"Kaufmann? Der nervigste Fall, den ich je hatte“

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Ex-Ermittler Josef Wilfling war mit dem Fall Günther Kaufmann mehrere Jahre beschäftigt.

München - Günther Kaufmann (†  64) schrieb nicht nur Filmgeschichte, er war auch in einen der bizarrsten Kriminalfälle Münchens verwickelt. In der tz erinnert sich der legendäre Mordermittler Josef Wilfling.

Der Schauspieler ließ sich 2002 aus Liebe zu seiner krebskranken Frau zu 15 Jahren Knast verurteilen, obwohl er den Mord an Steuerberater Hartmut Hagen († 60) angeblich gar nicht begangen hatte. Drei Jahre später wurden die wahren, von seiner Frau beauftragten Killer gefasst - und Kaufmann kam wieder frei.

„Wir sind ganz gut miteinander ausgekommen. Aber ich konnte ihn nicht dazu bewegen, endlich die Wahrheit zu sagen“, sagt Wilfling. Die Spurenlage in der Münchner Mordwohnung habe von Anfang an darauf hingedeutet, dass mehrere Täter beteiligt waren. „Auch das Geständnis war fadenscheinig. Er konnte uns keine Details nennen.“ Später stellte sich heraus, dass Kaufmann seine Frau schützen wollte. Sie hatte den Steuerberater zuvor um 850 000 Mark gebracht und Auftragmörder angeheuert. Bis der Irrtum aufgeklärt war, vergingen Jahre. Erst 2005 sprach das Landgericht Augsburg Kaufmann frei. Wilfling: „Er hat ständig seine Aussagen verändert und eiskalt gelogen.“

Trauer um TV-Star Günther Kaufmann - Porträt in Bildern

Trauer um TV-Star Günther Kaufmann - Porträt in Bildern

Der pensionierte Mordkommissionschef bezweifelt aber immer noch dessen Unschuld: „Bei der Wiederaufnahme konnte ihm das Gericht nur nicht nachweisen, was er wirklich gemacht hat. Seine wahre Rolle wird er jetzt mit ins Grab nehmen.“ Überhaupt hat Wilfling den Hasenbergler als einen Mann in Erinnerung, der auch im richtigen Leben „ständig geschauspielert hat“. Erst vor zwei Wochen waren sich beide zufällig in einem Kölner Hotel über den Weg gelaufen. Wilfling: „Ich kam nach einem TV-Auftritt zurück und habe ihn an der Bar beobachtet. Er war ziemlich alkoholisiert. Im Grunde genommen war er eine verlorene Seele.“

Sebastian Arbinger

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