Viele Frauen waren seeehr freizügig

1972 - als die Münchnerinnen gegen den BH protestierten

München 1972
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Blicken Sie zurück ins Jahr 1972 und die beeindruckenden Fotos von Heinz Gebhardt.
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München - Kultig, kultiger, 70er! In der tz-Serie wird’s heute ausgesprochen luftig: Denn wir beschreiben, wie sich der Minirock in der bayerischen Landeshauptstadt durchsetzte.

Kultig, kultiger, 70er! Manch einer mag zwar lächeln über riesige Sonnenbrillen und quietschbunte Tapeten – trotzdem hat keine Epoche der Nachkriegszeit das München von heute so geprägt wie die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Generation 60 plus wird sich mit Wehmut an diese wilde Zeit erinnern – und die Jüngeren werden große Augen machen, wie narrisch und wie nackert es damals in München zuging, wenn sie die große Serie der tz lesen. Wir wollen in Nostalgie schwelgen, wollen Ihnen täglich einen spannenden Aspekt der 70er zeigen. tz-Fotograf und -Autor Heinz Gebhardt nimmt Sie mit auf eine Zeitreise, zeigt Ihnen die besten Fotos und erzählt die spannendsten Geschichten. Sie werden lesen von Hippies und Helden, von Verbrechen und Vergnügen. Heute wird’s ausgesprochen luftig: Denn wir beschreiben, wie sich der Minirock auch in der bayerischen Landeshauptstadt durchsetzte.

Der Mini rockt die Stadt

Ein Mode-Klassiker erblickt die Welt

Als 1962 die britische Modeschöpferin Mary Quant erstmals den Minirock vorstellte, nahm man sie zuerst als Mode-Eintagsfliegen hin. Als aber die ultrakurzen Röcke zum Verkaufsschlager wurden, war der Aufschrei groß: Tugendwächter und Moralapostel pochten aufs Gesetz: „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ und „Grober Unfug“. Auch der Vatikan wurde rege: Der Papst untersagte das Betreten aller Kirchen in dieser Aufmachung. Dieses Verbot gilt bis heute: „Der Zugang zu den Vatikanischen Museen, zur Sixtinischen Kapelle, zu den Vatikanischen Gärten und zur Peterskirche, wird nur jenen Personen gewährt, die anstandsvoll gekleidet sind. Nicht erlaubt sind ärmellose Oberbekleidung, kurze Hosen, Miniröcke und Hüte“.
Die Spontan-Demo
„Ja,wo samma denn?!“, sagte sich 1970 in Schwabing eine bunte Gruppe von Boutiquebesitzern und Fotomodellen vom „Intoleranzbekämpfungsverein“. Wo bleibt die berühmte „liberalitas bavariae“? Man versammelte sich an der Münchner Freiheit zu einer Spontan-Demo, um für mehr Toleranz gegenüber Minirockträgerinnen in München zu werben. In ihrem Ruf nach Beinfreiheit hatten sie jedoch vergessen, die Veranstaltung anzumelden. Und das in Zeiten, wo ohnehin ständig irgendwo auf die Straßen gegangen wurde – nicht immer friedlich.

Der Polizeivize übernimmt

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Während Models und Schwabingerinnen noch feixend herumhüpften, rollte eine Hundertschaft Polizei an. Die Einsatzleitung war amüsiert, aber auch ratlos. Man fragte an höchster Stelle nach: Was sollen wir tun? Die Demo sei zwar nicht angemeldet, aber ausgesprochen friedlich. Polizeivizepräsident Georg Wolf rückte mit Blaulicht an und genehmigte im Schnellverfahren eine Demo-Route durch die Leopoldstraße: „Wir san ja schließlich in München.“ Streng bewacht von seinen Beamten, zog die Minirockdemo dann zur „Abschlusskundgebung“ zum Siegestor. Endlich hatte auch in München der Minirock den Beigeschmack von Unzüchtigkeit verloren und wurde Symbol eines neuen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins der Frau von heute. Übrigens: Minirock-Erfinderin Mary Quant wurde von der Queen mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet.

Der Zug durch Schwabing: „Wir sind gegen den BH!“

Ein paar Wochen später staunte ganz Deutschland noch einmal über die freizügigen Madln, die in einer Schwabinger Sommernacht ebenso demonstrativ die Abschaffung der Büstenhalter forderten. Münchnerinnen aus allen Stadtvierteln trafen sich beim Citta 2000 mit Dutzenden von Transparenten wie „Wir fordern weg mit dem Büstenhalter!“ oder „Wir sind gegen den BH!“. Diesmal kam keine Polizei, denn die Demo wurde brav angemeldet. Discjockey Mike Tuttlies forderte per Megafon alle Münchnerinnen auf, mitzumarschieren – und so bewegte sich lautstark eine der ungewöhnlichsten Demos dieser Jahre von der Leo zum Elisabethplatz. Im überfüllten Blow Up, der ersten Großraumdiskothek Deutschlands, dann eine einzigartige Schlusskundgebung: Dutzende von Demonstrantinnen legten auf der Tanzfläche demonstrativ das verhasste Kleidungsstück ab. Ohrenbetäubender Lärm und Ekstase!

Ein Minirock für Karl Valentin

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Die tz machte am Tag nach der Demo auf der Leo eine Umfrage: Tragen Sie einen BH? Leider, leider war nach der ersten Befragten schon Schluss, weil Fotograf Heinz Weyers eine saftige Watschn kassierte und sich fortan weigerte, den Dienst zu versehen. Mehr Glück hatte Kollege Heinz Gebhardt, der mit der Schauspielerin Catherina Conti – sie im Mini-Mini-Rock – auf Museumstour ging. In Frankfurt hatte eine Gemäldegalerie den Besuch mit Minirock verboten. Und wie schaut’s bei uns aus? Ganz anders! Nur im Valentin-Musäum gab’s eine Überraschung: Peps Mühlbauer, das Original an der Kasse, kam mit dem Meterstab aus seinem Wärterhäuschen: Ich muss des immer nachmessen, ob der Mini für Karl Valentin auch kurz genug is. Ja, Sie derfa rein!“

Ein Blick – und Unfall?

Sittenwächter entdeckten ein neues, gar ungeheures Gefahrenpotenzial des unsittlichen Minirocks: Autofahrer würden von aus dem Auto aussteigenden Minirockträgerinnen derart abgelenkt, dass sich schon mehrere Auffahrunfälle ereignet hätten. In München waren Anfang der 70er- Jahre allerdings keine größeren Minirock-Zusammenstöße bekannt …

Das Jahr 1972 im Zeitraffer

10.1. Die letzte wichtige Amtshandlung von OB Hans-Jochen Vogel (SPD): Er weiht die Fußgängerzone mit einer großen Dackelparade ein.

18.5. Über dieses Gebäude wird noch Jahrzehnte lang diskutiert werden: Am Marienplatz macht der neue Kaufhof mit seiner glatten, grauen Fassade auf.

11.6. Georg Kronawitter (SPD) ist neuer Münchner Oberbürgermeister. 55,9 Prozent der Münchner haben ihm ihre Stimme gegeben.

Im Juli Der Vierzylinder, die Unternehmenszentrale von BMW, ist fertig – zumindest in Sachen Außenhaut. Einzug ist dann im kommenden Januar.

26.8. Die Olympischen Sommerspiele werden eröffnet – mit dem Wunsch, sie mögen vor allem als die heiteren Spiele in Erinnerung bleiben.

6.9. Schrecken bei Olympia: Terroristen vom „Kommando Schwarzer September“ überfallen die israelische Mannschaft. Das Drama in Zahlen: Elf tote Team-Mitglieder sind zu beklagen, auch fünf Terroristen und ein Polizist sterben.

Ganzjährig: Die Stadt München hat die bisher höchste Einwohnerzahl des vergangenen Jahrhunderts. 1 338 924 Einwohner leben hier. Zum Vergleich: 2016 sind es über 1,5 Mio.

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