Zehnter Todestag

Mosi, du fehlst!

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Rudolph Moshammer

München - Mit seinem Tod verlor die Münchner Promi-Welt ihre schillerndste Figur, und die Armen verloren ihren liebenswerten Wohltäter: Vor genau zehn Jahren fand sein Chauffeur Andreas Kaplan den ermordeten Modezaren Rudolph Moshammer (64) in seinem Haus in Grünwald.

Chauffeur: „Es tut noch immer weh“

Zehn Jahre hat er diesen Ort gemieden. Er ist einen großen Bogen gefahren, wenn ihn seine Arbeit als Hausmeister doch einmal in die Gegend führte. Denn dieser Ort war voller Erinnerungen: an seinen ehemaligen Chef, den Modezaren Rudolph Moshammer. Am 14. Januar 2005 wurde Münchens schillerndste Persönlichkeit in ihrem Haus an der Robert- Koch-Straße 11 in Grünwald ermordet.

Erst jetzt fand Andreas Kaplan (54) die Kraft, anjenenOrtinGrünwald zurückzukehren. „Es tut noch immer weh“, sagt Mosis ehemaliger Chauffeur. Sein Blick schweift dabei über das Tor zu dem Haus, in dem sein Chef den Tod fand. Und dann spielt sich der 14. Januar vor zehn Jahren wieder wie ein Film vor seinen Augen ab.

„Es war neun Uhr, als ich mit dem Zweit-Rolls- Royce vorfuhr“, erzählt Andreas Kaplan. Der andere Rolls Royce stand draußen. „War er wieder unterwegs?“, dachte sich sein Chauffeur. Als er klingelte, sah er, dass die Haustür nur angelehnt war. „Hallo, guten Morgen“, rief er laut durchs Haus.

Keine Antwort. „Da bin ich kurz in den Keller. Als ich wieder hochkam, hörte ich Daisy so komisch bellen“, erzählt der heute 54-Jährige. Er ging die Treppe hinauf in den ersten Stock. Im Flur vor dem Kaminzimmer, auf einem edlen Teppich liegend, fand er Mosi. „Er lag auf dem Rücken.“ Daisy bellte herzzerreißend.

Chauffeur Andreas Kaplan kniete sich neben seinen Chef, fühlte den Puls. „Da war nichts mehr. Und dann merkte ich, dass er schon starr war.“ Da der treue Angestellte zunächst an einen Herzinfarkt dachte, rief er Mosis Leibarzt an. Dr. Arnulf Borchers stand jedoch schon vor der Tür. Er war gekommen, um Mosi eine Aufbauspritze zu geben

Gemeinsam gingen die Männer zu dem Modezaren. „Borchers bestätigte sofort, dass er tot war“, erinnert sich Kaplan. Dann entdeckte er das schwarze Verlängerungskabel, das neben seinem Chef auf dem Boden lag. „Da war mir klar, dass es kein Herzinfarkt war.“

Andreas Kaplan wählte um 9.10 Uhr den Notruf: „Bringen Sie die Spurensicherung gleich mit.“ Was dann passierte, erlebte der Chauffeur damals wie in Trance. Innerhalb kürzester Zeit war die Robert- Koch-Straße voll mit Polizeiautos, Journalisten und Fernsehteams.

Der gewaltsame Tod Rudolph Moshammers war das Nachrichtenthema Nummer eins. Der schrille Modemacher war damals schon bundesweit bekannt – u. a. weil er mit Daisy auf dem Arm den zehnten Platz beim Vorentscheid für den europäischen Schlager-Grand- Prix belegt hatte.

Für Andreas Kaplan brach eine Welt zusammen. „Elf Jahre war ich in Mosis Diensten. Plötzlich war da nichts mehr.“ Nach der pompösen Beerdigung, die live im Fernsehen übertragen wurde und einem Staatsbegräbnis glich, kehrte Leere in Andreas Kaplans Leben ein.

Plötzlich ohne Job, ohne Aufgabe. „Zwar hatte ich Daisy, um die ich mich kümmern konnte“, sagt Kaplan heute. „Doch ausgefüllt hat mich das nicht.“ Erst als er eine Partnerin kennenlernte, fasste er neuen Mut. „Ich startete mit einem Hausmeisterservice durch. Endlich hatte ich eine Perspektive.“

Heute lebt Kaplan in einer kleinen Gemeinde südlich von München. Hier steht Daisys Urne in einer Vitrine. Die Hundedame ist im Oktober 2006 gestorben. Die Wohnung in Harlaching, die ihm Mosi vermacht hatte, hat er inzwischen verkauft. „Ich brauchte ein anderes Zuhause. Die Erinnerungen waren auch nach fast zehn Jahren übermächtig.“

Zum Todestag heute legt Kaplan Mosis Lieblingsblumen am Mausoleum am Ostfriedhof ab. Weiße Lilien und rote Nelken.

So fassten wir seinen Mörder

Auf der Fahrt zum Grünwalder Tatort an jenem Freitag, den 14. Januar 2005, schickte der damalige Chef der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, ein Stoßgebet gen Himmel: „Lass es bitte, bitte keinen zweiten Fall Sedlmayr sein. Der hat mich drei Jahre meines Kriminalerlebensgekostet.“ Doch schon beim ersten Blick auf den toten Rudolph Moshammer war Wilfling und seinen Kollegen klar: „Ein Raubmord.“ Mit großer Kraft hatte der Täter den ahnungslosen Modezaren von hinten erdrosselt und ihm die Geldbörse gestohlen. Die Tatwaffe – ein Stromkabel – hatte er in einer Schublade gefunden: „Dabei übersah er die weißen Umschläge, in denen je 50 Euro steckten. 1600 Euro insgesamt für die Obdachlosen.“ Noch in der gleichen Stunde bildete der damalige Dezernatsleiter Harald Pickert eine Soko, die sofort ihre Arbeit aufnahm. Im Nachhinein stellte sich heraus, wie wichtig dieses schnelle Handeln der Kripo war: „Mörder Herisch A. wollte nach Schweden fliehen.“ Seine DNA am Kabel wurde ihm zum Verhängnis. Kurz bevor der Gewalttäter die Stadt verließ, wurde er festgenommen.

In den Stunden nach Mosis Tod setzte eine Daisy-Hysterie ein, die Wilfling schaudern ließ: „Hunderte wollten sie haben. Wir bekamen zehnseitige Bettelbriefe. Dabei war sie doch nur eine kleine Hündin ohne Zähne, die nicht gut roch, zu dick war und das Laufen verlernt hatte. Dem Chauffeur und der Haushälterin war es überaus wichtig, dass sie die Leiche ihres Herrchen nicht sehen musste. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen.“ Beeindruckt hat Josef Wilfling der Trauerzug und das Blumenmeer vor Mosis Laden: „15 000 Menschen säumten die Maximilianstraße. Von der Prominenz, die sich zu Lebzeiten so gern mit Moshammer schmückte, war keiner da. Einen Monat später wurde der kleine Peter († 9) von einem Kindermörder bestialisch umgebracht. Bei seiner Beerdigung waren nur 42 Menschen. Da macht man sich Gedanken über diese Gesellschaft.“

Der Täter sitzt noch in der JVA Straubing

Herisch A. (35) wurde am 20. November 2005 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, was eine Entlassung nach 15 Jahren praktisch unmöglich macht. Dabei sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Iraker Moshammer nach einem Streit über die Bezahlung homosexueller Handlungen mit einem Kabel erdrosselt hatte. Bei der Urteilsbegründung brach Herisch A. in Tränen aus. Seine Haftstrafe verbüßt er seitdem in der Justizvollzugsanstalt Straubing.

Jakob Mell, Dorita Plange

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