München 2018: So sollen die Spiele aussehen

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Schon beim Air & Style Festival hat München mehrmals gezeigt, dass Snowboarden zu Bayern passt

München - In einem Buch beantworten die Organisatoren der Münchner Bewerbung um Olympia 2018 alle Fragen rund um Wettkampfstätten, Finanzierung und Transport. So sollen die Spiele aussehen: 

Fanfaren, Pauken und Jubel: Die olympische Hymne erschallt, das bezaubernde Siegerpärchen im Eiskunstlauf erklimmt das Treppchen am Marienplatz, die Rathausgiebel sind frisch gezuckert an jenem Tag im Februar 2018. Die Goldmedaillen glitzern in der Frühlingssonne. Die Begeisterung brandet auf …

So könnte es ausschauen, wenn die Stadt den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele erhält und die Jugend der Welt für drei Wochen nach Bayern zieht. Das Siegerpärchen von morgen mag heute noch in Kinderschlittschuhen laufen, die Pläne sind längst erwachsen. Auf rund 400 Seiten beantworten die Münchner Organisatoren ­alle Fragen rund um Wettkampfstätten, Finanzierung, Unterkünfte und Transport. Diese Pläne sieht das offizielle Bewerbungs-Buch Bid Book vor, das die Organisatoren bis Januar dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorlegen werden:

  • Das Herz der Spiele soll noch einmal im Olympiapark schlagen. München könnte die erste Stadt der Welt werden, die nach 1972 sowohl Sommer- als auch Winterspiele ausrichtet. Rund um das berühmteste Zeltdach der Welt sollen im Jahr 2018 alle Sportarten auf dem Eis stattfinden – darum erhält das Gelände den Beinamen Ice Park. Die alten Wettkampfstätten würden modernisiert, neue kämen hinzu. Auf die denkmalgeschützte Überdachung soll besonders Rücksicht genommen werden. Kurios: In der Schwimm­­halle würden die Curling-Partien steigen! Nach den Spielen sollen Stadt und Bürger von modernen Sportanlagen profitieren, 1300 ehemalige Olympioniken-Wohnungen könnten die Mieten der Münchner entlasten.
  • Neben dem Ice Park in der Stadt entsteht in Garmisch-Partenkirchen der Snow Park: Alle Schneesportler sollen sich im Werdenfelser Land messen. Nach einigem Hin und Her um Grundstücke und Investitionen sehen die Pläne nun Folgendes vor: Auf der legendären Kandahar starten Abfahrt, Super-G und Kombi vor bis zu 18 000 Zuschauern. Im Skistadion sind Slalom, Buckelpiste und Skispringen mit bis zu 20 000 Fans geplant. Biathlon und Langlauf gibt es auf dem 20 Kilometer entfernten umgebauten Landesgestüt Schwaiganger vor 22 000 Schlachtenbummlern.
  • Am Königssee im Berchtesgadener Land rasen Bob, Rodel und Skeleton die Kunsteisbahn runter.
  • In Sachen Verkehr ist die Ausgangslage eh schon gut: Autobahnen, Flughäfen und Bahnstrecken sind vorhanden. Für Olympia würde allerdings die Anbindung an Garmisch-Partenkirchen verbessert werden. Während der Spiele würden außerdem Olympic Lanes eingerichtet – also Fahrspuren nur für Sportler und Funktionäre.
  • Umsonst gibt es die Spiele nicht: Allein für die Finanzierung der Spiele selbst sehen die Pläne rund 1,3 Milliarden Euro vor – die aber durch Sponsoren, Marketing-Einnahmen und Tickets wieder reingeholt werden sollen. Zahlen soll auch das IOC, das allein bei den jüngsten Olympischen Spielen fast 4 Milliarden Dollar Fernsehgebühren kassierte. Für mögliche Ausfälle bürgen Bund, Freistaat und Stadt zu jeweils einem Drittel.

Noch größer fällt der Posten für Investitionen vor den Spielen aus – für Olympisches Dorf, Sportstätten, Verkehr & Co. Hier rechnen die Organisatoren mit 1,3 bis 1,8 Milliarden Euro. Davon entfallen auf die Stadt im Mittel 206 Millionen Euro, auf den Freistaat rund 200 Millionen Euro, der Rest verteilt sich auf Bund und Investoren. Weitestgehend muss also zunächst der Steuerzahler geradestehen. Olympia-Befürworter verweisen auf den bleibenden Wert der Investitionen – etwa für Straßen, die modernisierte Bahnstrecke nach Garmisch, Wohnungen, Sportanlagen und die Werbung für München und Bayern in der ganzen Welt.

David Costanzo

Konkurrent 1: Annecy

Annecy ist eine Stadt im Osten Frankreichs. Sie liegt an der Nordspitze des 27 Quadratkilometer großen Lac d’Annecy und ist die Hauptstadt des Départements Haute-Savoie. Mit knapp 53 000 Einwohnern ist Annecy ungefähr so groß wie die Stadt Passau. Im sportlichen Vergleich mit München ist Annecy eine eher kleine Nummer: 1998 fanden hier die Junioren-Weltmeisterschaften in der Leichtathletik statt. Und 2009 wurde die 18. Etappe der Tour de France als Einzelzeitfahren rund um den Lac d’Annecy ausgetragen.

Konkurrent 2: Pyeongchang

Die südkoreanische Stadt (rund 50 000 Einwohner), deren Name „Friede und Gedeihen“ bedeutet, bewirbt sich bereits zum dritten Mal als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele. Gegen Vancouver scheiterte man zuletzt mit 53 zu 56 Stimmen nur knapp. Die Stadt liegt rund 180 Kilometer östlich der Hauptstadt Seoul auf etwa 700 Meter Höhe im Taebaek-Gebirge und ist bekannt für schneereiche Winter. Bei der Biathlon-WM 2009 gab’s aber viele schlechte Schlagzeilen: Wetter und Organisation waren absolut chaotisch.

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