"Verderben – Die Macht der Mörder"

Mordermittler Josef Wilfling: tz-Interview zu seinem neuen Buch

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Josef Wilfling ist Bestseller-Autor und ehemaliger Chef der Münchner Mordkommission.

München - "Verderben – Die Macht der Mörder", heißt das neue Buch von Josef Wilfling. Darüber spricht der Bestseller-Autor und ehemalige Chef der Münchner Mordkommission im tz-Interview.

Das Cover von "Verderben – Die Macht der Mörder". Am Montag kommt das neue Buch von Josef Wilfling in den Handel.

Im kriminalistischen Sinne ist er der klassische Wiederholungstäter – sehr zur Freude seiner Fans: Am Montag veröffentlicht der Heyne-Verlag das dritte Buch des Bestsellerautors Josef Wilfling (68), ehemals Chef der Münchner Mordkommission und Kenner der menschlichen Abgründe. Die tz wird ab Montag vier authentische Fälle aus dem neuen Bestseller Verderben – Die Macht der Mörder (320 Seiten, 19,99 Euro) vorstellen. Alle Fälle stammen aus der aktiven Zeit des Mordermittlers, der seine Leser nicht verschont mit zuweilen verstörenden Details und Einblicken in die Täter-Psyche. Das tz-Interview:

Was ist die Botschaft Ihres dritten Buches?

Josef Wilfling: Mein erstes Buch beschäftigte sich mit den Mordmotiven. Das zweite mit der Thematik, wie ein Mensch zum Mörder werden kann. Und jetzt geht es um die Zeit danach. Was geschieht, wenn der Mord passiert ist. Da stehen die Opfer im Mittelpunkt und natürlich die Aufklärung. Die ist für die Angehörigen von Opfern und Tätern sehr wichtig. Weil sie wissen wollen, was passiert ist.

Ein Kapitel ist dem siebenfachen Frauenmörder Horst David gewidmet. Warum?

Josef Wilfling: Der Fall ist mir ein besonderes Anliegen. Ich habe Auszüge aus Horst Davids Biografie eingearbeitet. Darin schildert er mit seinen eigenen Worten seine Verbrechen und seine Motive bis ins Detail. Dem habe ich unsere Sicht gegenübergestellt. Da kann der Leser selbst beurteilen, wem er glauben will. Der Fall zeigt auf, wie sich die Realität in der Wahrnehmung von Tätern verschieben kann und wie sie sich nach und nach die eigene Wahrheit zurechtlegen. David greift Gericht und Staatsanwaltschaft an und auch uns, die Ermittler. Letzteres hat mich gewundert, weil ich ein gutes Verhältnis zu ihm hatte. Jahrelang bekam ich von ihm Postkarten, in denen er sich immer bedankt hat für die faire Behandlung. Jetzt schreibt er leider nicht mehr.

Was ist passiert?

Josef Wilfling: Er verübelt mir, dass ich in einem Interview gesagt habe, dass er vermutlich weitaus mehr Morde im zweistelligen Bereich begangen hat. Das ist meine feste Überzeugung.

Sind Sie enttäuscht, dass der Kontakt abbrach?

Josef Wilfling: Ja, das tut mir schon leid. Ich habe viel gelernt, denn der Mann ist eine hochinteressante Persönlichkeit. Er zeigt, wie sich lange inhaftierte Menschen immer mehr von der Realität entfernen. Am Ende glauben sie fest daran. Das ist sehr interessant. Wir haben immer gedacht, dass ein Täter nach seiner Verurteilung doch die ganze Wahrheit sagen könnte. Genau das Gegenteil ist der Fall. Am Ende sieht sich der Mörder sogar als viel zu hart bestraftes Opfer. Für sieben Morde hätten in seinen Augen sieben Jahre Haft gereicht. Das muss man sich mal vorstellen.

Ist dieses hier das letzte Buch? Oder dürfen wir auf ein viertes hoffen?

Josef Wilfling: Man soll ja nie nie sagen. Aber ein viertes Sachbuch wird es wohl nicht geben, weil ja irgendwann auch die interessanten Fälle mal erschöpft sind. Und erfinden will ich nichts.

Käme ein fiktiver Krimi auch in Betracht?

Josef Wilfling: Die Fantasie dazu hätte ich schon. Aber ich will nichts erfinden. Ich sehe mich nicht als Schriftsteller. Das ist Kunst. So vermessen bin ich nicht. Ich bin ein Erzähler der realen Fälle.

Interview: Dorita Plange

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