Wohin mit den Feierwütigen?

Anwohner entsetzt von Plänen für Partymeile: „Haben das erst für eine Ente gehalten“

Tobias Holzmüller schaut aus dem Fenster seiner Wohnung auf den Bereich, der zu einer Partymeile werden könnte.
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Ganz nah an der Ludwigstraße: Schaut Tobias Holzmüller aus dem Fenster seiner Wohnung, hat er direkten Blick auf den Bereich, der zu einer Partymeile werden könnte. Die Galeriestraße grenzt an den Hofgarten.

Wohin mit den Feierwütigen, die jedes Wochenende ins Univiertel ziehen? Die Idee des Stadtrats, die Ludwigstraße zu einer Partymeile umzufunktionieren, wird geprüft – und sorgt bei Anwohnern für blankes Entsetzen. Denn schon jetzt gibt es am Odeonsplatz wie auch am Hofgarten jede Menge Ärger.

München - Halligalli bis spät in die Nacht, laute Musik, Menschenmassen – und das ganz offiziell mit dem Segen der Stadt? Mit den Plänen, aus der Ludwigstraße an Wochenenden eine Partymeile zu machen, will die Politik auf die regelmäßigen Partyexzesse an der Türkenstraße* reagieren und die dortigen Anwohner entlasten. Und schockt die Menschen, die an der Ludwigstraße leben. Tobias Holzmüller ist einer der Nachbarn vis-a-vis von Hofgarten und Odeonsplatz. Er hält nichts von den Partymeilen-Plänen: „Das ist ein nicht zu Ende gedachter Schnellschuss.“ Entsprechend hofft der Anwalt, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Großer Protest gegen die Partymeilen-Pläne für die Ludwigstraße

Der Stand jetzt: Nach dem Stadtratsbeschluss vom 23. Juni gibt es bislang noch keine finale Entscheidung aus dem Rathaus. Die Verwaltung wurde zwar beauftragt, die Machbarkeit einer Partymeile zu prüfen. Diese „ergebnisoffene Prüfung“ ist laut Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats, aber noch nicht abgeschlossen. Die letzte Entscheidung liegt beim Stab für außergewöhnliche Ereignisse unter der Leitung von OB Dieter Reiter* (SPD).

Gegen die Partymeile haben sich die Innenstadt-Geschäfte vom Verbund City-Partner, der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga wie auch Bar-Legende Charles Schumann ausgesprochen, der ein Lokal am Odeonsplatz betreibt. „Nun geben sie die Straße auf“, lautet seine Befürchtung.

Holzmüller hat seine Meinung und Sorgen in einem Brief ausformuliert und diesen an den OB und die Stadtratsfraktionen geschickt. Reaktionen bis jetzt: null. Genauso wenig wurden die Anwohner über die Prüfung informiert: „Wir haben alles aus der Zeitung erfahren“, sagt Holzmüller. „Und das, ehrlich gesagt, erst für eine Ente gehalten.“ Was den 46-Jährigen so ärgert: Die Anwohner-Gemeinschaft an der Galeriestraße werde überhaupt nicht wahrgenommen. „Viele denken, dass es keine Anwohner an der Ludwigstraße gibt.“ Dabei sind die Nachbarn eine kleine eingeschworene Gruppe. Es gibt viele Kinder, aber auch Menschen, die seit Jahrzehnten dort wohnen.

Anwohner der möglichen Partymeile denken über Wegzug nach

Holzmüller, der als Anwalt für die Verwertungsgesellschaft GEMA arbeitet, lebt seit 13 Jahren an diesem ganz speziellen Ort direkt am Hofgarten – mit seiner Frau und vier schulpflichtigen Kindern. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, als Familie mitten in der Stadt zu bleiben.“ Auch wenn natürlich klar war, dass der Hofgarten keine ruhige Ecke, sondern immer schon viel frequentiert ist. Nach den vergangenen Monaten denken die Holzmüllers zum ersten Mal über einen Wegzug nach.

Sauer auf die Stadt: Galerist Stefan Vogdt.

Denn auch ohne Partymeile ist am Odeonsplatz am Wochenende viel los. Während es in der Türkenstraße häufig wie bei einem Straßenfest zugeht, treffen sich am Odeonsplatz eher junge Menschen mit aufgemotzten Autos. Und auch der dunkle Hofgarten musste bereits von der Polizei* geräumt werden. Die Stimmung sei in den Wochenend-Nächten laut Holzmüller oftmals aufgeheizt und aggressiv. Seine Kinder wachen von Geschrei, der Musik oder gleich beidem auf. Zustände, die laut Holzmüller nichts mehr mit der normalen, auch mal lauteren Geräuschkulisse am Hofgarten zu tun haben.

Hinterlassenschaften wie Müll, leere Alkohol-Falschen und stinkende Fäkalien sind es, die den Galeristen Stefan Vogdt jeden Montagmorgen aufs Neue maßlos ärgern. „Die Leute werfen meine Blumenkübel um oder bieseln alles voll“, sagt Vogdt, der seine Ausstellungsräume an der Galeriestraße 2 betreibt. Auch ihm graut vor den Konsequenzen einer offiziellen Partymeile. Er appelliert ebenfalls an die Politik. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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