Münchnerin Kornelia St. ermordet - Anklage nach 25 Jahren

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Kornelia St.

München - Mehr als 25 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Münchnerin Kornelia St. hat die Staatsanwaltschaft einen Berufskraftfahrer wegen Mordes angeklagt. Der heute 49-Jährige hat laut den Ermittlern gestanden, die junge Frau 1985 mit einer Flasche niedergeschlagen zu haben.

Am 4. Oktober vergangenen Jahres war der Mann festgenommen worden, nachdem ihm ein damals am Tatort gesicherter Handballenabdruck durch eine verbesserte Analysetechnik zugeordnet werden konnte.

Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft hatte Kornelia St. den damals 23-Jährigen nach 1 Uhr nachts in ihrem Appartement an der Christoph-Probst-Straße (Studentenstadt) ertappt. Die Frau hatte bei geöffneter Balkontür geschlafen und war durch den herumstöbernden Dieb geweckt worden. Dieser griff eine Flasche und schlug sie der entkleideten Frau über den Kopf. Nachbarn fanden die 26 Jahre alte Verkäuferin am nächsten Morgen – es war der 6. Juli 1985 – blutüberströmt vor ihrem Bett.

Hier hat sich das Drama abgespielt

Die Ermittler ging damals zunächst davon aus, dass die junge Frau in ihrem Bad gestürzt war und sich so ihre schweren Kopfverletzungen zugezogen hatte. Ein Gewaltverbrechen konnte allerdings ebensowenig ausgeschlossen werden. Erst 1998 wurde der Tathergang mit neuen technischen Verfahren rekonstruiert und ein Sturz als Todesursache ausgeschlossen. Entscheidend dafür war die damals relativ neu entwickelte Analyse von Blutspuren-Mustern an Tatorten. Erst ab da an war klar, dass die Fahnder einen Gewaltverbrecher suchen.

Als die Mordkommission den Fall 2010 schließlich erneut aufnahm, konnte ein 1985 am Tatort gesicherter Handballenabdruck durch neue Technik dem bereits polizeibekannten Mann zugeordnet werden. Der hatte zum Tatzeitpunkt in München gelebt und war wegen Diebstählen in der Nähe des Studentenwohnheims aufgefallen. Später saß er mehrere Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen Raubes.

In den vergangenen Jahren war der Mann polizeilich nicht mehr aufgefallen. Er zog nach Nordrhein-Westfalen und heiratete. Zuletzt arbeitete der inzwischen wieder Geschiedene als Kraftfahrer und wohnte in Overath bei Köln. Dort nahmen ihn Beamte der Münchner Mordkommission am 4. Oktober frühmorgens – es war zufällig sein 49. Geburtstag – vor seiner Wohnung fest. Zunächst leugnete er, erklärte Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, damals. Auf der Fahrt nach Bayern gestand er aber plötzlich alles. Er sei „erleichtert, dass es endlich raus ist“, habe er laut Kraus gesagt.

Der Beschuldigte sagt zwar, dass er den Tod nicht gewollt habe. Die Staatsanwaltschaft hat dennoch Anklage wegen Mordes sowie Raubes mit Todesfolge erhoben. Ein Datum für den Prozessbeginn gibt es noch nicht.

Sven Rieber

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