Müller-Pächter: "Jetzt stehen wir auf der Straße"

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Oliver und Dulmi Deringer mit ihrem Baby Jamie Oliver sind verzweifelt.

München - Sie können nichts dafür, doch jetzt kam die Kündigung für die Pächter von Müllers schönster Filiale in Solln. Dabei war ihnen zugesichert worden, den Laden weiterführen zu dürfen.

Sie haben mit der Pleite von Müller-Brot nichts zu tun. Im Gegenteil: Oliver (42) und Dulmi (29) Deringer haben in den vergangenen eineinhalb Jahren all ihre Energie in ihre Müller-Brot-Filiale an der Frans-Hals-Straße in München-Solln gesteckt. Jeden Tag 14 Stunden lang gearbeitet. Auch am Sonntag putzten und wischten die jungen Eltern nach Geschäftsschluss alles sauber heraus. Aber mit hängenden Schultern: „Es ist sinnlos! Ab nächsten Montag stehen wir auf der Straße!“

Zwar hatten Evi Müller und Franz Höflinger den beiden Ende April zugesichert, ihre Filiale zu übernehmen. Aber der Vermieter spielte nicht mit: „Er wollte mit uns den Pachtvertrag nicht fortsetzen“, sagte Evi Müller am Sonntag zur tz. Der Vermieter, der telefonisch nicht zu erreichen war, hat am vergangenen Mittwoch bis 31. Mai gekündigt. Mit einer Frist, dass die Filiale bis 20. Mai geräumt sein muss. „Ich hatte Hoffnung bis zuletzt, aber das war ein Fehler“, sagt Dulmi Deringer und drückt den sechswöchigen Jamie Oliver an ihre Brust. „Ich habe Angst. Jetzt bleibt uns eine Woche, um einen neuen Job zu finden!“

"Wir waren die schönste Müller-Filiale"

Als Selbständiger bekommt Oliver Deringer kein Arbeitslosengeld. Er hat Angst, auch die Mietwohnung zu verlieren. Seine Ersparnisse sind 2010 für die 15 000 Euro Kaution an Müller-Brot draufgegangen. Sogar einen Kredit musste Deringer aufnehmen. Den zahlt er weiter ab, obwohl die Kaution weg ist: „Unfassbar, bei uns ist alles tiptop, wir waren die schönste Müller-Filiale!“ Evi Müller tut das Schicksal der Deringers leid, sagt sie. Aber helfen könne sie nicht. „Wir haben keine Stelle frei.

 Derzeit versucht sie mit Franz Höflinger, die 150 Filialen, die sie erworben haben, am Laufen zu halten. Die Backfabrik in Neufahrn wollen sie immer noch erwerben, doch die Verhandlungen mit dem Ex-Eigentümer Klaus Ostendorf verlaufen stockend, sagt Evi Müller: „Wir bleiben dran und werden selbst backen. Spätestens zur Wiesn 500 000 Brezen. Wenn nicht in Neufahrn, dann woanders.“

S. Sasse

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