Schwabing: Autor sollte vor Haustür ermordet werden

München - Es passierte direkt vor seiner Haustür. Ein spanischer Buchautor ist am Montag im Innenhof seines Wohnhauses in Schwabing niedergestochen worden. Der Fall gibt Rätsel auf:

Montagabend, Schleißheimer Straße, kurz nach 18 Uhr: An der Kasse beim Rewe stehen die Kunden Schlange, im Karstadt schräg gegenüber auch. Auf dem Gehweg hetzen die Schwabinger nach Hause. Es ist ungemütlich an diesem Abend. Feucht und kalt. Auch Pedro Galvez Ruiz (70) will in seine Wohnung im Hinterhaus der Nummer 124. Der spanische Autor ahnt nicht, dass er gleich das Opfer eines Mordanschlags wird. Ein Mann wartet auf ihn, der mit einem Messer auf ihn einsticht. Nach der Tat taucht der Messerstecher unter. Führt seine Spur zum Josephsplatz?

Es ist 18.20 Uhr, als der Schriftsteller durch die Hofdurchfahrt läuft. Im Hinterhof, wenige Meter vor seiner Wohnung, spricht ihn der Mann an. Der Unbekannte hat einen Schal übers Kinn gezogen, trägt eine dunkle Strickmütze. „Sind Sie Pedro Galvez Ruiz?“, fragt er auf spanisch. Nichtsahnend bejaht der Autor die Frage. „Dann habe ich ein Päckchen für Sie“, entgegnet der Unbekannte.

Polizei sucht mit Spürhunden nach dem Täter

Polizei sucht mit Spürhunden nach Messerstecher von Schwabing

Der Mann greift in die Tasche – und zieht ein Messer. Er sticht auf Pedro Galvez Ruiz ein, verletzt ihn erheblich im Brustbereich. Das Opfer schreit um Hilfe, das vertreibt den Unbekannten. Ein Nachbar hört die Rufe, alarmiert den Rettungsdienst und die Polizei. Der Spanier kommt ins Krankenhaus, er ist außer Lebensgefahr. Die Messerattacke gibt der Mordkommission noch große Rätsel auf. „Bisher ist noch kein Motiv erkennbar“, sagte Leiter Markus Kraus. Auf den ersten Blick hat Pedro Galvez Ruiz, der vor allem durch historische Romane bekannt ist, keine Feinde.

Die Attacke war möglicherweise geplant gewesen. Bereits am Samstag war ein Mann in jenem Hinterhaus gesehen worden, in dem der Schriftsteller im zweiten Stock mit seiner geschiedenen Frau wohnt. „Die Beschreibung des Unbekannten stimmt grob mit der des Täters überein“, sagt Mordkommissionsleiter Markus Kraus. Am Dienstagmittag waren Spürhunde der Polizei am Tatort. Ein sogenannter Mantrailerhund lief von hier aus zum Josephsplatz. Im Untergeschoss des U-Bahnhofs verlor sich die Spur. Ob es der Fluchtweg des Täters war, ist jedoch unklar. Die Polizei wertete nun die Videoüberwachung aus.

Die Polizei bittet dringend um Hinweise auf den Täter. Er ist nicht größer als 1,65 Meter, schlank, bekleidet mit einem dunkeln Parka/Bomberjacke sowie dunkler Strickmütze. Das Gesicht war mit weißem Tuch/Schal verhüllt. Der Täter sprach spanisch mit einem Dialekt, wie er im Raum Madrid üblich ist.

Jacob Mell

Das ist das Opfer:

Der Spanier wurde schwer verletzt

Pedro Galvez Ruiz ist ein bekannter spanischer Buchautor. Geboren wurde er 1940 in Malaga. Nach der Schulzeit begann Galvez mit dem Studium der Anthropologie in Caracas, Venezuela. Dort sympathisierte er mit der Guerilla und musste fliehen. Anschließend studierte der Spanier politische Ökonomie in der DDR. Politisch weiterhin aktiv wurde seine Haltung zur DDR immer kritischer. Diese Ansichten zwangen ihn erneut, aus einem Land zu flüchten. In den 70er Jahren lebte er erstmals in München und studierte Zeitungswissenschaften, Soziologie und Politologie. Sein Wohnort variierte in der Folge zwischen München und Madrid. Seit einiger Zeit lebt er wieder in der bayerischen Landeshauptstadt. Galvez schreibt überwiegend historische Romane. Seine bekanntesten Werke: Nero, Tagebuch eines Kaisers (2000), Der Lehrer des Kaisers (2000) und Die Kaiserin von Rom (2009).

Rubriklistenbild: © Jacob Mell

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