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365-Euro-Ticket für alle Münchner vom Tisch - nur eine Bevölkerungsgruppe darf sich über Neuerung freuen

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Von: Klaus Vick

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Auf einem roten Waggon prangt der Schriftzug S-Bahn München
Vorerst kein 365-Euro-Ticket für alle Münchner: Der Plan von CSU, Linken und Fraktionsgemeinschaft ÖDP/Freie Wähler wurde nicht durchgewunken. © Sven Hoppe/dpa

Das 365-Euro-Ticket für alle Münchner bleibt vorerst ein Wunschtraum. Geschätzt 195 Millionen Euro müsste die Stadt zuschießen, um die Mindereinnahmen der MVV GmbH zu kompensieren. Zu viel in Zeiten knapper Kassen, meinen Grüne und SPD.

München - Ein 365-Euro-Ticket für alle Münchner? Daraus wird in naher Zukunft wohl kaum etwas. CSU, Linke und die Fraktionsgemeinschaft ÖDP/Freie Wähler (FW) hatten dies Ende 2020 beantragt. Eine eher ungewöhnliche Allianz, die sich für diese Forderung zusammengetan hatte. Spätestens zum Fahrplanwechsel 2022/23 sollte das 365-Euro-Ticket eingeführt werden, so deren Wunsch.

Am Mittwoch während der Vollversammlung des Stadtrats wird über das Thema diskutiert. Der Verbundrat der MVV lehnt den Antrag jedoch ab. Grund: Die Mindereinnahmen für ein 365-Euro-Ticket für alle Fahrgäste seien derzeit nicht absehbar, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Inoffiziell ist die Rede von 195 Millionen Euro. Geld, das die Stadt zuschießen müsste. Paul Bickelbacher, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, sagt: „Diese finanziellen Sprünge können wir uns aktuell nicht leisten.“

365-Euro-Ticket in München: CSU verweist auf Mobilitätswende und Klimaschutz

Was wiederum die Opposition enttäuscht. Manuel Pretzl, CSU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, hält die Einführung eines 365-Euro-Tickets für einen zentralen Bestandteil der Mobilitätswende und einen Baustein für den Klimaschutz. Was in Wien oder in Nürnberg machbar sei, müsse auch in München* gehen. Insofern könne er die Haltung der Rathaus-Regierung nicht nachvollziehen.

Bickelbacher entgegnet: „Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.“ Auch Simone Burger, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, stellt klar: „Ziel im Koalitionsvertrag ist: Wir wollen das 365-Euro-Ticket für alle. Das werden wir Stück für Stück umsetzen und starten mit Jugendlichen und Studenten. Wenn der Freistaat bereit ist, hier zu investieren, sind wir natürlich für eine schnellstmögliche Umsetzung.“

365-Euro-Ticket in München: Kommt Unterstützung vom Freistaat?

Welchen Finanzierungsanteil der Freistaat bei der Realisierung eines 365-Euro-Tickets für alle Münchner leisten würde, ist allerdings unklar. Pretzl sagt: „Natürlich wäre eine Unterstützung von dieser Seite gut, aber es darf nicht die Bedingung sein.“

Anders sieht es beim 365-Euro-Ticket für Studenten aus. Dieses soll analog zum Ausbildungsticket eingeführt werden – aus organisatorischen Gründen frühestens zum Wintersemester 2022/23. Das aktuelle Semesterticket kommt Studenten aufs Jahr hochgerechnet teurer. Die MVV beziffert den Mehraufwand für das 365-Euro-Studententicket auf bis zu 24 Millionen Euro pro Jahr.

Der Freistaat hat eine Kostenübernahme von zwei Drittel des Gesamtbetrags in Aussicht gestellt. Die Aufteilung des restlichen Drittels zwischen der Stadt und den Landkreisen ist noch offen. OB Dieter Reiter* (SPD) hatte darum angeregt, der Freistaat solle für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren die Summe alleine stemmen. Dann, so hofft er, werde sich die Finanzlage der Kommunen wieder entspannt haben. (kv) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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