Jetzt kriegen sie's gebacken

Müller-Brot: So geht es dem Unternehmen heute

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Mit renovierten Filialen wie hier im Fritz-Hommel-Weg startet die Firma neu durch.

München - Der Rettungsplan ist aufgegangen! Drei Jahre nach dem Hygieneskandal um Müller-Brot steht die Großbäckerei wieder gut im Brot.

Steigende Umsätze, moderne Filialen: Die neuen Eigentümer Höflinger-Müller investieren kräftig. Und das Unternehmen will weiter expandieren!

Die Eigentümer Evi Müller und Franz Höflinger.

Die Backfabrik von Müller-Brot wurde 2012 in Neufahrn wegen extremer Hygienemängel geschlossen. Neun Wochen später übernahmen Gründertochter Evi Müller und Franz Höflinger den in die Insolvenz geschlitterten Konzern (siehe unten). „Seit der Übernahme haben wir nur einen Fokus: Qualität“, sagt Evi Müller der tz. Ein Drittel der Filialen hat das Eigentümerduo bereits aufwendig renoviert und umgebaut. Die neuen Filialen mit integriertem Café kommen bei den Kunden an: „Dort verzeichnen wir ein deutliches zweistelliges Umsatzplus.“

450 Mitarbeiter arbeiten im Moment in 120 Filialen. Und es werden immer mehr: Höflinger-Müller hat bereits Läden in Landshut und Regensburg – zum 1. Februar übernimmt das Unternehmen 20 der 23 Filialen der insolventen Bäckereikette Weinzierl aus Wallersdorf in Niederbayern – dann kommen noch mal 100 Mitarbeiter dazu. Auch in München will sich die Firma weiter ausbreiten: Bereits im letzten Jahr wurden hier fünf neue Bäckereien eröffnet. „Wir wollen das Filialnetz gezielt ausbauen“, berichtet Evi Müller.

Noch immer fertigen befreundete Bäcker die Backwaren nach den original Müller-Rezepten. Der Plan der Eigentümer für die Zukunft: eine eigene Produktionsstätte mit gläserner Backstube, in der die Besucher bei der Produktion zuschauen können. Nach wie vor suchen sie dafür nach einem geeigneten Standort im Münchner Umland.

Die Firmenzentrale steht weiterhin in Neufahrn – das alte 54 000 Quadratmeter große Fabrikgelände der stillgelegten Bäckerei wurde mittlerweile an einen Investor aus Stuttgart verkauft.

Die Chronik: So lief der Müller-Skandal

Drei Jahre ist es her, dass die Neufahrner Backhalle von Müller-Brot wegen Hygienemängeln schließen musste. Ein Rückblick:

Oktober 2010 bis Januar 2012: Bei verschiedenen Kontrollen findet das Landratsamt Freising unter anderem Schaben und Mäusekot in der Produktionsstätte in Neufahrn.

30. Januar 2012: Das Landratsamt Freising stoppt die Produktion in Neufahrn. Die Öffentlichkeit wird erstmal nicht informiert – in den Filialen wird erzählt, es käme zu Lieferschwierigkeiten wegen eines Schwelbrandes.

1. Februar 2012: Der Fall gerät an die Öffentlichkeit.

3. Februar 2012: Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit gibt bekannt, dass schon mehrfach wegen der Hygienemängel Bußgelder gegen die Großbäckerei verhängt wurden.

7. Februar 2012: Müller-Brot teilt mit, dass u.a. der gesamte Boden in Neufahrn überarbeitet und ein neues Hygienemanagement eingeführt werde.

16. Februar 2012: Müller-Brot stellt beim Amtsgericht Landshut Insolvenzantrag.

19. März 2012: Wegen Zweifel an der Nachhaltigkeit der Maßnahmen entscheidet das Landesamt für Gesundheit, den Produktionsstopp bestehen zu lassen.

7. April 2012: Gründertochter Evi Müller und der Münchner Bäckermeister Franz Höflinger übernehmen Müller-Brot unter dem neuen Markennamen Höflinger-Müller.

Januar 2013: Wie die tz exklusiv erfährt, kündigten Müller und Höflinger den Pachtvertrag für die alte Produktionsstätte in Neufahrn.

Anfang Januar 2014: Laut Gutachten war Müller-Brot schon zahlungsunfähig, als die Firma dies 2012 anmeldete.

22. Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft Landshut erhebt Anklage gegen die drei früheren Geschäftsführer von Müller-Brot, darunter auch der ehemalige Mehrheitseigner Klaus Ostendorf. Bis heute ist aber noch kein Verhandlungstermin bestimmt, da die dortige Wirtschaftskammer überlastet ist.

Zur Geschichte

Müller-Brot wurde 1930 in Giesing gegründet. Nach dem Tod seiner Eltern übernahm der damals 19-jährige Sohn Hans Müller das Unternehmen. Er führte 1953 die weltweit erste vollautomatische Produktionsanlage für Semmeln ein. Ab den 70ern belieferte er Supermärkte, zudem konnten Kunden in eigenen Filialen die Brezn und Semmeln kaufen. 2003 verkaufte Hans Müller sein Unternehmen, Mehrheitseigner wurde Klaus Ostendorf. Nach dem Hygieneskandal meldete Müller-Brot im Februar 2012 Insolvenz an. Im April 2012 übernahmen Gründer-Tochter Evi Müller und Bäckermeister Franz Höflinger die Firma.

Christina Meyer

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