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Münchner Ärzte setzen im Corona-Kampf jetzt auf Trump-Mittel - sogar ambulant möglich

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Von: Tanja Kipke

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Coronavirus - Intensivstation in Klinik
Eine neue Antikörpertherapie könnte künftig schwere Corona-Verläufe verhindern. (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

Münchner Ärzte verwenden verstärkt neutralisierende Antikörpern gegen Corona. Die neue Therapie soll vor allem das Gesundheitssystem entlasten.

München - „Die neue Therapie verhindert schwere Verläufe bis zu mehr als 80 Prozent“, erklärt Dr. Jochen Schneider, der am Universitätsklinikum die neue Covid-19-Ambulanz für monoklonale Antikörper-Therapie leitet. Bereits seit einigen Monaten setzt man neutralisierende Antikörper erfolgreich bei Patienten am Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) ein. Auch Ex-US-Präsident Donald Trump bekam bei seiner Infektion diese Behandlung.

Mit der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am 12. November könne diese Therapie, die in einem frühen Krankheitsstadium beginnen muss, nun breit eingesetzt werden, teilte das Klinikum am Montag mit. Man erhoffe sich dadurch eine Entlastung des Gesundheitssystems.

Münchner Ärzte setzen auf Trump-Mittel gegen Corona: Therapie kann sogar vorbeugend erfolgen

„Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen oder mit einer Immunschwäche können von der Antikörper-Therapie besonders profitieren, da sie oft nicht auf eine aktive Impfung ausreichend ansprechen“, heißt es in der Mitteilung der TUM. Sie sei letztlich eine „passive Impfung“, weil man im Labor hergestellte Antikörper von außen spritzt. Man könne die Therapie laut den Medizinern sogar vorbeugend anwenden oder unmittelbar nach Kontakt mit dem Coronavirus.

Dafür geben sie ein konkretes Beispiel: „Eine Risikopatientin oder ein Risikopatient lebt im gleichen Haushalt wie jemand, der gerade sein positives Testergebnis bekommen hat“. Für eine vorbeugende Anwendung müssen jedoch noch gesetzliche Rahmenbedingungen geklärt werden.

Corona-Patienten vertragen Behandlung „sehr gut“

Bisher seien bereits über 250 Patienten und Patientinnen damit behandelt worden, sagt Christoph Spinner, Pandemie-Beauftragter der Klinik. Die Erfahrungen zur neuen Antikörper-Therapie teile man gern mit Kollegen aus anderen Krankenhäusern, „um gemeinsam erfolgreich die Pandemie zu bekämpfen“. Noch müssen Patienten für die Therapie an den Tropf. Inzwischen sei dies aber auch als Kurzinfusion möglich, sagte Spinner.

„Die Patienten und Patientinnen vertragen die einmalig zu verabreichende Therapie sehr gut“, wird der Schneider in der Mitteilung zitiert. „Relevante Nebenwirkungen sind äußerst selten.“ Die Antikörper wirken antiviral. Bedeutet, sie verhindern, dass die Viren in menschliche Zellen eindringen und stoppen somit die Virusvermehrung. Die Antikörper inaktivieren das Virus und setzen es „de facto Schachmatt“. (tkip mit dpa)

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