Das neue Buch der Mordermittler-Legende

Wilfling-Serie: Ihr Mörder floh im Sportwagen

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Der Täter löschte das blühende ­Leben aus: Dieses Foto zeigt Mordopfer Brigitte K. Sie wurde nur 39 Jahre alt.Fotos: Sigi Jantz, Reinhard ­Kurzendörfer

München - Die tz präsentiert exklusiv Passagen aus dem neuen Buch des legendären Mordermittlers Josef Wilfling und zeigt Fotos und Originalschauplätze. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Kapitel Der Widerling.

Rick T. (l.) bei der Gerichtsverhandlung. Das Urteilam Ende: lebenslang.

Jeder Mord fordert so viele ­Opfer. Denn die Angehörigen und Freunde der Toten und auch die Familien der Täter leiden ein Leben lang. Sie alle stehen im Mittelpunkt des dritten Bestsellers von Josef Wilfling (68): ­Verderben – Die Macht der ­Mörder (Heyne-Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro). Und wieder gewährt der Ex-Chef der Münchner Mordkommission tiefe und ­zuweilen schockierende Einblicke in authentische Münchner Mordfälle und auch in seine eigene Seele, die von heftigen Emotionen nicht verschont blieb. Die tz druckt exklusiv Passagen aus dem neuen Buch des legendären Mordermittlers und zeigt Fotos und Originalschauplätze. Lesen Sie heute Auszüge aus dem Kapitel Der Widerling.

Ihr Mörder floh im Sportwagen

Dr. Rebhan ist beunruhigt. Er konnte seine Frau Daniela weder zu Hause noch im Büro erreichen. (...) Ihr auffälliger Wagen stand weder in der Tiefgarage der Firma, noch war er vor ihrem Wohnhaus geparkt. (...) Der 40 Jahre alte Dr. Rebhan war mit seiner Frau Daniela seit zwei Jahren glücklich verheiratet. Sie, eine ausgesprochen schöne, selbstbewusste 34-jährige Frau, arbeitete erfolgreich als Managementberaterin in einer großen Consultingfirma. (...) Er, groß, schlank und nicht weniger gut aussehend, arbeitete als Oberarzt in einer renommierten Privatklinik. (...)

Dr. Rebhan war um 15.35 Uhr an seinem Wohnanwesen in München-Solln eingetroffen. (...) Dann öffnete er die Tür zum Schlafzimmer. Der Raum war dunkel. Er schaltete das Licht ein … „O Gott, o mein Gott!“, schrie er und blieb einen Augenblick wie angewurzelt stehen. (...) Ein nackter, über und über mit Blut besudelter Frauenkörper lag bäuchlings auf dem blutdurchtränkten Bett. Irgendwelche Worte stammelnd und mit weit aufgerissenen Augen trat Dr. Rebhan an das Bett, wobei er die Hände seitlich hochhielt, als wolle er sich ergeben. (...) Insgesamt wurden vier Einstiche in den Rücken festgestellt, (...) Die Frau war wohl längere Zeit gefesselt gewesen und vermutlich mehrfach sexuell missbraucht worden, bevor sie getötet wurde. (...)

Daniela Rebhan muss einen schrecklichen Tod gehabt haben. (...) Welche Qualen, verbunden mit permanenter Todesangst, diese arme Frau erleiden musste, war offensichtlich, weil sich der Täter keine besondere Mühe gemacht hat, Spuren zu vermeiden oder zu beseitigen. Während die Ermittlungen auf Hochtouren liefen, fuhr ein Mann in einem schwarzen Ferrari auf dem Innsbrucker Ring in südlicher Richtung. (…) Plötzlich scherte der Ferrari nach rechts aus. (…) Es kam zum Zusammenstoß mit einem städtischen Linienbus. (...) Die Polizisten waren sich sicher, dass der schwarze Ferrari nicht dem Festgenommenen gehören konnte. (...) „Als der Beschuldigte im Fond unseres Streifenwagens saß und wir gerade losfahren wollten, kam über Funk die auch für unseren Festgenommenen deutlich hörbare Durchsage, dass im Zusammenhang mit dem Mord an einer Frau in München-Solln nach deren schwarzem Ferrari gefahndet würde. (...). Noch bevor wir etwas sagen konnten, sagte der Festgenommene plötzlich: „Das war ich!“ (...) Konstantin Perg wurde zur Polizeiwache gebracht. Dort redete er ununterbrochen weiter.

(...) In unserem Fall hätten sicherlich 99 von 100 Zeugen beim ersten Anblick Konstantin Perg als heruntergekommenen Junkie eingeschätzt. Tatsächlich war der Mann, der in mein Büro hereingeführt wurde, äußerlich sehr ungepflegt. (...) Bei näherer Betrachtung seiner Kleidung hätte man fast lachen müssen, wäre es nicht so traurig gewesen, denn sie war nicht nur mindestens zwei Nummern zu groß, sondern es handelte sich auch um neuwertige Markenkleidung der teuersten Qualität. (...) „Die habe ich mitgenommen aus der Wohnung“, räumte er freimütig ein. (…) Selbstverständlich wurde die Kleidung sofort sichergestellt und durch die Kleidung ersetzt, die er fortan tragen würde (...): einen blauen Drillich aus der Haftanstalt. (...)

Besonders detailreich schilderte er (...) jede sexuelle Handlung, die er an seinem Opfer vorgenommen hatte. (...) Er sei der Geliebte der Getöteten gewesen, alle sexuellen Handlungen seien einvernehmlich erfolgt, und die Tat sei die Folge eines heftigen Streites gewesen, der eskaliert sei. Der Streit wiederum sei entstanden, weil er sich mit dem Gedanken getragen habe, das Verhältnis zu beenden. Sie, diese gebildete, wunderschöne Frau, soll also ihm, dem abgefuckten Junkie, heftige Vorwürfe gemacht haben, weil er sie verlassen wollte? Wie widerlich und unfassbar solche Behauptungen aus diesem Munde klangen, kann leider nur jemand nachempfinden, der es miterlebt hat. (...) Zumindest war jetzt klar, warum der Widerling, wie er von uns intern genannt wurde, so dreist log und worauf er hinauswollte. (...)

(...) Seit mehreren Wochen hatte Perg, wie wir später rekonstruieren konnten, die auffallend attraktive Frau Rebhan schon beobachtet. (...) Eigentlich war er zunächst auf den Sportwagen aufmerksam geworden (...). Doch als er die blonde, groß gewachsene Frau in dem Wagen zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er sich spontan entschlossen, sie in seine Gewalt zu bringen. (...) An diesem Montag lauert er seit circa 30 Minuten in einer Mauernische der riesigen Tiefgarage unmittelbar neben ihrem Garagenstellplatz. (...) Bevor die Frau überhaupt realisiert, was da geschieht, hat er einen Revolver direkt auf ihr Gesicht gerichtet und herrscht sie an: „Bleib ganz ruhig, oder du bist tot.“ (...) Direkt von der Garage gelangt man ins Haus. Dorthin dirigiert er seine Geisel. Als sich die Zugangstür hinter ihnen schließt, beginnt die Hölle für die junge Frau. (...). Gegen 11.30 Uhr verlässt Konstantin Perg mit dem Ferrari das Tatanwesen, obwohl er nie einen Führerschein hatte und wohl auch nie einen bekommen würde. (...) Seine Sucht, um jeden Preis aufzufallen und angeben zu können, ist stärker als die Angst vor Entdeckung. Also genießt er die Blicke, als er vor der Bankfiliale aussteigt und 1000 Euro vom Geldautomaten abhebt. Dass er dabei von einer Kamera aufgenommen wird, ist ihm egal. (...)

Am Ende seiner Befragung nahm ich Perg ins sogenannte Kreuzverhör, in dem einem Beschuldigten Widersprüche, Lügen und anderslautende Aussagen vorgehalten werden. (...)

Nach einigem Zögern antwortet er: „Okay. Das mit der Geliebten war gelogen. Ich wollte ihr Auto, und ich wollte sie vergewaltigen. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen, weil sie, als wir bei ihr zu Hause waren, selbst wollte, dass wir ins Bett gehen. Sie war einfach g***, und ich habe mitgemacht.“ (...) In der Hoffnung, er würde Mitleid haben, hat sie ihm sogar von ihrem Kinderwunsch erzählt. Leider vergeblich. Psychopathen kennen keine Gefühle. Deshalb legte ich in meinen letzten Vorhalt all meine Verachtung, die ich für diesen Täter empfand. Es war falsch, das weiß ich, aber es hat mir gutgetan.

„Ich glaube Ihnen kein Wort. Ein Schlappschwanz sind Sie. Sie bekommen doch gar keinen hoch, sondern versagen regelmäßig. Und das macht Sie sogar dann aggressiv“ (...),

„Das stimmt nicht. Es war so, wie ich es gesagt habe.“

„Ein Feigling sind Sie also auch noch. Ein richtiger Mann würde zu seiner Tat stehen und nicht lügen. Also seien Sie endlich einmal ein Kerl! (...) Ich frage Sie also noch mal: Stimmt es, was ich Ihnen vorgehalten habe?“

„Ja.´“

(...) Konstantin Perg wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, einschließlich der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Sicherungsverwahrung war nicht möglich, weil er als Ersttäter galt. Von heute an in etwa zehn Jahren ist er wieder ein freier Mann. Er ist dann 53 Jahre alt. Daniela Rebhan wäre dann 54 Jahre alt. Wäre ...

Der wahre Fall

Das Wrack ihres Maseratis.

Als der „Maserati-Mörder“ erlangte der zur Tatzeit 34-jährige, berufs- und arbeitslose Junkie Rick T. traurige Berühmtheit. Am Morgen des 19. Dezember 2005 lauerte der eiskalte Mörder Dr. Brigitte K. (39, Name geändert) in einer Steinhauser Tiefgarage auf. Die Biochemikerin arbeitete dort in einer Anwaltskanzlei. Sie fuhr einen feuerroten Maserati und weckte damit das Interesse des ständig abgebrannten Maulhelden, der unentwegt mit seinen sexuellen Abenteuern in Swingerclubs prahlte. Mit Waffengewalt zwang er Brigitte K., zu ihrem Haus in Trudering zu fahren, wo er die Frau grausam quälte, vergewaltigte und mit mehreren Messerstichen tötete. Während der Verhandlung tischte Rick T. dem Gericht die verrücktesten Lügen auf, verhöhnte den verzweifelten Ehemann und sagte dann kalt lächelnd: „Soll ich hier weinen?“ Am Tag der Urteilsverkündung fiel T. gleich zweimal in Ohnmacht. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt – allerdings ohne Sicherungsverwahrung. Ein Anwalt sagte dazu: „Ich hoffe, dass ein Gutachter eines Tages Ihre Gefährlichkeit erkennen wird.“

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