UEFA will volle Ränge in Allianz Arena

Keine EM-Spiele in München? UEFA-Präsident verschiebt Entscheidung erneut - „Müssen ein paar Dinge regeln“

Zwei Menschen gehen auf die Allianz Arena zu. Diese ist mit der deutschen und der Europa-Flagge beleuchtet.
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Die Europameisterschaft sollte auch in der Münchner Allianz Arena ausgetragen werden. Nun droht der bayerischen Landeshauptstadt das Aus.

Das UEFA-Komitee gibt München bis Ende der Woche Aufschub, um sich wegen möglicher EM-Zuschauer in der Allianz Arena zu beraten.

Update vom 19. April, 17.57 Uhr: Nach dem langen Hin und Her in der Frage, ob in München in diesem Sommer wie geplant vier EM-Spiele in der Allianz Arena stattfinden werden, scheint es nun zumindest eine Frist zu geben, bis wann die Entscheidung getroffen wird. Am Freitag, 23. April, soll unter anderem Bundestrainer Joachim Löw dann erfahren, ob er zum Abschluss seienr Trainertätigkeit noch einmal mit seiner Mannschaft in Deutschland spielen darf, wie die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Montag mitteilte. München gilt als Wackelkandidat unter den 12 europäischen Ausrichtungsorten der Fußball Europameisterschaft, die aufgrund der Corona-Pandemie bereits um ein Jahr verschoben wurde. Grund ist die Weigerung der Stadt, eine Zusicherung zur Erlaubnis von Publikum bei den Spielen zu geben. Dies wolle man von der dann vorherrschenden Pandemie-Situation abhängig machen, so die Verantwortlichen. Die UEFA hatte zuvor eine Zusicherung aller Austragungsorte gefordert, Publikum bei den Spielen zuzulassen.

EM-Spiele in der Allianz Arena? Entscheidung bis Freitag vertagt - UEFA unzufrieden mit München-Konzept

„Ich bedauere sehr, dass auch heute keine Entscheidung für den Spielort München getroffen wurde“, sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einer Mitteilung zufolge. „München hat sich für die UEFA stets als zuverlässiger Partner erwiesen. Wir hoffen und glauben aufgrund unserer bisherigen Arbeit und des fundierten Konzepts, das unser Projektteam zusammen mit dem DFB und verschiedenen städtischen und staatlichen Partnern erarbeitet hat, noch immer an eine positive Entscheidung für München.“

Im Vorfeld hatte die Stadt bereits drei mögliche Szenarien vorgestellt. Ein „Lead-Szenario“ mit 14.500 Zuschauern (21,6 Prozent der
Gesamtkapazität), ein „Upscale-Szenario“mit rund 27.000 Zuschauern (40,2 Prozent) und das „Backup-Szenario“, bei dem zwischen 0 und 7000 Personen (ca. 10 Prozent) zugelassen sein sollen. Das „Upscale-Szenario“ wurde von der Stadt allerdings bereits im Vorfeld als sehr unrealistisch bewertet, da es einen langen Planungsvorlauf und eine positive Entwicklung der Pandemie voraussetze, die aktuell nicht gegeben ist.

Nun droht dem Deutschen Fußball-Bund und München dder EM-Entzug für die Allianz Arena und die Verlegung der drei deutschen Heimspiele gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie des Viertelfinals möglicherweise nach London. „Wir verschieben unsere endgültige Entscheidung bis Freitag. Wir müssen ein paar Dinge regeln“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin am Montag während eines Pressegesprächs.

Ringen um die EM-Spiele in München: Auch Politik bekräftigt Zurückhaltung bei Zuschauer-Zusagen

In München ist nun erneut die Politik gefragt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich zuletzt nicht mehr
geäußert - und ist mit der Kanzlerfrage innerhalb der Union beschäftigt. Das Bundesinnenministerium und die Bayerische Staatskanzlei hatten Ende der vergangenen Woche in Schreiben an den DFB bekräftigt, dass es für die EM-Spiele vor Zuschauern keine Zusagen für diesen Sommer geben werde.

Update vom 19. April 14.17 Uhr: Das UEFA-Komitee hat laut dpa die Entscheidung über München als Gastgeber der diesjährigen EM vertagt. Bis zum Ende der Woche soll die Stadt über die Möglichkeit Zuschauer zuzulassen nochmals beraten. Diese Frist gilt ebenso für die Städte Bilbao und Dublin, bei welchen ebenfalls noch Unsicherheit besteht.

München und zwei weitere Städte Wackelkandidaten: Gibt es bei der EM 2020 kein Spiel in der Allianz Arena?

Ursprünglicher Artikel vom 19. April, 11.15 Uhr: Montreux - Das UEFA-Komitee entscheidet heute in Montreux in der Schweiz über die diesjährigen EM-Gastgeber. München ist dabei, zusammen mit Bilbao und Dublin, ein Wackelkandidat. Grund dafür ist laut dpa, dass Bayerns Landeshauptstadt bisher nicht versprechen konnte, dass die vier Spiele live vor Zuschauern ausgetragen werden - unabhängig von der Corona-Pandemie.

Die drei Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft sowie das Viertelfinale müssen laut UEFA-Präsident Aleksander Ceferin vor Zuschauern ausgetragen werden - sonst sei die Voraussetzung für München als Mitveranstalter nicht gegeben. Eine Auslastung von mindestens 20 Prozent der Stadionkapazität sei dafür nötig. Bisher haben bereits neun Länder unter diesen Auflagen zugesagt. In unter anderem den Städten Amsterdam, London, Rom und Sankt Petersburg ist also mit Spielen vor Zuschauern zu rechnen. In Budapest sogar bei vollen Zuschauerrängen.

Keine Garantie für Zuschauer vor Ort möglich: Deutschland könnte dieses Jahr leer ausgehen

Das Bundesinnenministerium und die Bayerische Staatskanzlei hatten Ende vergangener Woche verkündet, dass solch eine Garantie nicht möglich sei. Dies bestätigte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter: Grundsätzlich wolle München bei der EM 2021 schon vor Zuschauern spielen. Jedoch bleibe abzuwarten, wie sich zum Sommer hin die Zahlen im Hinblick auf die Coronavirus-Lage entwickeln. Ob dem Gremium diese lose Bekundung genügt bleibt abzuwarten.

Für die Austragung setzt sich der DFB-Vizepräsident für Amateurfußball und Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände Roland Koch ein. Er ist Teil des Verhandlungskomitees. Er erklärte in der BR-Sendung Heute im Stadion: „Klar ist auch, die UEFA hat überhaupt nichts gegen München und möchte den Spielort erhalten. Aber wir dürfen in München auch nicht sagen: ‚Mia san Mia und deswegen haben wir unseren Standpunkt‘“.

Karl Lauterbach spricht von „Erpressung“ durch UEFA

Sollte es die Allianz Arena, das Stadion des FC Bayerns, nicht schaffen EM-Austragungsort zu werden, so werden die vier Spiele auf Stadien in anderen Ländern aufgeteilt. Sankt Petersburg, London und Budapest haben sich bereits selbst ins Gespräch gebracht. Deutschland ginge dann bei der diesjährigen EM leer aus. Das stößt nicht überall auf Verständnis. So gab der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach laut der Frankfurter Allgemeinen bekannt: „Die UEFA macht es zur Bedingung, dass an den jeweiligen Spielorten Zuschauer zugelassen werden, das ist aus meiner Sicht eine Form der Erpressung“.

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