Wollte Autos kapern

Mann plante Amoklauf in München: Zeugen sehen ihn vor Gericht wieder - „Wir hatten Todesangst“

Versuchter Amoklauf in München: Die Zeuginnen Georgina (72) und Dorothea (50)
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Versuchter Amoklauf in München: Georgina (72) und Dorothea (50) leisteten Widerstand.

Mit einem Küchenmesser wollte ein 36-Jähriger in München Autos kapern und „möglichst viele Christen töten“. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht. Offenbar leidet er an einer psychischen Krankheit.

Er wirkt etwas verwirrt, fast ängstlich. Über Stunden hinweg schaut Ali Reza K. (36) einfach nur geradeaus. Im braunen Wollpullover und kurz geschorenen Haaren sitzt der Angeklagte im Saal A101 des Münchner Landgerichts, einst wurde hier über Jahre hinweg der NSU-Prozess verhandelt. Es ist der größte Verhandlungssaal. Schon die Szenerie macht klar: Diesen Prozess nimmt die Justiz sehr ernst.

Denn viele Menschen hätten am 10. Mai 2020 sterben können, wenn Ali K. seinen mutmaßlichen Plan in die Tat umgesetzt hätte. Laut Staatsanwaltschaft wollte er in Laim ein Auto kapern, um damit ein Attentat in der Innenstadt zu verüben. Zwischen Marienplatz und Stachus wollte er möglichst viele „Christen töten“, so die Anklage, indem er in eine Menschenmenge rast.

Versuchter Amoklauf in München: Messer-Attacke an einer Kreuzung in Laim

Das Auto als Waffe: Nach diesem Prinzip hatte im Dezember 2016 auch der Berliner Attentäter Anis Amri gehandelt, als er mit einem gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz fuhr und dort elf Menschen tötete. Der Münchner Fall weist nun zumindest Parallelen dazu auf.

Laut Anklage hatte Ali K. zunächst mehrere Menschen in Laim attackiert. An einer Kreuzung zwischen Zschokke- und Lautensackstraße hatte K. sich gegen 20.40 Uhr abends hinter Bäumen versteckt. Dann zückte er ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser und griff den ersten Autofahrer an, der an der Ampel stand. „Er hat versucht, meine Tür aufzureißen“, sagt Leopold P. (81). „Als ich das verhindern konnte, hat er mit seinem Messer in meine Scheibe gehackt und wurde immer hektischer. Ich drückte sofort aufs Gas, um da wegzukommen.“ 

Versuchter Amoklauf in München: Autofahrer mit Küchenmesser attackiert „Wir hatten Todesangst“

Das gelang. Doch Ali K. machte weiter. Er griff den Audi von Matthias F. an, drohte mit dem Messer und einem Hammer. „Es war beängstigend. In dem Moment funktioniert man nur noch. Der Schock kam erst hinterher“, sagte der junge Mann vor Gericht. Matthias F. war es auch gewesen, der sofort Hilfe suchte und auch fand. Zwei zivile Polizeibeamte, die eigentlich einen ganz anderen Einsatz hatten, sprachen ihn an, weil sein Auto quer stand – im Schock war F. vor dem Messermann geflüchtet, der inzwischen schon sein nächstes Opfer attackierte.

Als sie die Klinge auf ihre Scheibe zukommen sah, reagierte Dorothea T. (50) instinktiv: „Ich verriegelte sofort von innen meine Fahrertür.“ Womöglich hat ihr das das Leben gerettet. Mutter Georgina (72) saß damals auf dem Beifahrersitz. „Wir hatten Todesangst“, erinnert sich die Seniorin.

Versuchter Amoklauf in München: Angeklagter bezeichnet sich als IS-Mitglied

Versuchter Amoklauf in München: Vor Gericht gestand der Angeklagte die Tat

Noch vor Ort konnten die Beamten den Messermann überwältigen. Seine Attentatspläne konnten er nicht umsetzen. Gegenüber der Polizei hatte Ali K. gesagt, er gehöre zur Terrormiliz Islamischer Staat. Damit wurde der Fall schnell ernst.

Doch an den Tatplänen bleiben Zweifel. Über seine Strafverteidigerin Ruth Beer räumte Ali K. die Attacken auf die Autofahrer zwar ein. Wegen einer Schizophrenie gilt er jedoch als schuldunfähig. Beer stellte zudem klar: „Mein Mandant hat keinen islamistischen Hintergrund. “Zudem hörten Zeugen zwar arabisch lautende Rufe bei den Angriffen. Konkrete Sätze mit Terrorbezug, etwa „Allahu Akbar“ (zu Deutsch: Gott ist groß), wollte aber niemand bestätigen.

K. sitzt seit dem Vorfall in der Psychiatrie. Am 14. Juli entscheidet das Landgericht, ob er dauerhaft untergebracht wird. (thi) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA 

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