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Vom Tuchmacher zur weltbekannten Modemarke: Lodenfrey wird 180 Jahre alt

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Von: Regina Mittermeier

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Das Modehaus Lodenhaus prägt seit langem das Münchener Stadtbild. 2022 feiert das Unternehmen sein 180-jähriges Bestehen.

München – Eine Riesenportion Vertrauen und 250 Gulden – das hat Johann Georg Frey von seiner Mutter mitbekommen, als sie ihn 1842 in die Welt hinaus schubste. So zog der damals 21 Jahre alte Weber aus seinem Elternhaus in dem Dorf Klingenstein bei Ulm aus. Mit 250 Gulden hätte er einen Betrieb daheim eröffnen können, denn das war damals eine Menge Geld, umgerechnet fast 3000 Euro.

Das Modenhaus Lodenfrey in der Maffeistraße in München
Das Modenhaus Lodenfrey in der Maffeistraße in München. © Ralph Peters/Imago

Aber stattdessen haben die Freys Münchner Modegeschichte geschrieben mit ihren wasserabweisenden Lodenstoffen. Heuer feiert das Unternehmen 180. Geburtstag. Und fast die ganze Welt kennt die Trachten- und Designermode von Lodenfrey.

München: Lodenfrey feiert Jubiläum – seit 180 Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt

Und das kam so: Johann Georg Frey, Sohn eines Tuchmachers, kam 1842 nach München. Mit dem Geld seiner Mutter mietete er sich in der Adalbertstraße in der Maxvorstadt ein, kaufte eine Lizenz zum Weben und zehn Webstühle. Die Stoffe, die seine Mitarbeiter woben, waren so fein, dass sie nicht nur der Schickeria der damaligen Königsstadt München gefielen. Sogar Bayerns König Maximilian II. liebte Kleidung aus dem Hause Frey.

Lodenfrey-Gründer Johann Georg Frey
Lodenfrey-Gründer Johann Georg Frey kam 1842 nach München. © Lodenfrey/Marcus Schlaf

Das Geschäft lief gut und so richtete Frey 1853 sein erstes Verkaufsgeschäft ein. Jeden Tag standen viele Leute staunend vor den großen Schaufenstern am Marienplatz. Trotzdem tüftelte Frey weiter - und entwickelte den ersten wasserabweisenden Lodenstoff. Seine Erfindung war so revolutionär, dass er damit 1855 auf der Pariser Weltausstellung prompt den ersten Preis kassierte, erzählt Lodenfrey-Geschäftsführer Markus Höhn. Freys Idee markierte den Beginn der Erfolgsgeschichte des Unternehmens.

Modefirma Lodenfrey zog 1868 vom Marienplatz in die Maffeistraße

Vom Marienplatz zog Lodenfrey dann 1868 in die Maffeistraße beim Promenadeplatz. Für den Verkauf der Stoffe kaufte Frey das Haus in der Nummer 7, das bis heute das Stammhaus ist. Und für die Stoffherstellung gründete Frey 1870 eine Fabrik in der Osterwaldstraße östlich des Englischen Gartens. Dank der Lage am Schwabinger Bach konnten Maschinen mit Wasserkraft betrieben werden.

Lodenstoff an sich war keine neue Erfindung, die Leute tragen ihn seit Jahrtausenden. Dafür wird Schafswolle zu einem widerstandsfähigen Tuch geknetet und verfilzt. Zuerst haben sich damit Bauern und Hirten vor Wind und Wetter geschützt. Erst später, im 19. Jahrhundert, machte Sisis Mann Franz Joseph den Lodenjanker zu einem modischen Muss am Wiener Hof.

In dieser Zeit startete der internationale Siegeszug des Lodenstoffs, dank der Freys. Die Firma ist und war immer ein Familienbetrieb, mit Höhen und auch Tiefen. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 hagelten Bomben auf mehrere Firmengebäude und auch das Haus in der Maffeistraße brannte bis auf die Außenmauern ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es mühsam wieder aufgebaut und am 17. September 1949 wieder eröffnet. Lodenfrey erholte sich und in den 1990er-Jahren haben sogar Topmodels wie Linda Evangelista für Lodenfrey posiert.

Markus Höhn, geschäftsführender Gesellschafter des Münchener Mode-Unternehmens Lodenfrey, steht in der Filiale
Seit 2002 leitet Markus Höhn das Münchener Mode-Unternehmen Lodenfrey. © Lodenfrey/Marcus Schlaf

Lodenfrey erfand sich neu: „Vorher hatten wir ein angestaubtes Image“

Seit 2002 leitet Markus Höhn als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen. „Vorher hatten wir ein angestaubtes Image“, blickt er zurück. Deswegen wollte Höhn mit exklusiven Designermarken das Haus in die moderne Zeit holen. York-Tom und Ralph-Michael Nagel sind Nachfahren der Freys und Mehrheitsgesellschafter. Sie stehen Höhn beratend zur Seite.

„Wir haben ein vielseitiges Sortiment. Es reicht von Vintage-Mode bis zu besonderen Stücken, die nicht überall zu finden sind“, erzählt Ralph-Michael Nagel. Und nach wie vor verkauft Lodenfrey freilich die Trachtenjanker, berichtet Markus Höhn. Auf diese Tradition will Lodenfrey nicht verzichten – auch nicht die nächsten 180 Jahre.

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