"S-Bahn München 2030" mit Flughafen-Express

Grünen-Vorschlag zur 2. Stammstrecke: So geht's ohne Tunnel

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So könnte es künftig aussehen.

München - Seit Jahren steht ein zweiter S-Bahn-Tunnel in München in der Diskussion. Die Grünen wollen das Projekt komplett kippen und bringen einen eigenen Vorschlag. Die tz erklärt das Vorhaben.

Wenn’s nach der Rathauskoalition und der Landesregierung geht, steht der Bau der 2. S-Bahn-Stammstrecke unmittelbar bevor. Gestern funkten jetzt aber die Landtags-Grünen dazwischen – mit einem eigenen S-Bahn-Konzept. Sie wollen auf die zweite Röhre verzichten und lieber die Außenäste ausbauen.

„Rund 90 Prozent der Störungen entstehen durch Störungen auf den Außenästen, lediglich zehn Prozent werden auf der Stammstrecke verursacht“, sagt Grünen-Verkehrspolitiker Markus Ganserer. Denn: Das Netz an den Außenästen ist oft nur unzureichend für den S-Bahnverkehr, so gibt es beispielsweise oft nur ein Gleis.

Die Grünen haben Eisenbahn-Ingenieur Stefan Baumgartner sowie Verkehrsplaner Thomas Kantke mit dem Entwurf eines alternativen Konzepts beauftragt. Das Ergebnis, das Sie unten im Detail sehen können: ein Programm, das so viel kosten soll wie 2. Stammstrecke (rund drei Milliarden Euro). Nachdem die Finanzierung der 2. Stammstrecke noch nicht geklärt ist, ist es zumindest theoretisch möglich, dass ein anderes Modell zum Zug kommt...

Zehn-Minuten-Takt

Das Betriebskonzept der Grünen sieht einen Zehn-Minuten-Takt auf allen S-Bahnlinien zwischen 5 und 22 Uhr im zentralen Bereich vor (siehe Doppellinien auf der Karte oben). Ansonsten gilt 20-Minuten-Takt. Als Vorbild gilt Hamburg, wo alle stadtnahen Linien zehnminütig fahren. Damit wollen die Grünen die Fahrgastzahlen bis 2030 von jetzt 840 000 auf 1,5 Millionen täglich ­verdoppeln. Auch das Zugangebot würde zweimal so hoch sein wie derzeit. Vor allem an den Außenästen gibt es Potenzial: Derzeit liegt der ÖPNV-­Bahnanteil am Stadtrand bei 25 Prozent, am Marienplatz bei 90 Prozent.

Neue Gleise

Statt drei Milliarden in den 2. Tunnel zu stecken, wollen die Grünen die Außenäste der S-Bahn ausbauen – in insgesamt 63 ­Einzelmaßnahmen. So soll für 150 Millionen Euro die S7 Giesing – Kreuzstraße zweigleisig ausgebaut werden. Es gibt auch kleinere Projekte wie der zweigleisige Ausbau der S5 zwischen Steinebach und Seefeld-Hechendorf. Ein dicker Batzen wäre mit 200 Millionen Euro eine Neubaustrecke für die S2 zwischen Riem und Markt Schwaben, um eine neuen Halt an der Messe zu erhalten und Platz für künftige ICE-Züge in Richtung ­Mühldorf-Salzburg zu schaffen.

Ein neuer Flughafen-Express

Eine Art Transrapid könnte eine schnelle Verbindung zum Flughafen herstellen.

Die Grünen planen einen 200 km/h schnellen Flughafen-Express, der in 18 Minuten vom Hauptbahnhof zur Airport sprintet. Dafür wäre eine neue Strecke für 300 Millionen Euro zwischen Moosach und Neufahrn nötig. Sie soll parallel zur A92 verlaufen. Eine Verbindungskurve vom S-Bahn-Nordring soll zudem eine direkte Verbindung des Airports mit Nürnberg ermöglichen. Verkehrsplaner Thomas Kantke: „Damit könnte man den Nürnberger ­Flughafen, der dann in 78 Minuten erreichbar wäre, zur 3. Startbahn Münchens machen. Die neue Piste im Erdinger Moos wäre völlig unnötig.“

Neue Stammstrecke, neue Bahnhöfe

Ausbau des Südrings.

Als Ergänzung zur Stammstrecke wollen die Grünen einen Teil des jetzigen Bahn-Südrings zwischen Laim und Ostbahnhof ausbauen. Er wäre eine Entlastungsstrecke für die Stammstrecke – und das nicht nur im Störfall. Außerdem würden zwei neue Haltestellen für die S-Bahn entstehen: die bisherigen U-Bahnstationen Poccistraße und Kolumbusplatz. Es ergäben sich neue Umsteigemöglichkeiten zwischen S- und U-Bahn, auch am Heimeranplatz.

Die U-Bahnen im Zentrum wären weniger belastet. Noch ein Plus: Größere Bauarbeiten fänden nur auf Bahngelände am Ostbahnhof und am Bahnhof in Laim statt.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Zweite Stammstrecke, München, S-Bahn
Der Blick von Osten auf die geplante Trasse: Die zweite S-Bahn-Röhre (rot) zweigt ab Leuchtenbergring aus der ersten ab (grün). Es folgen Stopps an Ostbahnhof, Marienplatz und Hauptbahnhof – nicht am Stachus! Ab Donnersbergerbrücke fädelt die zweite Stammstrecke ein. In Laim gibt es einen gemeinsamen Halt. © Stoiber Productions
Zweite Stammstrecke, München, S-Bahn
Nächster Halt, Ostbahnhof! Unter dem Orleansplatz fädelt die zweite S-Bahn-Stammstrecke in die erste ein. Die Sperrengeschosse wirken unspektakulär wie die bekannten bei U- und S-Bahn. Die Tiefe der zweiten Röhre ist mit 35 Metern die geringste im ganzen Verlauf. © Stoiber Productions
Zweite Stammstrecke, München, S-Bahn
Im Zentrum wird die zweite Stammstrecke nicht unter dem Marienplatz, sondern unter dem Marienhof durchführen – und zwar eine Etage tiefer als bislang die U-Bahnen. © Stoiber Productions
Zweite Stammstrecke, München, S-Bahn
Für den Bahnhof sehen die Planer große, gelbe X-Stützen vor, die sich vom oberen zum unteren Zwischengeschoss fortsetzen. Der S-Bahnhof liegt dann in 38 Metern Tiefe. © Stoiber Productions
Zweite Stammstrecke, München, S-Bahn
41 Meter unter dem neuen Hauptbahnhof soll der S-Bahn-Halt der zweiten Stammstrecke liegen. Die Simulation zeigt, dass Passagiere aus der neuen Haupthalle fünf Rolltreppen hinunter oder hinauf fahren müssen. Zudem soll es Express-Aufzüge geben. Probleme gibt es mit der Planung der Rolltreppen zu U4/5. © Stoiber Productions

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