Opfer fast tot geschlagen, beide Täter jetzt gefasst

Mordversuch per Hypnose geklärt

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Das Opfer wäre bei dem Angriff am Ostbahnhof fast ums Leben gekommen.

München - Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: In einem von 923 BMW mit FFB-Kennzeichen mussten die Männer geflüchtet sein. Einer von ihnen hatte an der Kultfabrik einen Türken (21) halbtot geprügelt (tz berichtete).

Die Täter (20 und 22) sind jetzt festgenommen worden – wegen Mordversuchs. Bei der Ermittlung der Männer hat eine Spezial-Methode die entscheidende Rolle gespielt: Eine Zeugin erinnerte sich unter Hypnose an wichtige Details. Nach der Sitzung kamen nur noch 30 Fluchtfahrzeuge in Frage.

Unter Hypnose, die ein Polizeipsychologe durchführte, beschrieb die Augenzeugin den BMW noch genauer. „Sie erinnerte sich an die Innenausstattung, an die Felgen“, sagt Reiner Gröger, Leiter der Ermittlungsgruppe. „Und daran, dass es ein Cabrio war.“

Wenige Tage später klingelten Beamte bei einem 24-jährigen Mann aus Olching. Er war als Halter eines BMW-Cabrios mit auffälligen Felgen und breiten Schwellern bei der Zulassungsstelle eingetragen. Der Mann verhielt sich verdächtig, ließ die Polizisten nicht in die Wohnung. Er tat so, als wäre er nicht da.

Anschließend rief der BMW-Besitzer einen Freund an – die Polizei hörte mit. So kamen die Ermittler auf die Spur von Damian R. (22) und Daniel P. (20). Der 22-jährige Pole aus Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) hatte sich am Tattag, es war der 9. März, den BMW für eine Fahrt nach München geliehen.

Der junge Mann besuchte mit seinem Freund Daniel P. aus München die Kultfabrik am Ostbahnhof. Am frühen Morgen kam es zu einem Streit mit Mehmet B. (Schutznahme). Daniel P., Stiefsohn eines Münchner Sicherheitsunternehmers, beschimpfte den Deutsch-Türken als „Scheiß-Kanake“ und schlug ihm ins Gesicht. Der Einzelhandelskaufmann schlug einmal zurück, dann trennten Mehmets Begleiter die beiden.

Der Schläger verfolgte Mehmet B. und seinen Begleiter jedoch mit dem Auto, sprang aus dem Wagen und schlug dem 21-Jährigen mit einem Schlagstock von hinten auf den Kopf! Mehmet B. fuhr nach der Attacke nach Hause, bekam in den Stunden danach rasende Kopfschmerzen. Seine Schwester brachte ihn in die Klinik. Die Ärzte stellten eine lebensgefährliche Hirnblutung fest.

Jacob Mell

Experte: So führe ich ins Unterbewusstsein

Die tz im Gespräch mit David Woods, Leiter Hypnose-Zentrum Bayern

Herr Woods, im aktuellen Fall hat sich eine Frau durch Hypnose plötzlich an die Farbe der Autositze und die Art der Felgen des Autos erinnert, obwohl sie vorher nur eine dumpfe Erinnerung an einen BMW hatte. Wie kann das gehen?

David Woods:Sie ist durch Hypnose an Bilder im Unterbewusstsein gelangt, die im Bewusstsein nicht abgespeichert wurden. Man muss sich das Unterbewusstsein wie eine Festplatte vorstellen, die alle Eindrücke, die man im Laufe des Tages aufnimmt, wie ein Schwamm aufsaugt. Das Bewusstsein dagegen ist das Virenprogramm. Alles, was man in einem Augenblick nicht für wichtig erachtet oder man in einem Schockzustand erlebt, rauscht durch das Bewusstsein durch und landet im Unterbewusstsein.

Ich selber gelange nicht ans Unterbewusstsein, etwa durch starkes Nachdenken?

Nein, denn wie der Name schon sagt: Das Unterbewusstsein kann man bewusst nicht erreichen. Wenn Sie sich ein grünes Blatt vorstellen, denken Sie und blockieren somit den Zugang zum Unterbewusstsein.

Und wie bringen Sie mich als Hypnotiseur dorthin?

Indem ich Sie in einen Trance-Zustand versetze, nicht – wie einige denken – in einen schlaf- oder ohnmachtähnlichen Zustand. Er ist ähnlich wie kurz vor dem Einschlafen: Dann ist das Bewusstsein teilweise ausgeschaltet, also der Weg zum Unterbewusstsein frei. Ich als Hypnotiseur vertiefe diesen Zustand und halte ihn stabil.

Und wie machen Sie das?

Ich suggeriere dem Patienten ein Bild, gebe es ihm also quasi ein. Das Unterbewusstsein ist nur durch Bilder zu erreichen, weil sie automatisch ein Gefühl erzeugen, ohne Gedanken dafür zu brauchen, ähnlich wie bei einem Reflex.

Wie wären Sie im Fall der Frau vorgegangen?

Im Fall dieser Frau hätte ich mir vorher den Tatort angesehen und Notizen gemacht, zum Beispiel über die Beschaffenheit des Bodens. So kann ich dem Patienten ein Bild von der Straße liefern und noch einmal die Straße herunterlaufen lassen. Er hat dann ein Gefühl, das ihn im Trance-ähnlichen Zustand wieder in die Lage an diesem Tag versetzt. So könnte er sich zum Beispiel nicht nur an Details im Auto erinnern, sondern auch an die Stunde seiner Geburt. Wenn er dagegen selbst in der Erinnerung wieder die Straße entlang laufen würde, denkt er und blockiert dadurch den Zugang zum Unterbewusstsein. Dann erinnert er sich nur wieder an das, was er im Bewusstsein abgespeichert hat, also ein Auto, aber nicht die Details.

Und das klappt bei allen Menschen?

Grundsätzlich lässt sich jeder hypnotisieren, der ein bildliches Vorstellungsvermögen hat, besonders gut also zum Beispiel diejenigen, die viel lesen. Schwer dagegen wird es bei Menschen mit Kontrollzwang oder welchen, die Probleme haben, anderen zu vertrauen. Wenn sie sich sperren, die Bewusstseinsebene loszulassen, dringe ich nicht durch.

Interview: Nina Bautz

Quelle: tz

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