Disput um Bus-Offensive

ADAC: Kein Platz für weitere Busspuren in München

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Autos stocken im Verkehr, während die Busspur leer ist.

Der ADAC kritisiert die Bus-Offensive der Stadt. Wie berichtet, hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) eine Priorisierungsliste mit 51 neuen Beschleunigungsspuren vorgelegt. Dafür fehle der Platz, argwöhnt der ADAC.

München - Die MVG sieht die Initiative als Beitrag zur Luftreinhaltung. Die Stadt steht in dieser Hinsicht unter Druck und will mehr Menschen zum Umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bewegen.

Die ADAC-Verkehrsexperten befürchten unterdessen Entscheidungen zu Lasten des Individualverkehrs und der Autofahrer, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Es mangelt ohnehin schon an Straßenraum – sowohl für den fließenden als auch für den ruhenden Verkehr“, so der ADAC. Weitere Busspuren würden diesen zusätzlich verknappen. „Eine Busspur, die nur alle fünf bis zehn Minuten benutzt wird, bedeutet im Berufsverkehr für viele Autofahrer ein großes Ärgernis und eine wenig nachvollziehbare Behinderung“, kritisiert der ADAC Südbayern. Sofern man Pendler zum Umstieg bewegen möchte, sollte man für diese auch die Möglichkeiten schaffen. So seien die P+R-Anlagen an den MVV-Außenästen überlastet, meint der Automobilclub.

Der ADAC räumt zwar ein, dass die Priorisierung öffentlicher Verkehrsmittel seine Berechtigung habe. Es gelte jedoch in allen einzelnen Fällen genau abzuwägen, ob es Sinn mache, für Expressbus-Projekte den Pkw-Verkehr auszubremsen. Nach Einschätzung des ADAC sind zum Beispiel die Fahrgastzahlen der Expressbuslinie X30 hinter den Erwartungen zurückgeblieben. MVG-Sprecher Matthias Korte dementiert: „Die Zahlen sind kontinuierlich gestiegen.“ Der X30 sei ein Erfolgsbeispiel.

MVG-Sprecher: „Unser Ziel ist ein noch attraktiverer ÖPNV“

Dass Verkehrsflächen nur begrenzt zur Verfügung stehen, kann nach Dafürhalten der MVG kein Grund sein, „auf dem Status quo zu verharren“. Korte: „Wir machen daher aktiv Vorschläge. Unser Ziel ist ein noch attraktiverer ÖPNV, den auch Autofahrer für sich entdecken und zunehmend nutzen. Das hilft der Umwelt am meisten.“ Eine weitere Kritik des ADAC: Die Umsetzung der MVG-Wunschliste für Busspuren würde die Grünen Wellen für den Autoverkehr ad absurdum führen. Stimmt nicht, entgegnet Korte: „Verkehrsabhängige Ampeltechnik berücksichtigt die Interessen aller Verkehrsteilnehmer.“

Der ADAC bewertet es im Übrigen als Versäumnis, dass die Stadtwerke, unter deren Dach die MVG angesiedelt ist, seine Busflotte nicht schon vor zehn Jahren auf schadstoffarme Erdgasantriebe umgestellt habe. Laut Korte hat das seinen Grund: „Erdgasbusse sind wie Hybridbusse eine Übergangstechnologie, die sich nicht durchgesetzt hat.“ Es sei Ziel der MVG, die komplette Busflotte Schritt für Schritt zu elektrifizieren.

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