Autokäufer-Mord: Wie die Polizei den Täter schnappte

Fulda - Im Mordfall um den 17-jährigen Autokäufer Lorenzo hat die Polizei in einem hessischen Dorf zwei Tatverdächtige festgenommen. Sie waren auf einer Geburtstagsparty. Eine Augenzeugin berichtet:

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

“Intensive Ermittlungen“ führten die Beamten am Montagabend auf die Spur eines 38 Jahre alten Mannes aus Mittelhessen sowie einer acht Jahre jüngeren Frau, die ebenfalls dort ansässig sei. Zu den genauen Umständen kündigte das Polizeipräsidium Osthessen für Dienstag um 14 Uhr eine Pressekonferenz an.

Nach Informationen der Hessische/Niedersächsische Allgemeine(HNA) wurde das Paar am Rande einer Geburtstagsparty im hessischen Verna festgenommen. An der Aktion war auch das Sondereinsatzkommando aus Kassel beteiligt. Gefeiert wurde ein Geburtstag aus der Familie der Freundin. Der Tatverdächtige soll festgenommen worden sein, als er die Feier vorübergehend verließ. Auf ihn trifft die Fahndungsbeschreibung der Polizei zu. 

Eine Dorfbewohnerin berichtet: „Überall standen Polizeiwagen auf der Strecke. Ich habe nur gedacht, die suchen bestimmt jemanden“, sagt die Anwohnerin der HNA. Als sie kurz vor 20 Uhr nach Verna reingefahren sei, hätten sie Polizisten gestoppt. „Die haben mit Kellen und Taschenlampen angezeigt, ich soll wieder umdrehen.“

Aus der Ferne konnte sie aber das Geschehen beobachten. Kurz zuvor hatte das SEK den 38-Jährigen und seine Freundin gefasst. „Alles ging ganz schnell. Ich sah noch wie ein Mann auf dem Boden lag. Ich glaube, er hatte eine Art Sack über dem Kopf“, erzählt sie.

Nachdem die Polizei mit den Festgenommenen abgerückt war, fiel ihr ein dunkler 5er-BMW mit Konstanzer Nummernschild auf, den die Spurensicherung untersuchte. Sie erinnerte sich, dass die Polizei nach einem solchen Modell gefahndet hatte. „Da konnte ich mir eins und eins zusammenrechnen.“

Offenbar war die Polizei schon den ganzen Tag über im Dorf. Die Geburtstagsfeier hatte bereits am Nachmittag begonnen. „Die Polizei hat wohl auf den Moment gewartet, bis der Mann zur Tür herauskam. Die wollten sicher nicht riskieren hineinzugehen.“

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

Die Sonderkommission “Eller“ gehe davon aus, dass der 17 Jahre alte Kaufinteressent aus München und dessen Freund (19) bei dem Autogeschäft ausgeraubt werden sollten, hatte ein Polizeisprecher am Montag noch vor den Festnahmen gesagt. Zunächst hatte den Beamten nach eigenen Angaben eine konkrete Spur nach dem Mörder gefehlt. Die beiden jungen Männer aus München hatten sich für Freitag im Internet mit dem vermeintlichen Täter zum Autokauf verabredet und waren mit dem Zug nach Fulda gefahren. Sie stammen aus einer rumänischen Großfamilie und hatten im Auftrag eines Onkels, der in München einen Autohandel betreibt, einen VW-Bus zu einem Schnäppchenpreis von knapp 15 000 Euro kaufen wollen. Treffpunkt war ein Schnellrestaurant am Bahnhof in Fulda.

Der Täter hatte die beiden jungen Münchner von dort auf einen Parkplatz an der Fuldaer Kinderakademie gelockt, wo das Auto zu sehen sein sollte. Nachdem sie dort etwa eine dreiviertel Stunde auf den angeblichen Verkäufer gewartet hatten, zog der Mann gegen 19.40 Uhr plötzlich unvermittelt eine Pistole und schoss mehrfach aus kurzer Distanz auf den 17-Jährigen, wie dessen geflüchteter Begleiter sagte.

Der Jugendliche brach schwer verletzt zusammen und starb trotz der Hilfe eines Notarztes etwa zwei Stunden später in einem Krankenhaus. Der 19-Jährige, der das Geld für das Auto bei sich trug, konnte weglaufen und die Polizei alarmieren. Der Täter entkam mit einem 5er-BMW mit Konstanzer Kennzeichen (KN).

Am Wochenende kamen nach Polizei-Angaben rund 300 Angehörige des Opfers nach Fulda, um den Tod des jungen Mannes zu betrauern. Mittlerweile hätten sie alle wieder die Stadt verlassen. “Der am Samstag obduzierte und mittlerweile freigegebene Leichnam müsste nun auf dem Weg zurück nach München sein“, sagte der Polizeisprecher.

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