Gastronomie im Lockdown

Münchner Kult-Bar wollte Außenbereich öffnen - und verzweifelt an „ideenloser“ Corona-Politik

München72 Bar Außenbereich
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Ab Montag, 22. März, könnte die Bar „München72“ ihren Außenbereich öffnen. Verlassen will sich darauf aber niemand.

In München bereiteten sich Wirte auf die Öffnung der Außengastronomie vor - doch diesen Plänen machte die Landeshauptstadt einen Strich durch die Rechnung.

München - Nach der jüngsten Bund-Länder-Konferenz am 3. März 2021 veröffentlichte die Bundesregierung eine Grafik, die vielen Gastronomen Hoffnung machte: Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 dürften ab 22. März Gäste im Außenbereich bewirtet werden - das geht auf den ersten Blick aus dem Schaubild hervor. Beim näheren Betrachten wird diese Hoffnung jedoch stark getrübt. Denn: Entscheidend für tatsächliche Lockerungen ist nicht etwa die Grafik, sondern die jeweilige Gesetzeslage in den Bundesländern.

Und tatsächlich: Ein Blick in die Zwölfte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung - ein Dokument von 5. März mit ebenso sperrigem Inhalt wie Namen - verrät, dass das mit den Öffnungen alles nicht so einfach ist. In Teil 7, Paragraph 27, wird die Gastronomie angeführt.

Corona: München streicht Lockerungen - komplexe Verordnung bietet alle Optionen

Demzufolge kann die zuständige Kreisverwaltungsbehörde im Einvernehmen mit dem Gesundheitsministerium bestimmte Öffnungen - so auch die Außengastronomie unter festgelegten Auflagen - zulassen, wenn die 7-Tage-Inzidenz* von 100 mindestens 14 Tage in Folge nicht überschritten wird.

Allerdings erst ab dem 22. März 2021 und bei einer stabilen oder rückläufigen Entwicklung des Infektionsgeschehens. Und nur nach Maßgabe von Rahmenkonzepten, die im Einvernehmen mit dem Gesundheitsministerium bekannt gemacht werden. Und nur, wenn darin Schutz- und Hygienemaßnahmen festgelegt sind.

Anders ausgedrückt: Bis das alles nicht erfüllt ist, ändert sich erstmal gar nichts. Und an dieser unveränderten Lage dürfte sich angesichts steigender Infektionszahlen so schnell auch nichts ändern - das Corona-Chaos geht also weiter. Auch München hat die Lockerungen mittlerweile gestrichen. Bis vor wenigen Stunden war noch folgende Option im Raum gestanden:

  • Öffnung der Außengastronomie für Besucher mit vorheriger Terminbuchung
  • Mit Dokumentation für die Kontaktnachverfolgung
  • Tagesaktueller Schnell- oder Selbsttest bei Gästen aus verschiedenen Haushalten an einem Tisch nötig

Darauf setzten bis zuletzt viele Gastronomen - so auch Thomas Zufall, Inhaber der Kult-Bar „München72“, der schon in den vergangenen Monaten unzufrieden mit der Corona-Politik war. Auf Facebook zeigte er sich jüngst sehr optimistisch, veröffentlichte einen Post mit montierten Heizstrahlern und der frohen Botschaft: „Stand heute, 17. März, 8.45 Uhr, haben wir ab kommenden Montag den Außenbereich geöffnet.“

Darunter schreibt der Barbesitzer sichtlich sarkastisch: „Ein Haushalt ohne Test, mehre Haushalte mit Zertifikat vom Aeroport Palma de Mallorca. Vom Bierkönig direkt in Dein München72.“ Auf tz.de-Nachfrage erklärt Zufall: „Ich finde es in Ordnung, das Leute nach Mallorca fliegen und Urlaub machen - wir haben ja schließlich kein Reiseverbot. Aber ich finde es gaga, dass diese Menschen mit einem Test problemlos in den Flieger steigen dürfen, während die Leute hier mit einem negativen Test nicht zum Essen gehen dürfen.“

Münchner Barbesitzer: „Lockdown-Politik ideenlos“ - Vorbereitungen umsonst getroffen

Er fragt sich: „Wo ist denn der Unterschied zwischen dem Innenraum eines Flugzeugs und dem des München72? Warum dürfen die Gäste mit negativem Test nicht reinkommen?“ Dass er am kommenden Montag trotz guter Hoffnung und seiner Vorbereitungen nicht einmal den Außenbereich aufsperren darf, ärgert den Barbesitzer umso mehr. Für ihn seien die aktuellen Regeln nicht mehr plausibel - „auch wenn ich kein Corona-Leugner bin und grundsätzlich jedes Menschenleben retten möchte“.

Zufall betont: „Ich finde die Politik ideenlos - das Format eines Lockdowns* ist auf Dauer nicht haltbar und könnte längst durch kluge Teststrategien abgelöst werden.“ Bis dahin muss der Barbesitzer seine Heizstrahler wohl oder übel wieder einpacken. (nap) *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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