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Vom Tatort bis zum „perfekten Mord“: Münchner Star-Anwalt erklärt, warum Verbrechen nicht aufgeklärt werden

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Von: Andreas Thieme

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Die Polizei konnte einen Verdächtigen nach der Tat festnehmen (Symbolbild).
Die Polizei konnte einen Verdächtigen nach der Tat festnehmen (Symbolbild). © Rolf Vennenbernd/dpa

Anwalt Dr. Alexander Stevens tourt gerade mit seinem Bayern-3-Podcast durch Deutschland. Im Circus Krone lieferte er einen spannenden Auftakt.

München – „Der Blick in die Küche lohnt sich nach Verbrechen“, sagt Alexander Stevens. Denn dort entdecken Ermittler häufig den entscheidenden Hinweis: Wenn Mörder etwa ihr Messer reinigen oder sich noch die Hände waschen, finden sich etliche Spuren, die eigentlich weit weg vom Tatgeschehen sind. Bis zu einer Woche dauere die Tatortarbeit: So lange sind Ermittler und die Spurensicherung vor Ort.

Mordfall ohne Leiche in München: Urteil gegen Täter auf Indizen-Basis

Etwa im Münchner Mordfall ohne Leiche: In Neuperlach waren Maria G. (41) und ihre Tochter Tatjana (16) im Juni 2019 spurlos verschwunden. Der Lebensgefährte von Maria meldete die Frauen als vermisst. Doch erst später kam heraus: Er hatte die Wohnung geweißelt, als die Polizei nach den Frauen suchte – unter der Farbe fanden die Ermittler später etliche Blutspuren.

Als extrem penibel galt der Lebensgefährte H., die Renovierung hatte er aber eiligst und unsauber erledigt – am Ende das entscheidende Indiz, um ihn zu verurteilen. Auch so können Mordprozesse also entschieden werden. 14,5 Jahre lang muss Roman H. ins Gefängnis.

Mutter und Tochter in München vermisst
Maria und Tatjana G. sind bis heute vermisst © dpa

München: Anwalt Stevens tritt im Circus Krone mit True-Crime-Show auf

Es sind die wahren Geschichten, die den Abend mit Alexander Stevens so spannend machen: Mit seinem True-Crime-Podcast von Bayern 3 tourt der Münchner Star-Anwalt aktuell durch die Republik. Den Auftakt gab er vergangenen Mittwoch im Circus Krone, den rund 3000 Zuschauer sahen. Sie staunten ein ums andere Male, als Stevens aus der Praxis erzählte.

Der größte Anfänger-Fehler von Mördern? „Wenn sie die Tatwaffe mitnehmen“, sagt Stevens. Das größte Problem bei der Leichenschau? „Es gibt viel zu wenige Ärzte.“ Dadurch bliebe jeder zweite Mord in Deutschland unentdeckt. Gruselig!

Doch Stevens vermittelt diese Fakten extrem charmant und detailreich. Für Unterhaltung ist eher Moderatorin Jaqueline Belle zuständig: Sie begleitet Stevens bis Ende Dezember auf Tour und nimmt ihn allzu gerne aufs Korn. Ihr erklärtes Ziel: „Den Alex endlich unter die Haube bringen.“ Denn der erzählt gerne von gefloppten Online-Dates, die später dann beim Anwalt landen.

Anwalt Alexander Stevens (re.) begeisterte mit Bayern-3-Moderatorin Jaqueline Belle im Circus Krone
Anwalt Alexander Stevens (re.) begeisterte mit Bayern-3-Moderatorin Jaqueline Belle im Circus Krone © Thieme

Dass sich Opfer und Täter nicht kennen, ist aber die Ausnahme: Laut Stevens stehen sie in drei von vier Fällen bereits in einer Beziehung. In 85 Prozent dieser Mord sei der Ehemann der Täter. Die entsprechenden Fälle zum Mitraten stellt Stevens auf der Bühne vor – inklusive Fotos vom Tatort. Gier oder Eifersucht sind häufige Motive, Geld oder Liebe die großen Streitpunkte, die eskalieren. Aus über zehnjähriger Praxis erklärt Stevens die Arbeit der Anwälte und Ermittler. Und weiß mit Anekdoten aus realen Fällen zu begeistern.

Rund eine Million Abrufe hatte „True Crime – Tödliche Verbrechen“ nach BR-Angaben allein im Juli. Und ist damit der erfolgreichste Podcast auf Bayern 3. Gerade die frotzeligen Dialoge mit Jaqueline Belle lockern die oft grausigen Fälle auf, die Stevens dort vorstellt. Gekonnt überträgt er das Format jetzt auf die Bühne und überfrachtet die Zuhörer nicht mit Justizwissen, sondern lässt sie erst schaudern, dann raten und später nicht selten staunen.

Mord in München: Die meisten Tötungsdelikte geschehen innerhalb von Beziehungen

Als Tausendsassa kann man Stevens getrost bezeichnen, denn neben bislang sechs Staffeln Podcast und 24 noch folgenden Live-Auftritten vertritt der Anwalt noch Mandanten aus ganz Deutschland. Aktuell verteidigt er etwa am Landgericht München II den Starnberger Dreifachmord. Auch im Strafverfahren um Star-Regisseur Dieter Wedel (†82) war Stevens beteiligt.

Hier der Gerichtssaal, dort die Bühne: Stevens vereint beides und verrät am Ende, wie man Mörder überführt. Die Frage „Was würden Sie mit dem wahren Täter machen“ habe ein erfahrener Ermittler einst den Beschuldigten gestellt. „Ins Gefängnis, lebenslang“, antworten Unschuldige spontan. Und der wahre Täter zögernd: „Was fragen Sie mich das?“ 

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