Provokante Plakate in der Stadt

Mühldorf will Münchner abwerben

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„Ich war ein Münchner“: So wirbt die Inn-Stadt Mühldorf um Einwohner aus der Isar-Metropole.

München - Die Stadt Mühldorf am Inn nutzt die astronomisch hohen Mieten in München, um Einwohner abzuwerben. Dazu werden im gesamten Stadtgebiet provokante Plakate aufgehängt.

Es ist eine Provokation für alle Münchner. Eine Werbeaktion, die den wundesten Punkt der Landeshauptstadt trifft. Seit Dienstag ist die Stadt mit Plakaten zugepflastert. Der Spruch „Ich war ein Münchner“ prangt an fast allen zentralen S-Bahnhöfen. Darunter eine glückliche Familie und der Zusatz „Doppelte Lebensqualität zum halben Preis“. Die Stadt Mühldorf am Inn nutzt die astronomisch hohen Mieten in München, um Einwohner abzuwerben.

Denn in dem 18 000-Einwohner-Städtchen am Inn weiß man schon lange: Pendeln schont den Geldbeutel. Tausende machen sich jeden Morgen aus Mühldorf und den umliegenden Gemeinden auf den Weg ins rund 75 Kilometer entfernte München. Nach Feierabend geht’s mit dem Zug wieder zurück. Eine Monatskarte zum Hauptbahnhof kostet rund 250 Euro. Dafür sparen die Mühldorfer kräftig bei Mieten und Lebenshaltungskosten. Dieses Konzept will die Stadt nun auch Münchnern schmackhaft machen.

Der Verein Mimmo, ein Zusammenschluss aus Bauträgern im Landkreis Mühldorf, lässt sich die Kampagne einiges kosten: 150 000 Euro sollen bis Anfang nächsten Jahres in Plakate, Webseite, Broschüren und Handy-App investiert werden. Rund zehn Prozent trägt die Stadt.

„Bisher wird Mühldorf in München gar nicht wahrgenommen. Das kann man nur mit auffälliger Werbung ändern“, sagt Vereinschef Franz Hutterer. Für diese ist Manfred Huber zuständig. Er kommt selbst aus dem Mühldorfer Raum und pendelt täglich nach München zu seiner Agentur Mediapool. „Ich fand die Idee sofort gut. Viele Münchner Kollegen klagen über zu hohe Mieten und wenig Lebensqualität“, so Huber.

Auch Bürgermeister Günther Knoblauch (SPD) sieht die Inn-Stadt als perfekte Alternative zu München: „Wir haben hier ein großes Angebot an Kultur, Freizeitmöglichkeiten und Gastronomie. Und auch die Mieten sind erschwinglich.“ Einige Münchner sind bereits ohne Werbung nach Mühldorf gekommen. Allein vergangenes Jahr verzeichnete die Stadt am Inn 93 Zuzüge aus der Landeshauptstadt. Mal sehen, ob die aggressive Werbung weitere anlockt …

Beate Winterer

Haus zum Preis von 2 Zimmern

Aus dem Münchner Raum wegziehen? Niemals! So dachte Gerhard Mühlhans (45) noch vor einem Jahr. Dann fand er einen neuen Arbeitsplatz. Heute ist er ein glücklicher Neu-Mühldorfer und will nie mehr zurück in die Landeshauptstadt.

Neu-Mühldorfer Gerhard Mühlhans (links) mit Franz Hutterer

„Schon bei meinem ersten Besuch hat mir Mühldorf super gefallen. Vor allem den Stadtplatz mit den Arkaden und Cafés ist wunderschön“, schwärmt der Geschäftsführer der Kreiswohnbau Mühldorf. Schnell stand für ihn fest: Er wird seine Zelte abbrechen und nach Südostbayern ziehen. Mit der Lebensgefährtin hat er ein Haus gekauft. Auch seine Mutter will bald nachkommen. „Wir haben allein in unserer Wohnung 30 Quadratmeter mehr Platz als früher. Für den Kaufpreis hätten wir uns in München gerade mal zwei Zimmer leisten können“, so Mühlhans.

Die Lebensgefährtin arbeitet weiter in München. Mit dem Zug ist sie in einer Stunde an ihrem Arbeitsplatz an der Donnersberger Brücke. „Das ist total entspannt. Innerhalb Münchens muss man öfters umsteigen“, so der Neu-Mühldorfer.

Beate Winterer

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