Noch sind die Läden geöffnet

Starkoch Schuhbeck insolvent: Leises Servus am Platzl - Unternehmen massiv von Corona betroffen

Die Ankündigung, dass Starkoch Alfons Schuhbeck Insolvenz anmelden musste, sorgte für Unruhe in der Münchner Gastroszene. Seine Mitarbeiter am Platzl bangen um ihre Jobs.

München - Reisegruppen vorm Hofbräuhaus, flanierende Münchner* und jede Menge Touristen: Am Platzl herrscht Gewusel. Auch im „Orlando“, einem der Restaurants von Alfons Schuhbeck. Kellner in schwarzen Schürzen kümmern sich um Gäste. Hier hat sich Schuhbeck ein kleines Imperium aufgebaut: Das „Orlando“, die „Südtiroler Stuben“, ein Eissalon, ein Tee- und ein Gewürzgeschäft gehören dem Koch – der sich so den Spitznamen „Platzlhirsch“ erarbeitet hat.

Alfons Schubeck insolvent: Gastronomie-Betriebe und Partyservice betroffen

Am Sonntag war bekannt geworden, dass Alfons Schuhbeck Insolvenz anmeldet. Die betrifft alle seine Gastronomie-Betriebe sowie Schuhbeck’s Partyservice GmbH & Co. KG. Schuhbeck äußerte sich in einer Mitteilung: „Nachdem die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind, muss ich für meine Betriebe Insolvenz anmelden.“

Ein IHK-Sprecher gab an, dass der Fall Schuhbeck geprüft werde. Es handele sich um einen sehr komplexen Fall, was auch mit der Unternehmensstruktur des Schuhbeck-Imperiums zusammenhänge. Klar sei aber: Schuhbeck habe durchaus Abschlagszahlungen in Sachen Corona-Hilfen erhalten.

München/Corona-Hilfen: Schuhbecks Unternehmen waren nur mit kleineren Teilbereichen antragsberechtigt

Sascha König, der Anwalt des Starkochs sagte auf Nachfrage: „Die Richtlinien für die Corona*-Wirtschaftshilfen sehen vor, dass Unternehmensgruppen nur gemeinsam antragsberechtigt sind. Die Unternehmensgruppe von Herrn Schuhbeck hatte und hat daher das Problem, dass sie trotz massiver Betroffenheit vom Lockdown zunächst überhaupt nicht, später nur mit kleineren Teilbereichen der Unternehmensgruppe antragsberechtigt war.“ So sei der wirtschaftliche Schaden deutlich höher gewesen als die in Aussicht gestellten Wirtschaftshilfen.

Ein Kellner in einem seiner Gastronomiebetriebe erzählt: Am Sonntag hätte die Belegschaft von der Insolvenz erfahren. In den kommenden drei Monaten werde der Betrieb normal weitergehen, aber was dann kommt, weiß keiner der Angestellten.

Die Rechtsanwaltskanzlei von Max Liebig hat die Insolvenzverwaltung für Alfons Schuhbeck übernommen. Ein Sprecher sagte, dass es für eine Stellungnahme zum Verfahren „schlicht zu früh“ sei. „Dr. Liebig verschafft sich gerade einen Überblick über die Aktenlage“, heißt es. Dass die Läden und die Gastronomiebetriebe am Platzl geöffnet bleiben, habe derzeit Prioriät.

Nach Lockdown: Lage der Wirte immer noch dramatisch - Anwalt trotzdem optimistisch

Frank-Ulrich John, Sprecher der Bayerischen Dehoga, kann sich die Insolvenz erklären: Die Lage der Wirte sei immer noch dramatisch. „Wir sind lange nicht über den Berg, auch wenn an vielen Stellen wieder geöffnet werden kann.“ Gastronomen hätten aufgrund der Hygienebestimmungen mit hohen Kosten zu kämpfen, Kredite säßen ihnen im Nacken – gleichzeitig dürften sie noch immer nicht im vollen Umfang öffnen. „Nach einer aktuellen Umfrage denken 23,1 Prozent der Hoteliers und Wirte darüber nach, Insolvenz anzumelden“, sagt John.

Wie es für das Schuhbeck-Imperium konkret weitergehen wird, steht noch nicht fest. Schuhbecks Anwalt König ist optimistisch: „Wir gehen derzeit davon aus, dass die Gastronomie-Betriebe weitergeführt werden.“ - LEONI BILLINA UND STEPHANIE EBNER Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. Unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert. (*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © Heinz Weißfuß

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