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Danke, ihr Pflege-Engel! In München wurden Angehörige und Helfer geehrt: Wir stellen zwei vor

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Von: Carina Zimniok

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Eva Babij-Zitek zu Hause mit ihrem Mann Vaclav, ihrer Tochter Anna und ihren Enkel Jlyes und Layla.
Großer Zusammenhalt: Eva Babij-Zitek (2. von links) pflegt zu Hause ihren Mann Vaclav. Auch für ihre Tochter Anna und ihre Enkel Jlyes und Layla ist sie immer da. © Lehmann

In München wurden Pfleger und Helfer geehrt. Darunter die Hospizhelferin Helga Kacerovsky und Eva Babij-Zitek, die ihre Mutter gepflegt hatte und nun ihren Ehemann.

Haar/Freising – Ihren ersten Einsatz als Hospizhelferin wird Helga Kacerovsky nie vergessen. 1999 war das. Sie hatte ihre Ausbildung abgeschlossen und jetzt wurde es ernst. „Irgendwann muss man die Tür aufmachen“, erzählt sie heute. Sie fuhr zu einer schwer kranken Frau, gleich am Morgen. Die Dame wünschte sich Kaffee und kaltes Wasser, um ihr Gesicht zu waschen. Den Kaffee konnte sie nicht mehr schlucken, aber der Geschmack zauberte ihr ein seliges Lächeln auf die Lippen. Und als sie sich das Wasser ins Gesicht spritzte, sah Helga Kacerovsky „Lebensfreude pur“ in ihren Augen. Mittags schlief die Dame für immer ein.

„Es freut mich sehr, dass meine Arbeit gesehen wird“

Helga Kacerovsky hat schon so viele Menschen auf ihren letzten Metern begleitet, dass sie aufgehört hat zu zählen. Viele Jahre lang musste das neben ihrem Beruf im Ingenieurbüro ihres Mannes, neben Kind, Haus und Hund gehen. Inzwischen macht sie beim Hospizverein Haar im Landkreis München die Vorstandsarbeit und organisiert 40 Hospizhelfer. Und am Freitag fuhr Helga Kacerovsky mit einer Freundin zum Schloss Nymphenburg – dort, im Orangeriesaal, wurde sie mit anderen für ihr Ehrenamt geehrt. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek verlieh ihr den „Weißen Engel“. „Das freut mich sehr“, sagte sie vor der Veranstaltung. Weil es ein Zeichen ist, dass ihre Arbeit gesehen wird. Auch wenn die oft im Kleinen stattfindet.

Helga Kacerovsky ist Hospizhelferin.
Helga Kacerovsky ist Hospizhelferin. © Marcus Schlaf

So wie neulich, als Helga Kacerovsky vor dem Metzger in Haar eine alte Bekannte traf. Diese erzählte von ihrem schwer kranken Mann, und dass sie dank des Hospizvereins zwei Stunden in der Woche einkaufen kann. „Aber“, sagte die Frau, „ich müsste so dringend zum Friseur. Das schaffe ich in der Zeit nicht auch noch.“ Also rief Helga Kacerovsky die Koordinatorin des Hospizvereins an, die prompt eine Extra-Betreuung organisierte. Die Dame konnte zum Friseur und war unendlich dankbar.

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Angehörige und Pfleger geehrt: Eva Babij-Zitek kümmerte sich um ihre Mutter mit Alzheimer

Auch Eva Babij-Zitek wurde gestern geehrt. Sie ist 64, lebt in Freising mit ihrem Mann, der nach zwei Operationen am Rücken, mehreren Schlaganfällen, einem Herzinfarkt und einer Operation am offenen Herzen zu 70 Prozent behindert ist. Wenn die beiden am Morgen aufgestanden sind, hilft Eva Babij-Zitek ihm im Bad, weil er da schon oft hingefallen ist. Dann frühstücken sie gemeinsam, die 64-Jährige geht einkaufen, mit dem Hund raus, mittags kommen die Enkel, nach dem Essen und den Hausaufgaben gehen die Kinder heim, zwei Straßen weiter. Eva Babij-Zitek kümmert sich wieder um ihren Mann. „Seit ich nicht mehr arbeite, geht das alles ganz gut“, sagt sie. Seit einem Jahr ist sie in Rente, davor saß sie 35 Jahre lang an der Supermarktkasse. Immer im gleichen Supermarkt.

Als sie noch berufstätig war, musste sie sich auch um ihre Mama kümmern. Die hatte zuerst Alzheimer, dann auch noch Demenz, Parkinson – und irgendwann war sie so pflegebedürftig, dass sie nicht mehr alleine in Attaching wohnen konnte. Eva Babij-Zitek holte sie zu sich nach Hause. „Ich wollte mich um sie kümmern, so wie sie sich um mich gekümmert hat“, sagt sie. Doch leicht war das nicht. Zum Glück bekam sie einen Platz in der Tagespflege der AWO. Eva Babij-Zitek machte ihre Mama morgens fertig, dann wurde diese vom Bus abgeholt – die Tochter schaffte es so, pünktlich um acht an der Kasse zu sitzen. Feierabend um 15 Uhr, schnell einkaufen, Erledigungen, um 16 Uhr kam die Mama wieder heim.

„Ich wollte mich um meine Mutter kümmern, so wie sie sich um mich gekümmert hat“

Als Eva Babij-Zitek einen neuen Chef bekam, der es nicht duldete, dass sie nur Frühschicht macht, musste sie unbezahlten Urlaub nehmen. Zwei Mal ein halbes Jahr. Acht Jahre pflegte sie ihre Mutter. Dann kam Corona, schließlich auch noch Blasenkrebs. „Am Ostermontag 2020 ist sie daheim in meinen Händen gestorben“, sagt Eva Babij-Zitek und muss schlucken.

Ihre Geschichte steht für die vielen, vielen Menschen, die sich um ihre Angehörigen kümmern und dafür auf vieles verzichten. Und deshalb wurde sie von der Chefin der Kurzzeitpflegeeinrichtung ihrer Mutter für den „Weißen Engel“ vorgeschlagen. Eva Babij-Zitek freut sich, aber sie sagt auch: „Für mich war das eine Selbstverständlichkeit. Das war meine Mama.“ Gestern fuhr sie mit ihrer früheren Kollegin und ihrer Tochter nach München. Nach der Ehrung machten sie sich einen schönen Nachmittag in der Stadt. Im Gepäck: ihr „Weißer Engel“. Und dann ging’s wieder heim nach Freising, zu ihrem geliebten Mann.

Der erste Lehrgang der generalistischen Pflegeausbildung wird fertig. Zwei Schülerinnen erzählen, warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben.

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