Keine Einigkeit unter den Parteien

Zoff um Altstadtring: Müssen Autospuren für Radlring weichen?  

Derzeit noch Baustelle: Nach Fertigstellung der Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring soll der Verkehr in Richtung Isartor nur noch auf zwei Fahrspuren, in Richtung Maximilianstraße gar nur einspurig fließen.
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Derzeit noch Baustelle: Nach Fertigstellung der Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring soll der Verkehr in Richtung Isartor nur noch auf zwei Fahrspuren, in Richtung Maximilianstraße gar nur einspurig fließen.

Wie viele Fahrspuren wird es nach Fertigstellung der Tiefgarage künftig am Thomas-Wimmer-Ring geben? Diese Entscheidung hat der Stadtrat auf kommende Woche vertagt. Die Verwaltung schlägt eine Reduzierung von fünf auf drei Autospuren vor. CSU und SPD sind skeptisch.

  • Zugunsten eines Radlrings soll die Zahl der Fahrspuren des Altstadtrings verringert werden.
  • Um die exakten Baumaßnahmen wird gerungen - CSU und Bayernpartei stellen sich gegen die Reduzierung.
  • Zwei Parteien sind noch unentschlossen.

München - Der Grundsatzbeschluss wurde von der Mehrheit des Stadtrats noch vor Weihnachten gefasst: München soll einen Altstadt-Radlring bekommen. Es ist die Konsequenz eines Bürgerbegehrens, dessen Ziele sich der Stadtrat zu eigen gemacht hat. Der Startschuss für den Radlring fällt im Sommer 2020 in der Blumenstraße im Abschnitt zwischen Sendlinger-Tor-Platz und der Papa-Schmid-Straße nahe der Hauptfeuerwache. Auch dies wurde im Dezember beschlossen. Geplant sind am gesamten Altstadtring 2,30 bis 2,80 Meter breite Radwege, die sukzessive realisiert werden sollen.

Doch schon der zweite zur Debatte stehende Abschnitt steht auf der Kippe. Beim Thomas-Wimmer-Ring (zwischen Isartor und Maximilianstraße) empfiehlt die Verwaltung, auf beiden Seiten jeweils eine Fahrspur zu streichen. Und zwar nach Fertigstellung der 520 Stellplätze fassenden Tiefgarage unter dem Ring, die noch für heuer avisiert ist.

Auch interessant: Ein Radlfahrer dokumentierte kürzlich eine kurze Tour durch Münchens Innenstadt. Was er bei seinem bitteren Streifzug erleben musste, verärgert viele Radfahrer.

Fahrspuren des Altstadtrings: Weniger Verkehr über Ludwigsbrücke

Dann soll es in Richtung Isartor zwei statt bislang drei Autospuren geben, in Richtung Maximilianstraße eine statt zwei. Das Planungsreferat glaubt, dass dies ausreichen wird - auch weil nach Einschätzung der Behörde aufgrund der künftig einspurig verlaufenden Ludwigsbrücke weniger Verkehr am Isartor ankommen wird. Auf der Westseite des Thomas-Wimmer-Rings wiederum sollen keine Touristenbusse mehr parken dürfen. Allenfalls eine kurze Anhaltszone sei denkbar.

Eine Umsetzung wäre wohl frühestens 2021 möglich. Ob es dazu kommt, ist allerdings unklar. CSU und Bayernpartei haben sich am Mittwoch klar gegen die Reduzierung der Fahrspuren positioniert. CSU-Stadtrat Hans Podiuk sagte: „Man steht ja heute auf der Ostseite schon bei zwei Fahrspuren im Stau. Eine Spur ist nicht machbar.“

Fahrspuren des Altstadtrings: CSU warnt vor Kosten durch Umgestaltung

Zudem würden auf die Stadt bei einer derartigen Umgestaltung zusätzliche Kosten zukommen. Grund: Mit dem Investor für den Bau der Tiefgarage wurde vereinbart, dass nach Ende der Baumaßnahme auf der Oberfläche fünf Fahrspuren wiederhergestellt werden. Die Kosten für eine andere Planung müsste die Stadt selbst tragen. Richard Progl (Bayernpartei) merkte an, eine Reduzierung der Fahrspuren würde auch die Rettungswege für Einsatzfahrzeuge behindern.

Noch unentschlossen sind SPD und FDP. Der planungspolitische Sprecher der SPD, Jens Röver, sagte, die Verwaltung solle prüfen, ob in Richtung Maximilianstraße zumindest eine etwas schmalere, zweite Autospur möglich wäre. Ansonsten sehe er die Gefahr einer Staufalle.

Fahrspuren des Altstadtrings: Grüne wollen schnelles Ende der Baustelle

Grüne und ÖDP unterstützen hingegen den Vorschlag der Verwaltung. Paul Bickelbacher (Grüne) sprach von einem guten Schritt im Sinne des Bürgerbegehrens. Wichtig sei nun, dass die Baustelle schnell zu einem Ende komme. „Die Belastung für die Anwohner war lange genug.“ Johann Sauerer (ÖDP) sagte, der Vorschlag der Verwaltung schaffe mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. „Und das wollten wir doch.“ Sauerer betonte: „Die Umverteilung der Räume wird der Schlüssel sein bei der Verkehrswende in unserer Stadt.“

Die Entscheidung über die Anzahl der Fahrspuren am Thomas-Wimmer-Ring soll nun kommenden Mittwoch von der Vollversammlung des Stadtrats getroffen werden.

Auch Handel und Handwerk hadern mit dem Radlring in der Altstadt. In der Innenstadt sollen mehr Grüne Wellen für neuen Komfort bei Radlern und Fußgängern sorgen. Die Großoffensive soll München in die neue Radl-Hauptstadt verwandeln.

Klaus Vick

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