Prozess: Auch der Müll gehört dem Flughafen

Flughafen - Pfandflaschen-Sammler werden am Flughafen nicht geduldet. Das bekam ein 71-Jähriger vom Amtsgericht bescheinigt.

Bereits seit zehn Jahren bessert ein 71-Jähriger mit dem Sammeln von Pfandflaschen seine karge Rente auf. Ein begehrtes Areal ist dabei das Flughafengelände. Doch hier hat der Italiener seit 3. Februar Hausverbot, ausgesprochen vom Wachsicherheitsdienst.

Dies hielt ihn aber nicht davon ab, am 30. März die Mülleimer im Bereich des Terminals Zwei nach Pfandflaschen zu durchstöbern. Schließlich verdient er damit pro Tour nach eigener Aussage zwischen zehn und 15 Euro. Jetzt kassierte er eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Vor Gericht gab der 71-Jährige eine gepflegte Erscheinung ab. Schmucke Sonnenbrille und ein Siegelring am linken Ringfinger. Doch der Schein trügt. „Ich habe 380 Euro zum Leben“, erklärte er über seine Dolmetscherin. Und so sei er dringend auf das Pfandgeld angewiesen. Dass er am besagten Tag Flaschen gesammelt hatte, gab er sofort zu. Dass er aber das Flughafenareal nicht betreten darf - außer er ist im Besitz eines gültigen Flugtickets - konnte er gar nicht glauben. Ebenso wenig, dass Richter Aksel Kramer ihn zu 20 Tagessätze zu je zehn Euro, also insgesamt 200 Euro Geldstrafe verurteilte. Die Staatsanwältin hatte 300 Euro gefodert. „Wie soll ich das bezahlen? Ich bin arm“, sagte er. „Das ist keine Demokratie“ ergänzte er.

Warum sei denn der Sammler mit einem Hausverbot belegt worden?, hatte zuvor Kramer den zuständigen Polizeioberkommissar gefragt. „Die Flughafenbetreiber wollen die Sammler nicht. Und schließlich ist das Eigentum der FMG“, antwortete er.

„Die Pfandflaschen werden entweder verbrannt oder gepresst. Sie kommen nicht wieder als Pfandflaschen ins System zurück“, erklärte FMG-Pressesprecher Ingo Anspach auf Nachfrage der Heimatzeitung.

Kurios: Im August war der 71-Jährige erneut beim Pfandflaschen-Sammeln am Flughafen aufgefallen. Ausweisen konnte er sich nicht, dafür zeigte er den Beamten die Vorladung für die gestrige Gerichtsverhandlung. Das weitere Verfahren ist bereits eingestellt. (Daniela Oldach)

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