Roman über München in Schutt und Asche

Sie erzählt von der dunklen Seite unserer Stadt

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Anna Mocikat kam ursprünglich vom Film, was man ihrem Erzählstil auch anmerkt.

München - München in Schutt und Asche – nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Dieses Bild zeichnet Anna Mocikat in ihrem Debütroman. Die tz sprach mit ihr.

Anna Mocikats apokalyptischer München-Roman „MUC“ ist bei Knaur erschienen, das ­Taschenbuch ­kostet 12,99 Euro.

Die Münchner Autorin Anna Mocikat hat einen – wie sie es nennt – postapokalyptischen Heimatroman vorgelegt, in dem eine junge Frau im Jahr 2021 das sagenumwobene MUC finden will. Wir sprachen mit ihr über ihren Debütroman.

Frau Mocikat, Sie zeigen eine erschreckende Vision. Wie ist Ihr Bezug zur Stadt?

Anna Mocikat: Ich habe lange in München gelebt, war dann eine Zeitlang weg und bin jetzt wieder hier. In Frankfurt hatte ich großes Heimweh. Und dann kam mir die Idee, über das postapokalyptische München zu schreiben. So etwas gibt es ja sonst über New York oder Tokio, aber nicht über München.

Welche Schauplätze spielen denn eine Rolle?

Mocikat: Ich habe zwei Kategorien von Schauplätzen im Roman. Zum einen sind da die Touristenattraktionen, die man auch als Nichtmünchner kennt. Und für die Münchner habe ich ein paar Schmankerl eingebaut. Den Gasteig als Gefängnis zum Beispiel, da werden einige schmunzeln müssen. Das Gebäude ist ja nicht gerade bei allen beliebt.

Sie haben lange als Drehbuchautorin gearbeitet und viele filmische Elemente in dem Buch verwendet … 

Mocikat: Ich wollte einen lesbaren Film schreiben. Von Anfang an sollte da das Kopfkino laufen. Das Buch ist auch wie ein Film geschnitten.

Wie kamen Sie vom Drehbuchschreiben zum Roman?

Mocikat: Ich wollte das eigentlich schon immer. Dann bin ich irgendwie auf Abwege geraten. Vom Journalismus zum Film oder zum Videospielgenre. Aber eigentlich wollte ich immer einen Roman schreiben.

Einige Elemente des Romans könnten auch von Videospielen stammen …

Mocikat: Videospiele inspirieren mich schon sehr. Das Visuelle und auch die Action.

Wie lange haben Sie an „MUC“ gearbeitet?

Mocikat: Geschrieben habe ich etwa ein halbes Jahr. Von der Idee bis zur Veröffentlichung sind allerdings zwei Jahre vergangen. Ich hatte viel Glück mit dem Verlag. Vor allem meine Lektorin hat noch sehr viel aus mir herausgeholt.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Mocikat: Die ist bereits in Arbeit. Es wird auch E-Books geben, die ein wenig kürzer sind und sich mit Nebenfiguren oder Nebenaspekten befassen. Das ist vor allem für Leute interessant, die vom MUC-Universum nicht genug bekommen.

Ist die Fortsetzung leichter zu schreiben als das Debüt?

Mocikat: Schon. Die Welt ist bereits etabliert, und die Figuren sind es auch. Man kann gleich zur Sache kommen. Ich glaube, es wird auch einfacher, im zweiten Teil die Spannung aufzubauen. Die Hauptfigur Pia bleibt, es kommen neue Personen hinzu, und der Schauplatz wird ausgeweitet.

Wohin?

Mocikat: (lacht) Das will ich jetzt nicht verraten. Aber wer MUC aufmerksam liest, kann sich schon denken, wohin Teil zwei führt.

Wie ist die Resonanz auf das Buch bisher?

Mocikat: Das Feedback ist echt gut. Interessanterweise spricht das Buch sehr unterschiedliche Leute an. Auch viele, die sonst niemals Fantasy-Bücher lesen.

Sind Sie von den derzeit überall entstehenden Heimatkrimis inspiriert worden?

Mocikat: Eigentlich nicht. Es war eher so, dass mir der Gedanke kam, wie es denn aussehen wird, wenn die Natur alles wieder verschluckt hat, nachdem die Menscheit ausgestorben ist. Ich hatte da ein Erlebnis im Süden von Thailand in einem Nationalpark. Das war ein wunderschöner Urwald, aber gleichzeitig spürte ich, dass ich hier völlig fehl am Platze war. Wundervoll und erschreckend zugleich.

Entstammen Sie einer literarischen Familie?

Mocikat: Nein, gar nicht. In meiner Familie sind alles Naturwissenschaftler. Ich weiß auch nicht, was bei mir schiefgelaufen ist. Meine Welt ist ihnen meist so fremd wie ihre mir. Aber eigentlich finden sie es ganz toll, was ich mache.

Was haben die Hauptperson Pia und Sie gemeinsam?

Mocikat: Wir haben beide schwarze Haare, wobei meine gefärbt sind. Und wir können beide sehr stur sein. Sonst haben wir nicht viel gemeinsam. Sie klettert hervorragend, ich habe Höhenangst. Wenn ich die Hauptfigur wäre, hätte der Roman nur aus drei Sätzen bestanden: Sie kam an den Abhang. Sie versuchte, hinunterzuklettern. Sie stürzte ab.

A. Seidemann

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