Jetzt schaltet sich der Stadtrat ein

Magnet München - 125.000 Zuwanderer 2013!

Die Attraktivität Münchens zieht an.

München - Im vergangenen Jahr haben die Zuzüge einen neuen Rekord erreicht! Mittlerweile stammt fast jeder zweite Neu-Münchner aus dem Ausland.

 Von wegen Rumänen und Bulgaren: Ihre Zahl geht erstmals seit Jahren zurück. Am Dienstag diskutiert der Stadtrat über einen Runden Tisch zur Armutszuwanderung.

Der tz liegen die neuesten Ergebnisse des Statistischen Amtes vor: Im vergangenen Jahr meldeten sich insgesamt 125 346 Umzügler im Kreisverwaltungsreferat an – noch einmal fast acht Prozent mehr als im Vorjahr! Kaum zu glauben: Fast jeder zehnte heutige Münchner ist also erst im vergangenen Jahr zugezogen.

Jobs, Unis, Reichtum und die Chance auf ein besseres Leben ziehen Arme und Reiche an. OB Christian Ude (SPD) warnt, dass die Schere gefährlich weit auseinandergeht. Erst vergangene Woche machte der 1,1-Millionen-Deal für eine Zweitwohnung in seiner Schwabinger Nachbarschaft Schlagzeilen.

Seit 1960 kamen nur in einem einzigen Jahr mehr Leute nach München: Das war 1992, als der Bürgerkrieg in Jugoslawien wütete. Weil im vergangenen Jahr aber auch 107 913 Münchner wegzogen, stieg die Einwohnerzahl nicht mehr so stark wie in den Vorjahren.

Und von wo kommen die Zugezogenen her? Früher stammte etwa einer von drei aus dem Ausland – mittlerweile ist es fast jeder zweite: 58 380 der neuen Nachbarn siedelten aus ­Europa und dem Rest der Welt über. Auch das bedeutet einen neuen Rekord. Dagegen zogen 22 463 Menschen aus München weg ins Ausland.

Doch die Landkarte verändert sich: Rumänen und Polen stehen zwar weiter mit mehr als 4000 Zuwanderern ganz oben auf der Liste – die Stadt gilt aber erstmals weniger Bürgern dieser Staaten als Traumziel. Danach folgen zwei absolute Aufsteiger: In die nördlichste Stadt Italiens zieht es immer mehr Italiener – dort herrscht wie in anderen EU-Südländern eine bittere Jugendarbeitslosigkeit. Und aus dem jüngsten EU-Land Kroatien zog es 2013 fast doppelt so viele Menschen nach München als im Vorjahr.

Auch auf den hinteren Plätzen gibt es Veränderungen: Während aus dem ersten EU-Schuldenstaat Griechenland die Zuwanderungswelle abebbt, bleibt sie im jüngeren Krisenland Spanien stabil.

Die tz fragte Neu-Münchner, warum sie ihr Heimatland verlassen und wie lange Job- und Wohnungssuche gedauert haben:

Die Jobsuche war mühsam

Wir sind beide vor einem Jahr aus Rumänien  nach München gekommen. Es war für uns beide zunächst sehr schwer, eine Arbeit zu finden. Doch zum Glück haben wir jetzt Jobs: Ich arbeite als Baggerfahrer und mein Freund Ilie als Maler. Grund für unsere Auswanderung war die Suche nach einem Job. Ich habe einen Sprachkurs besucht, um mich gut einzufügen, und Ilie macht jetzt auch einen Kurs. Wir bleiben in Deutschland, solange wir ­arbeiten können.

Cornel Bordan (50), Baggerfahrer aus Poing, und Ilie Poenar (40) Maler, München

Die Freundin kam jetzt nach

Als ich vor einem halben Jahr aus Kroatien nach München kam, hat mir meine Schwester sehr bei der Arbeits- und Wohnungssuche geholfen. Sie lebt schon seit fünf Jahren hier. Ich habe meine Wohnung und meinen Job so sehr schnell finden können. Meine Freundin Josiba lebt seit Mittwoch in München, leider spricht sie kaum Deutsch. Wir konnten gemeinsam nach einer Wohnung und Arbeit suchen. Jetzt lebt und arbeitet sie in einem Pflegeheim. Wir sind beide nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden.

Zoran Baric (26) Restaurant-­mitarbeiter, München, und Josiba Rucic (23) Pflegerin, ­München

Geld für unsere Kinder zuhause

Ich lebe seit drei Jahren in Deutschland und seit ca. anderthalb Jahren in ­München. Mein Bruder und meine Schwägerin leben seit einem halben Jahr in München und waren vorher schon eine Zeit lang in Deutschland als Schausteller unterwegs. Wir arbeiten hier, um unsere Kinder in Rumänien finanziell zu unterstützen. Wir haben hier außerdem ein besseres Leben als in unserer Heimat. Wir wohnen alle zusammen in einem Wohnheim. Ich habe von der Enkelin meines ehemaligen Chefs Deutsch gelernt.

Ionel Dumitru (32), ­Magaziner, München, Daniela Tenre (34), Reinigerin, ­München, Aurelian Dumitru (33), Spüler, München

 

Die Top 10 der Zuwanderungsländer 

2013 2012 2011 2010 2009 2008
Rumänien 4464 4646 3841 3162 2284 2061
Polen 4239 4421 4814 3599 3348 3429
Italien 3724 2905 2095 1710 1525 1470
Kroatien 3040 1651 1395 1096 1029 870
Griechenland 2581 2991 2630 1212 735 755
Spanien 2309 2202 1599 1071 883 754
Bulgarien 2307 2828 2305 1930 1722 700
Bosnien-Herzegowina 1328 967 833 548 448 483
Afghanistan 1072 736 1131 451 525 165
Russland 1016 789 760 695 651 700

Quelle: Statistisches Amt München

David Costanzo, Nicolai Kunz

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