Nachbarn berichten von Hilfeschreien

Mord ohne Leiche? Fall Daniela K. rätselhaft

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Ein Foto aus glücklichen Tagen: Daniela K. und Bülent A. mit ihren beiden Kindern Sarah Alena und Cenan

München - Der Fall Daniela K. bleibt mysteriös: Die Polizei geht von Mord aus, doch eine Leiche wurde bisher nicht gefunden. Nachbarn berichten von Hilfeschreien in der möglichen Tatnacht.

Wenn es stimmt, was die Münchner Mordkommission vermutet, dann ist Bülent A. (43) ein eiskalter Mörder. Dann hat er seine Ex-Lebensgefährtin Daniela K., die Mutter seiner zwei Kinder (3 und 5), bereits am 12. März in ihrer Wohnung in der Nimmerfallstraße in Pasing umgebracht.

Danach soll er, als sei nichts geschehen, mit seinem Sohn und seiner Tochter, zu seinen Eltern nach Haidhausen gezogen sein. Eine Erklärung für Danielas plötzliches Verschwinden hatte der 43-Jährige auch gleich parat: Sie sei mit ihrem neuen Freund durchgebrannt.

Niemand aus dem Bekanntenkreis hinterfragte zunächst die Version von Bülent A.. Erst am 18. März meldete eine gute Freundin Daniela K. bei der Polizei als vermisst. Sie hatte die Deutsch-Slowakin mehrere Tage nicht erreicht. Nach umfangreichen Ermittlungen im Umfeld der Vermissten und nach Auswertung der Spuren in der gemeinsamen Wohnung in Pasing kamen die Ermittler zu dem Ergebnis: Daniela K. ist ermordet worden — eine Leiche gibt es allerdings nicht!

„Wir gehen auf Grund der Gesamtumstände von einem Mord aus“, sagt Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission. „Es erscheint unvorstellbar, dass die Mutter ihre Kinder zurückgelassen hat.“ Außerdem habe Daniela K. ihr Leben neu planen wollen – mit einem anderen Mann. „Da passt es nicht, dass sie in einer solchen Situation einfach verschwindet“, sagt Mordermittler Kraus.

Nach Erkenntnissen der Polizei war dem Verschwinden von Daniela K. ein Streit vorausgegangen. Sie wollte sich an jenem Abend mit Bülent A. aussprechen und die Beziehung beenden. Bei dem Treffen sei es auch zu Handgreiflichkeiten gekommen. „Es wurde geschubst, möglicherweise auch geschlagen“, sagt Kraus. Nachbarn berichteten zudem von Hilfeschreien. „Doch niemand rief die Polizei.“

Die unterschiedlichen Darstellungen über den Verlauf des Streits machten Bülent A. zusätzlich verdächtig. In Vernehmungen sagte er, Daniela habe ihn geschlagen. Bekannten erzählte Akgün, er selbst sei handgreiflich geworden.

Am vergangenen Mittwoch erwirkte die Staatsanwaltschaft München I einen Haftbefehl wegen Mordverdachts. Bülent A. wurde am Mittwochmorgen in der Wohnung seiner Eltern festgenommen. Er bestreitet vehement, die Mutter seiner Kinder umgebracht zu haben.

Die Eltern des Deutsch-Türken, der sich mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau über Wasser hält, glauben nicht, dass ihr Sohn ein Mörder ist. „Das ist ein großer Irrtum. Es passt sehr wohl zu Daniela, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmert“, sagen sie. „Sie hat die Kleinen immer zu uns geschoben oder zu unserem Sohn.“

Die Mordkommission sucht jetzt dringend Zeugen, die Daniela K. möglicherweise nach dem 12. März gesehen haben oder etwas zu ihrem persönlichen Umfeld sagen können. Hinweise an die Polizei unter Telefon 089/29100.

DOP, JAM, ARB

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