1. tz
  2. München
  3. Stadt

Teurere Lebensmittel: Damit müssen Verbraucher rechnen - das sagen die Münchner

Erstellt:

Von: Claudia Schuri

Kommentare

Lebensmittel werden auch durch die Folgen des Ukraine-Kriegs immer teurer. Wie sehr steigen die Preise noch? Und wie reagieren die Münchner?

München - Der Schock kommt an der Kasse: Die Preise für Lebensmittel schießen weiter in die Höhe. Gestern schlug bei vielen Kunden der Inflationshammer zu: Aldi macht eine ganze Reihe von Produkten teurer – und zwar deutlich. Dabei geht’s vor allem um Fleisch, nachdem vor wenigen Tagen schon hunderte anderer Artikel im Preis gestiegen waren. Auch in anderen Läden müssen die Münchner immer tiefer in die Tasche greifen.

„Experten erwarten eine Preissteigerung im zweistelligen Bereich“, bestätigt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. „Das liegt vor allem an den steigenden Einkaufspreisen.“ Immerhin: „Die Lebensmittelversorgung ist gesichert“, betont er. Hohe Energiekosten, der Ukraine-Konflikt, Personalausfall wegen Corona – all das habe Auswirkungen.

Drastische Preiserhöhungen: In vielen Märkten werden Lebensmittel derzeit teurer (Symbolbild).
Drastische Preiserhöhungen: In vielen Märkten werden Lebensmittel derzeit teurer (Symbolbild). © FrankHoermann/Imago

Wie hoch die Preise noch steigen werden, sei nicht absehbar

Wie hoch die Preise noch steigen werden, sei nicht absehbar, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale. „Aber wir gehen davon aus, dass alles wesentlich teurer wird.“ Einige Beispiele: Tiefkühl-Fisch stamme oft aus Russland und werde in Asien weiterverarbeitet – hier könnte es schwierig werden. „Weizen aus Russland wird bei uns meist nicht für unsere Ernährung genutzt, sondern für die Tierproduktion“, ergänzt sie: „Die Geflügel- und Schweinemast kann teurer werden.“ Genauso wie der Gemüse-Anbau: „Dünger kommt oft aus Russland.“

Derweil betonen die Supermärkte, dass die Erhöhungen nicht leichtfertig erfolgten. „Nur wenn es nicht mehr möglich ist, die gestiegenen Kosten abzufedern, müssen wir Preisanpassungen vornehmen“, sagt eine Sprecherin von Aldi. Zuvor werde geprüft, ob Mehrkosten anderweitig – zum Beispiel durch eine Reduktion der Marge – aufgefangen werden könnten. Auch Rewe sagt, die steigenden Kosten führten „zwangsläufig dazu, dass wir bei einzelnen Warengruppen und Artikeln die Verkaufspreise erhöhen müssen. Wir werden allerdings strikt darauf achten, dass nur dort Preisanpassungen an die Kunden weitergegeben werden, wo es tatsächlich einen hohen Kostendruck gibt“, so ein Sprecher.

Edeka „in harten Verhandlungen mit der Markenartikelindustrie“

Lidl macht keine Angaben zum Thema, betont aber, man bemühe sich, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Edeka wiederum berichtet, „in harten Verhandlungen mit der Markenartikelindustrie“ zu sein. „Aus unseren Gesprächen wissen wir, dass viele Preiserhöhungsforderungen nur teilweise auf echten Kostensteigerungen beruhen“, so ein Sprecher. „Wir werden jede Forderung sehr genau prüfen.“ Steigende Preise ließen sich aber nicht immer vermeiden. Eine Möglichkeit könne der Ausweis bisher nicht genutzter Anbauflächen in der EU sein, damit zumindest zum Teil die Situation zur anstehenden Ernte entspannter wird.

Die Verbraucherzentrale fordert jetzt Reaktionen der Politik. „Für untere Einkommensschichten ist die Entwicklung ein Problem“, berichtet Daniela Krehl. Ihr Vorschlag: „Man könnte den Hartz-IV-Satz erhöhen und die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse streichen.“ cla

Das sagen die Münchner zu den aktuellen Preisen

„Achte auf die Preise“

Obst, Margarine, Milch, Mehl – alles ist deutlich teurer geworden. Ich achte schon auf die Preise und schaue, wo ich sparen kann. Kleidung zum Beispiel ist mir nicht so wichtig. Da sollte man generell mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen, finde ich. Bei den Lebensmitteln habe ich immer einen gewissen Vorrat zu Hause. Ich hoffe auf jeden Fall, dass sich die Preise irgendwann wieder bessern. - Monika Rott (72), Rentnerin

„31 Euro für den kleinen Einkauf“

Ich lebe allein und kaufe ein bis zwei Mal pro Woche im Aldi ein. In der letzten Woche wurde alles im Schnitt um ein Drittel des Normalpreises teurer, besonders nehme ich das bei Fleisch und frischem Obst und Gemüse wahr. Neben Karotten habe ich Backwaren und Ostereier besorgt, für den Einkauf habe ich 31 Euro gezahlt. Enorm! Leider gibt’s keine günstigere Alternative. Anneliese Neugebauer (65), Bankkauffrau

„Rama kostet fast doppelt so viel“

Ich kaufe hier regelmäßig ein, aber einen Discounter kann man das bald nicht mehr nennen! Viel war vor lauter Hamsterkäufen bereits ausverkauft, etwa Öl. Deshalb habe ich heute hauptsächlich Fisch gekauft, der bestimmt einen Euro teurer wurde. Generell wurden die Preise um etwa 20 bis 30 Prozent angehoben, beispielsweise kostet ein Stück Rama jetzt fast doppelt so viel. Sebastian Müller (83), Rentner

Auch interessant

Kommentare

Mehr zum Thema