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Moschee für München - das sind die Pläne

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Die Penzberger Moschee zeigt nach Außen ihre Offenheit. Jetzt planen ihre Gründer in München ein Islamzentrum. © Bodmer

München - Es ist ein Projekt, dass in Europa seinesgleichen sucht: In München soll ein neues Zentrum für den Islam in Europa entstehen.

Mit Moschee, Sozialzentrum, Bibliothek und einem Museum für islamische Kultur. Das wichtigste ist aber, dass hier Imame in deutscher Sprache aus- und fortgebildet werden sollen.

„Das Problem in den Moscheen in Deutschland ist, dass sie meistens nach ethnischer Herkunft organisiert sind“, so der Initiator Benjamin Idriz zur tz. „In den türkischen Moscheen wird auf türkisch gepredigt. Die Prediger selbst kommen aus der Türkei, bleiben nur ein bis vier Jahre hier und gehen dann wieder.“ Für die Probleme der Moslems in ihrem Gastland hätten diese Imame wenig Verständnis. Ganz zu schweigen von der deutschen Sprache und dem hiesigen Kultur- und Alltagsleben.

Vorbild für das Projekt ist das jüdische Kulturzentrum am Jakobsplatz. Idriz ist der Imam von Penzberg. Dort hat die islamische Gemeinde eine offene Moschee errichtet, die bei den Penzbergern sehr gut ankommt. So erklärt der katholische Stadtpfarrer Josef Kirchensteiner: „Das Wichtigste war, dass die islamische Gemeinde gegenüber den Kirchen und der Stadt sehr offen war und uns bereits in der Planungsphase miteinbezogen hat.“ Die Stadtratsfraktionen hat Idriz schon überzeugt. Allerdings meldet der Verfassungsschutz noch Bedenken an, die Idriz aber demnächst ausräumen will (siehe Interview unten).

Johannes Welte, Antonia Wille

„Wir wollen einen europäischen Islam“

Grüß Gott Herr Idriz! Wozu braucht es in München ein neues islamisches Zentrum?

Benjamin Idriz: Wir wollen einen neuen europäischen Islam formen, der nicht aus dem Ausland gesteuert wird. Wir wollen, dass in den Moscheen deutsch gesprochen wird und in unserem neuen Zentrum Imame ausbilden.

Woher sollen diese kommen?

Idriz: Wir wünschen uns, dass sie aus Deutschland kommen, wir wollen gerne auch Imame aus dem Ausland Deutsch lehren und auch das Land, die Sitten und Gesetze näher bringen.

Wer finanziert das Projekt?

Idriz: Wir haben eine Spendenzusage des Sultans Ibn Muhammad al-Qasimi. Da ist er Herrscher des Emirates Schardscha am Persischen Golf.

Wieso sollte der sich für einen europäischen Islam interessieren?

Idriz: Die Golfstaaten sind sehr an einem modernen Islam interessiert, schließlich wollen sie Handel mit der ganzen Welt betreiben. In den Emiraten werden ja auch viele Kirchen gebaut.

Würde diese Finanzierung nicht wieder eine große Abhängigkeit vom Ausland bedeuten?

Idriz: Wir denken, dass wir auch große finanzielle Unterstützung der Moslems aus München bekommen werden, da sie sich ja einen europäischen Islam wünschen.

Der bayerische Verfassungsschutz beobachtet Ihren Verein. Wie erklären Sie das?

Idriz: Unser Vorsitzender wohnte früher in Tölz. Dort gab es nur eine Milli-Görüs-Moschee, darum war er dort Mitglied. Er ist längst ausgetreten. Gegen die Erwähnung im Verfassungschutzbericht haben wir Klage erhoben.

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