Im Notfall wird er zwangsernährt

Mordfall Böhringer: Angeklagter tritt in Hungerstreik

Charlotte Böhringer wurde am 15. Mai 2006 ermordet.
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Charlotte Böhringer wurde am 15. Mai 2006 ermordet.

„Ich befinde mich ab heute im unbefristeten Hungerstreik!“ Benedikt T. (33), der sich seit 2. Mai 2007 wegen Mordes an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer vor dem Schwurgericht verantworten muss, hielt es nicht mehr auf der Anklagebank.

Stehend verkündete er, dass er sich nach dem fast einjährigen Prozess am Ende fühle. „Nachdem ich psychisch eh schon kaputt bin, ist es mir egal, ob ich körperlich auch noch kaputt gehe.“

Bei dem Verfahren handelt es sich um einen der schwierigsten Indizienprozesse der vergangenen Jahre. Staatsanwalt Martin Kronester ist überzeugt, dass Benedikt T. seine Tante am Abend des 15. Mai 2006 in ihrer Penthouse-Wohnung im Obergeschoss ihres Parkhauses in der Baaderstraße erschlagen hat. Das Motiv sei Habgier – zur Rettung seines Millionen-Erbes.

Der Angeklagte bestreitet das Verbrechen: „Ich habe die Wahnsinnstat nicht begangen.“ Bisher macht er vor Gericht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Vorsitzender Richter Manfred Götzl gestern zum Angeklagten: „Werden denn von Ihrer Seite aus Fragen beantwortet?“ „Ich hätte viel zu erzählen“, holte Benedikt T. aus. „Wenn ich das Gefühl hätte, dass es um die Sachverhaltsaufklärung geht“, so der Angeklagte, wäre er dazu bereit. „Aber bevor ich das Gefühl nicht habe, leider nicht!“

Seine Verteidiger Peter Witting und Stefan Mittelbach hatten im Prozess alle Register gezogen. Beweisanträge werden akribisch abgearbeitet, ohne dass diese jedoch grundlegend neue Erkenntnisse brachten. Vier Befangenheitsanträge wurden abgelehnt. Das Gericht geht nach wie vor von einem dringenden Tatverdacht aus, Anträge auf Haftentlassung wurden abgelehnt. Benedikt T. muss in dem bis zum 20. Juni angesetzten Prozess damit rechnen, wegen Mordes verurteilt zu werden. Der Angeklagte: „Ich bin völlig am Ende.“

Wie geht man jetzt in Stadelheim mit dem Häftling um? „Wir bieten ihm drei Mahlzeiten am Tag an“, sagt der stellvertretende JVA-Chef Dr. Jochen Menzel. Falls er das Essen nicht anrühre, komme täglich ein Arzt zu ihm. 14 Tage könne ein Gesunder einen Hungerstreik durchhalten, dann werde es gefährlich. Was dann? Menzel: „Wenn es ernst wird, werden wir Zwangsmaßnahmen ergreifen.“ Eine Zwangsernährung könne nur in einer Klinik durchgeführt werden. Aber Menzel ist überzeugt, dass es nicht so weit kommen wird: „Ich werde mit ihm selbst sprechen. Ich kenne ihn als gebildeten, sehr höflichen Gefangenen.“ Von RAF-Terroristen abgesehen sei ihm kein Fall bekannt, dass ein Häftling einen Hungerstreik bis zum bitteren Ende durchgezogen hätte.

Eberhard Unfried

Quelle: DPA

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