Die Beweise sind erdrückend

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Rainer H. (41), der mutmaßliche Mörder des Managers Dirk von Poschinger-Camp­hausen, hatte zu Prozessbeginn beteuert, er sei unschuldig

München - Am Montag gibt es endlich die Plädoyers im Mordfall Poschinger. Die Beweise gegen den mutmaßlichen Mörder Rainer H. sind erdrückend.

Mit Beweisanträgen hatte er bis zuletzt verzweifelt versucht, seine „Unschuld“ zu beweisen. Gelungen ist dies Rainer H. (41), dem mutmaßlichen Mörder des Managers Dirk von Poschinger-Camp­hausen, in keinem Punkt. Am Montag soll nun endlich plädiert werden, nachdem sich der Prozess schon seit 2. November dahinschleppt. Gespannt sein kann man auf die Schlussvorträge seiner Verteidiger. Die Beweisaufnahme ist nun abgeschlossen.

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Staatsanwältin Nicole Selzam wird voraussichtlich betonen, dass ihre Anklage in vollem Umfang bestätigt wurde. Und diese Anklage beginnt mit dem Satz: „Der Angeklagte verfolgt seit Jahren erfolglos das Ziel, auf möglichst bequeme Art und Weise möglichst viel Geld zu erlangen.“ Spätestens im Sommer 2008 habe Rainer H. beschlossen, den Verkäufer eines teuren Autos zu töten, um das Fahrzeug zu erbeuten. In diese tödliche Falle tappte am 14. Januar 2010 der 36-jährige Investment-Manager Poschinger-Camphausen, als er seinen teuren Audi A8 verkaufen wollte. Rainer H., der sich als „Herr Arnold“ ausgab, lockte sein Opfer in seine Garage und feuerte mit seiner Pistole mindestens zehnmal auf den Vater von zwei kleinen Kindern, der qualvoll seinen Verletzungen erlag.

Die Polizei nahm Rainer H. fest, ehe dieser den Audi verkaufen konnte. „Hohes Gericht, ich bin unschuldig“, beteuerte der Angeklagte zum Prozessbeginn, machte aber sonst von seinem Schweigerecht Gebrauch. Doch die Beweislage ist erdrückend:

Die Tatwaffe, eine Ruger Kaliber 22 mit Schalldämpfer, befand sich im Besitz des Angeklagten.

Sichergestellte Computerdaten beweisen, das Rainer H. die Tat akribisch vorbereitet hat.

Unter dem Account „Der Oberboss“ bestellte er jene Leichensäcke, in die er den Toten verpackt hatte.

Die Leiche lag im VW-Bus des Angeklagten, der unweit vom Tatort geparkt war.

DNA-Spuren am Tatort belasten ihn eindeutig.

Geschickt hatte Rainer H. versucht, sich ein Alibi zu verschaffen.

Das Alibi: Die Verteidiger werden voraussichtlich diesen Punkt herausarbeiten, um ihre Forderung nach einem Freispruch zu begründen.

Die Staatsanwältin wird voraussichtlich nicht nur auf lebenslange Haft wegen Mordes plädieren. Nachdem zahlreiche Mordmerkmale verwirklicht sind (Habgier, Heimtücke, der Raub, möglicherweise auch die besondere Grausamkeit), wird es auf die besondere Schwere der Schuld hinauslaufen. Und weil Rainer H. eine Reihe weiterer Straftaten zur Last gelegt werden, droht ihm auch die Sicherungsverwahrung. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.

E. Unfried

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