Mosi-Mörder: Sein Leben im Gefängnis

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Zu lebenslanger Haft verurteilt: Herisch Ali Abdullah folgte Rudolph­ Moshammer in dessen Villa in Grünwald. Es kam zu sexuellen Handlungen. Danach erdrosselte Herisch seinen Gastgeber mit einem Kabel.

München - An Rudolph Moshammer, den er vor fünf Jahren mit einem Kabel erdrosselte, möchte er am liebsten nicht mehr erinnert werden. Herisch Ali Abdullah, inzwischen 31 Jahre alt, sitzt seit vier Jahren in der JVA Straubing.

Er weiß, dass er noch viele, viele Jahre in seiner Zelle verbringen muss. Sein damaliger Verteidiger Dr. Adam Ahmed besucht ihn regelmäßig im Knast. Die tz sprach mit dem Rechtsanwalt.

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Wie kommt Herisch mit seinen Mithäftlingen zurecht? Ihm tut keiner was und man lässt ihm seine Ruhe“, sagt Ahmed. Dass er ausgerechnet Mosi umgebracht hat, finden die Gefangenen, die alle schwere Verbrechen auf dem Kerbholz haben, nicht weiter aufregend. Die Tatsache aber, dass Herisch mit Moshammer homosexuellen Kontakt hatte, schon. Ahmed: „Die sexuelle Komponente ist für ihn schlimm.“

So kannten ihn die Münchner: Mosi mit Daisy.

Gegenüber anderen Häftlingen habe der aus dem Irak stammende Kurde keinen schlechten Stand, betont Amed. „Er macht Tee für seine Mithäftlinge und kocht mit ihnen typische arabische Reisgerichte.“ Auf Mosi lässt er sich aber nicht ansprechen: „Gegenüber diesem Thema reagiert er abweisend.“ Was arbeitet Herisch? Er habe in den Werkstätten der Haftanstalt Metallteile gefertigt, vor allem für die Autoindustrie. Doch seit Monaten gibt es keine Aufträge, Herisch hat nichts zu tun. Ahmed: „Er hat wieder einen Job in Aussicht.“ Er würde auch gerne einen Beruf erlernen, doch die Aussichten seien derzeit düster.

Was treibt er in seiner Freizeit? Er macht viel Kraftsport. Herisch, der während des Prozesses eher wie ein Weichei wirkte, hat sich ordentlich Muskeln antrainiert. Er lese viel im Koran, außerdem verschlinge er geradezu Fußball-Zeitschriften, so Ahmed: „Er verfolgt die Bundesliga ganz intensiv.“

Erhält Herisch Besuch? Ja, seine Freundin Alexa, bei der er während der Tatzeit in München gelebt hatte, besuche ihn drei bis viermal im Jahr. „Sie will ihn nicht hängen lassen“, betont Ahmed. Auch Herischs Bruder, der in Norwegen lebt, komme regelmäßig in Straubing vorbei. Seine im Irak lebende Mutter könne ihn nicht besuchen. Mit ihr dürfe er aber etwa alle zwei Monate telefonieren.

Macht sich der Häftling schon Gedanken über „die Zeit danach“? „Er weiß, dass er in zehn Jahren noch nicht rauskommen kann“, so Adam Ahmed. Denn das Gericht hatte bei Herisch die besondere Schwere der Schuld erkannt – weil er Moshammer auch ausgeraubt hatte – und das bedeutet, dass er nach 15 Jahren Haft keinen Antrag auf Entlassung stellen kann. Der 31-Jährige weiß freilich auch, dass ihm dann die Abschiebung in den Irak bevorsteht. Und dort ist das Leben wesentlich riskanter als hinter dicken Gefängnismauern. Immer, wenn in seiner Heimat mal wieder eine Bombe hochgeht, macht er sich große Sorgen um seine Angehörigen.

Eberhard Unfried

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