Mordprozess: Poschingers Frau ganz tapfer

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Dirk und Daniela von Poschinger-Camphausen

München - Er bezeichnet sich als unschuldig, die Staatsanwaltschaft sieht ihn als Mörder: Ein Hausmeister soll einen jungen Investment-Manager umgebracht haben, um an dessen teures Auto zu kommen. Die Witwe schilderte ihr Leben mit den Kindern nach dem Drama.

Rainer H.

Ein Satz stand am Anfang des spektakulären Indizienprozesses um den Mord an einem Investment-Manager in München. “Hohes Gericht, ich bin unschuldig“, beteuerte der Angeklagte am Dienstag vor dem Schwurgericht, bevor er sich mit verschränkten Armen zurücklehnte, um den Vorwürfen der Staatsanwältin zu lauschen. Das Publikum quittierte die Aussage mit Gelächter. Der Hausmeister ist angeklagt, den Manager und Familienvater im Januar dieses Jahres erschossen zu haben, um an dessen teuren Wagen zu kommen.

Die Anklage wirft dem 40-Jährigen heimtückischen Mord aus Habgier vor. Er habe sich so das hochwertige Auto aneignen wollen. Der gelernte Energieelektroniker traf sich mit dem 36-jährigen Manager am 14. Januar dieses Jahres - angeblich zum Kauf des Wagens, den der Familienvater im Internet für 53 000 Euro angeboten hatte. Die Probefahrt mit “Herrn Arnold“, wie sich der Angeklagte vorgestellt haben soll, endete in dessen Garage. Dort habe der 40-Jährige das Opfer mit 13 Schüssen aus einer halbautomatischen Pistole hingerichtet, glaubt Staatsanwältin Nicole Selzam. Dann soll er den Toten in Leichensäcke gesteckt haben, die er schon Ende 2008 bei einem Internet-Versteigerungshaus gekauft hatte.

Schräg gegenüber dem Angeklagten sitzt kerzengerade die tief schwarz gekleidete Witwe des Opfers. “Er fehlt mir sehr“, sagt die Witwe und Nebenklägerin auf die Frage nach ihrem Befinden. Auch die beiden gemeinsamen sechs und acht Jahre alten Töchter leiden. “Der Papa fehlt den Kindern sehr.“ Die Jüngere hat entdeckt, dass sie ihren toten Vater noch am Handy hören kann. “Sie hat angefangen, die Mailbox anzurufen, ob seine Stimme noch da ist“, berichtet die 36- jährige Mutter. Sie kannte ihren Mann seit der gemeinsamen Internatszeit und hatte ihn nach der Heirat 2002 auf seinen Karriere- Stationen bei Banken in London und Frankfurt und zuletzt einer Investmentgesellschaft in München begleitet.

An seinem Todestag verlässt der Manager das Haus um 8.30 Uhr, um sich mit “Herrn Arnold“ zu treffen, der den Nobelwagen mit seiner hochwertigen Lederinnenausstattung angeblich für seinen Chef kaufen will.

Die 36-Jährige erwartet nach Abschluss des Geschäfts einen Anruf ihres Mannes. Doch der bleibt aus. Sie wird im Verlauf des Vormittags “unruhig“, bemüht sich ihrerseits vergeblich um telefonischen Kontakt und macht sich schließlich “richtig Sorgen“, wie sie vor Gericht sagt.

Die Sozialpädagogin aus einem alten Adelshaus ­ ihr Mann hat bei der Heirat ihren Namen angenommen ­ beginnt im Internet nach “Arnold“ und seinem Chef zu forschen. Sie stößt auf Merkwürdigkeiten, die sie der Polizei bei Aufgabe einer Vermisstenanzeige weitergibt. Recherchen führen zu dem Angeklagten.

Der mutmaßliche Täter hat zwar versucht, seine E-Mail-Adresse und die Eigentumsverhältnisse der von ihm benützten Mobiltelefone über eine Firma und einen von ihm mit falschen Papieren versehenen Strohmann zu verschleiern. Aber er hat - zumindest nach Auffassung der Anklage - Spuren hinterlassen. Der Angeklagte wird am 16. Januar mittags am Münchner Hauptbahnhof festgenommen, mit dem Schlüssel des gestohlenen Wagens und den Fahrzeugpapieren in der Tasche. Der Tote wird vier Stunden später gefunden: im Transporter des Angeklagten vor dessen Wohnung. In seiner Garage liegen die Geldbörse des Opfers und mehrere Patronenhülsen. Latexhandschuhe mit Blut des Getöteten sowie eine weitere Hülse finden sich in der Restmülltonne.

dpa

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