„Diskussion wird wieder Fahrt aufnehmen“

Isar-Hochwasser: Feuerwehrler erklärt, wie Münchner gewarnt werden - und weist auf riskantes Manko hin

Gefährliche Fluten: Das Isar-Hochwasser der vergangenen Tage. Aktuell sinken die Pegel wieder.
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Gefährliche Fluten: Das Isar-Hochwasser der vergangenen Tage. Aktuell sinken die Pegel wieder.

Bei Katastrophen wie Überflutungen zählt jede Minute. Auch in München stellen sich – trotz des derzeit vergleichsweise niedrigen Isar-Pegels von drei Metern – viele die Frage: Wie werden wir gewarnt, falls es gefährlich wird? Wir erklären die Flut-Warnkette.

München - Beim Hochwassernachrichtendienst des Bayerischen Landesamts für Umwelt laufen alle relevanten Informationen zusammen – unter anderem Wettervorhersagemodelle mehrerer Dienstleister und eigene Modellrechnungen sowie Meldungen des europäischen Flutwarnsystems Efas. Auf dieser Basis erstellt das Wasserwirtschaftsamt München* spezifische Warnungen, die über Warn-Apps verfügbar sind. Über mehrere Kanäle werden dann die Münchner Bürger informiert.

Isar-Hochwasser in München: Ab 4,50 Meter wird‘s gefährlich

Im Münchner Hochwasserplan ist in 25-Zentimeter-Schritten festgelegt, welcher Schritt bei welcher Hochwasserlage erfolgt. „Ab 4,50 Meter geht die Gefahrenabwehrleitung in Vollbetrieb“, sagt Stefan Kießkalt von der Münchner Feuerwehr*, die auch für den Katastrophenschutz zuständig ist. Dann tage ein Planungsstab mit Fachberatern unter anderem von der Bundeswehr und der Stadtverwaltung.

Problem bei Hochwasser-Warnung in München: „Wir haben keine Sirenen“

Allerdings hat dieses System Lücken. Größtes Problem: „Fakt ist, wir haben keine Sirenen in München“, sagt Stefan Kießkalt. Denn Anfang der 90er-Jahre – nach dem Ende des Kalten Krieges – hat der Bund die Finanzierung der Sirenen eingestellt. Seither vertraut die Stadt München* aus Gründen der Wirtschaftlichkeit vorrangig auf Warnungen durch Lautsprecherfahrzeuge.

„Die Diskussion um Sirenen wird auch in München wieder Fahrt aufnehmen“

Kießkalt ist sich sicher: „Die Diskussion um Sirenen wird auch in München wieder Fahrt aufnehmen.“ Aktuell basiert das Münchner Warnsystem auf drei Säulen: Warn-Apps wie Katwarn oder Nina senden bei Gefahr Meldungen aufs Smartphone. Allerdings hat nicht jeder Münchner ein internetfähiges Handy, nicht alle Nutzer haben eine Warn-App installiert. Und die Apps funktionieren nur, wenn das Handynetz nicht lahmgelegt oder überlastet ist. Zudem sind viele deutsche Fernseh- und Radiosender an das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWas) angeschlossen. Bei Stromausfällen nutzt das nichts, auch nachts gibt es keine Weckfunktion. Zudem verfügt die Branddirektion derzeit über 14 mobile Lautsprecheranlagen für Fahrzeuge. Wenn die Hochwasser-Lage brenzlig wird, rückt die Feuerwehr nach einer Vorlaufzeit von 30 bis 45 Minuten aus – allerdings erst bei einem Pegel von rund fünf Metern. *tz.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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