Anwohner fällt vom Glauben ab

Wieder Party-Ärger im Münchner Uni-Viertel: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Zwischen Universität und Türkenstraße geht‘s jedes Wochenende ab. Für die Anwohner ist‘s alles andere als lustig. Nicht nur der Radau ärgert sie, auch die Hinterlassenschaften der Party-People.

München - Alexander Seidel kennt das Univiertel in- und auswendig: Seit 40 Jahren wohnt er hier, seit 26 Jahren arbeitet er in der Gastro, zuletzt im „Alten Simpl“. Er hat viel mitgemacht. Doch was sich derzeit jedes Wochenende in München* zwischen Universität und Türkenstraße abspielt, sprengt für ihn alle Grenzen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 71-Jährige.

Gute Laune herrschte am Samstag bei den Jugendlichen, die ihre Getränke an der Türkenstraße ordnungsgemäß aus Plastikbechern tranken.

Er mag Partys, war regelmäßig bei der „Love Parade“ in Berlin oder bei Raves in Zürich. „Ich verstehe, dass die Jugend feiern will“, sagt er. Und muss angesichts der Eskalationen doch den Kopf schütteln. Auch an diesem Wochenende ging es rund um die Türkenstraße hoch her. Allein in der Nacht zum Sonntag wurde die Polizei 284 Mal wegen Ruhestörungen gerufen.

Gute Laune beim Feiern funktioniert auch mit Drinks aus Plastikbechern.

350 Beamte waren an diesem Abend seit der Dämmerung im Einsatz. Zum einen, um das neue Verbot von Glasflaschen und Gläsern in der Türkenstraße durchzusetzen. Zum anderen, um den Bereich zeitweise abzusperren. „Gegen 22 Uhr wurde es dort richtig voll“, sagt ein Sprecher des Präsidiums. Hunderte Menschen pendelten auch zwischen den Plätzen vor der Uni und dem Siegestor.

Anwohner Alexander Seidel hat ein Stück weit für die Partys Verständnis, nicht aber fürs Fehlverhalten.

Anzeigen wurden ausgesprochen, immer wieder spitzte sich die Situation zu: Mal kam es zu Schlägereien, mal wurde ein Glascontainer umgeworfen, mal schütteten entnervte Anwohner Wasserkübel aus. In der Nacht zum Freitag kam die Polizei mit Kommunikation nicht weiter: Zwei Mal mussten Bereiche mit 500 feiernden Personen geräumt werden, es kam zu vier Festnahmen. Trotz allem hat Seidel das Gefühl, dass es schon Wochenenden mit mehr Eskalation gab. Das Schlimmste für ihn: Die Hinterlassenschaften der Feiernden, die jeden Haus-Eingang und jeden Blumenkübel zum Urinieren nutzen. (NADJA HOFFMANN) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © SIGI JANTZ

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