lesen und keine Details kommentieren. „Das muss ich erst mal in Ruhe studieren.“

Rückblick: Im August 2008 hatte das Landgericht München Benedikt Toth nach 93 Verhandlungstagen des Mordes an seiner Tante, der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer, für schuldig befunden. Der damals 33-Jährige wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte stets seine Unschuld beteuert. Das Schwurgericht urteilte jedoch, dass er am 15. Mai 2006 die Millionärin in dem Penthouse über ihrem Parkhaus an der Baaderstraße (Isarvorstadt) erschlagen hatte, um sich das Erbe zu sichern. Eine tragende Säule des Schuldspruchs war stets die angenommene Angst Toths, dass seine Tante ihn enterben wolle. Der Neffe habe ihr nämlich lange Zeit den Abbruch des von ihr finanzierten Jura-Studiums verschwiegen. Als sie schließlich doch dahinter gekommen war, habe sie mit ihm gebrochen.

Doch stets gab es gewisse Zweifel nach dem Indizienprozess, ob Toth tatsächlich der Täter war. Dennoch blieb die gegen das Urteil gerichtete Revision beim Bundesgerichtshof erfolglos.

Weil Verteidiger Witting – ebenso wie Toths Umfeld – erhebliche Zweifel an der Stichhaltigkeit der Indizien hatte, kämpfte er weiter für eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Am 1. Oktober 2012, also bereits vor mehr als zwei Jahren, hatte Witting den Wiederaufnahmeantrag eingereicht. Zudem hatte er einen Haftaufhebungsantrag eingereicht, weil er überzeugt war, dass die von ihm vorgebrachten Argumente stark genug seien. Seitdem hatte sich jedoch lange nichts getan. Bis diesen Freitag.

Nachdem der Bericht des Landesgerichts in Wittings Kanzlei durch das Fax gelaufen war, hatte der Anwalt nach eigenen Angaben sofort Beschwerde gegen die Entscheidung der Richter eingereicht: „Wir werden nicht aufgeben.“ Über diese Beschwerden hat nun das Oberlandesgericht München zu entscheiden.

Sven Rieber

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